Herztransplantation: MĂ€useversuche zeigen, wie EmpfĂ€nger das Spenderherz verjĂŒngen
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 15:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Transplantierte Herzen passen sich offenbar dem biologischen Alter ihrer neuen TrĂ€ger an. Eine Forschungsarbeit unter Leitung von Jesse Poganik vom Brigham and Womenâs Hospital und der Harvard Medical School beschreibt diesen Vorgang in einer vorlĂ€ufigen Publikation auf der Plattform bioRxiv.
Wie vertiefende Analysen der molekularen AblÀufe zeigen, geht die beobachtete Altersverschiebung des Spenderorgans unmittelbar mit VerÀnderungen mitochondrialer und metabolischer Prozesse einher.
Molekulare Verschiebungen im Tiermodell
In den zugrunde liegenden Versuchsreihen an MĂ€usen untersuchten die Wissenschaftler die Organe rund vier bis sechs Monate nach der erfolgten Transplantation. Dabei analysierten sie etwa 320.000 DNA-Methylierungsstellen. Ăltere Herzen, die in jĂŒngere MĂ€use eingesetzt wurden, wiesen danach verjĂŒngte Muster bei der DNA-Methylierung und GenaktivitĂ€t auf. Umgekehrt alterten biologisch junge Herzen in Ă€lteren EmpfĂ€ngertieren merklich schneller.
Ausschlaggebend fĂŒr diese Entwicklung waren messbare Verschiebungen im Zellstoffwechsel und den mitochondrialen Funktionen des transplantierten Gewebes. WĂ€hrend das Spenderorgan eine deutliche VerĂ€nderung zeigte, blieben die körpereigenen Organe der EmpfĂ€ngertiere weitgehend unbeeinflusst: Die nativen Herzen, die Lebern sowie das Blut der EmpfĂ€nger verĂ€nderten ihr biologisches Alter im Beobachtungszeitraum kaum.
Parallele Beobachtungen bei menschlichen Gewebeproben
Erste Hinweise auf einen vergleichbaren Effekt liefert auch die Untersuchung von elf menschlichen Herztransplantationen. In dieser Stichprobe lagen die Altersdifferenzen zwischen Spendern und EmpfÀngern zwischen minus 24 und plus 50 Jahren.
Die vorlĂ€ufige Arbeit beschreibt, wie sich das biologische Alter transplantierter Herzen dem EmpfĂ€nger annĂ€hert â bei MĂ€usen und in ersten menschlichen Gewebeproben. Unser kostenloser Leitfaden fasst die epigenetischen Befunde zusammen und ordnet ein, was sie fĂŒr die Spenderauswahl derzeit nicht belegen. Leitfaden zur Spenderauswahl jetzt anfordern
In fĂŒnf FĂ€llen erhielten jĂŒngere Patienten ein Ă€lteres Organ bei einem Altersabstand von 8 bis 24 Jahren. In sechs FĂ€llen wurden jĂŒngere Herzen an Ă€ltere Patienten transplantiert, wobei der Unterschied 38 bis 50 Jahre betrug.
Bei der epigenetischen Auswertung dieser elf Transplantationen wiesen zwei von drei eingesetzten epigenetischen Uhren einen deutlichen Unterschied auf. Das Fachmagazin Nature griff die Ergebnisse der Arbeitsgruppe Ende September 2026 in einem Bericht auf.
ErgĂ€nzende Daten von Hunderten EmpfĂ€ngern ein Jahr nach dem Eingriff verdeutlichen zudem funktionelle ZusammenhĂ€nge: Das Alter des EmpfĂ€ngers war demnach stĂ€rker mit der spĂ€teren LeistungsfĂ€higkeit â insbesondere der Belastbarkeit und der maximalen Sauerstoffaufnahme â verknĂŒpft als das ursprĂŒngliche Alter des Spenders.
Offene Fragen zur klinischen Praxis
Obwohl die Befunde neue Einblicke in die PlastizitĂ€t von Spenderorganen bieten, bleiben wesentliche klinische Parameter ungeklĂ€rt. Der Langzeitnutzen, das tatsĂ€chliche Ăberleben der Patienten sowie die zeitliche Dauer der epigenetischen VerĂ€nderungen wurden in der Arbeit nicht untersucht.
Der Organmangel bleibt hoch, doch die Autoren betonen: Die Daten rechtfertigen noch keine Ausweitung bestehender Altersgrenzen. Unser Leitfaden zeigt in 3 Schritten, welche offenen Fragen zu Langzeitnutzen und Ăberleben vor jeder Anpassung der Kriterien geklĂ€rt werden mĂŒssen. Die 3 PrĂŒfschritte jetzt sichern
Die Autoren betonen daher, dass die Daten bislang keine Ănderung der Zuteilungspraxis oder eine generelle Ausweitung bestehender Altersgrenzen fĂŒr Spender rechtfertigen. Mögliche Konsequenzen fĂŒr die Spenderauswahl mĂŒssen in kĂŒnftigen, gröĂeren Studien ĂŒberprĂŒft werden.
Gleichwohl könnten derartige Erkenntnisse auf lange Sicht dazu beitragen, bestehende Spenderpools besser zu nutzen. Der Bedarf an Organen bleibt hoch: Im Jahr 2024 wurden in den USA 4636 Herztransplantationen vorgenommen, was einem Zuwachs von 81,5 Prozent gegenĂŒber dem Jahr 2013 entspricht.
