Hirnblutung: Lancet-Studie findet möglichen Nutzen bei Blutungen über 15 ml
Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 07:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die wissenschaftliche Überprüfung traditioneller Heilmethoden anhand moderner klinischer Standards gilt in der evidenzbasierten Medizin als zentraler Schritt für deren weltweite Bewertung.
Eine Veröffentlichung im renommierten Fachjournal The Lancet vom 12. November 2024 markiert in diesem Zusammenhang eine bedeutsame Wegmarke: Erstmals in der 200-jährigen Geschichte der medizinischen Fachzeitschrift erschien eine von chinesischen Teams geleitete multizentrische klinische Studie zur chinesischen Kräutermedizin. Die wissenschaftliche Untersuchung liefert fundierte Daten zur Wirksamkeit traditioneller Arzneien bei akuten neurologischen Notfällen.
Methodischer Aufbau und Durchführung der Untersuchung
Die als CHAIN-Studie bezeichnete Untersuchung stand unter der gemeinsamen Leitung des Guangdong Provincial Hospital of Chinese Medicine durch Guo Jianwen sowie der Fudan University durch Song Lili und Craig Anderson. Das Forschungsteam wählte ein multizentrisches, placebokontrolliertes Design, um belastbare Ergebnisse zur Behandlung akuter Hirnblutungen zu gewinnen.
Insgesamt wurden 1641 Patientinnen und Patienten in die Studie aufgenommen, die eine spontane Hirnblutung erlitten hatten und innerhalb eines Zeitfensters von 48 Stunden nach dem Ereignis behandelt werden konnten. Die Rekrutierung erfolgte landesweit über 26 Krankenhäuser, die sich über 12 Provinzen Chinas verteilten.
Getestet wurde das traditionelle pflanzliche Arzneimittel FYTF-919, auch bekannt als Zhongfeng Xingnao, im direkten Vergleich mit einem Placebo. Die Verabreichung erfolgte über einen Zeitraum von 28 Tagen entweder oral oder nasal. Zur Erfassung der Langzeitverläufe wurden strukturierte Nachbeobachtungen nach 90 sowie nach 180 Tagen durchgeführt.
Gesamtergebnisse und Verträglichkeit im Kollektiv
Hinsichtlich des primären Studienziels über das gesamte Patientenkollektiv zeigte die Auswertung ernüchternde Resultate. Über alle 1641 Teilnehmenden hinweg ließ sich kein statistisch relevanter Effekt von FYTF-919 auf die funktionelle Erholung feststellen. Ebenso wenig konnten Verbesserungen bezüglich der Überlebensrate oder der gesundheitsbezogenen Lebensqualität der behandelten Personen nachgewiesen werden.
Die im Lancet veröffentlichte CHAIN-Studie zeigt, wie moderne klinische Prüfstandards auf ein traditionelles Arzneimittel angewendet werden — mit ernüchterndem Gesamtergebnis und auffälligen Subgruppen-Befunden. Wer die Studie einordnen will, findet hier die wichtigsten Schritte und Kriterien aufbereitet. Kostenlosen TCM-Studien-Guide anfordern
Gleichzeitig lieferte die CHAIN-Studie verlässliche Daten zum Sicherheitsprofil des traditionellen Präparats im Vergleich zur Kontrollgruppe. Bei der Häufigkeit und Art von Nebenwirkungen traten zwischen der mit FYTF-919 behandelten Gruppe und der Placebogruppe keine signifikanten Unterschiede auf. Das Mittel erwies sich unter den Bedingungen der 28-tägigen Verabreichung somit als vergleichbar verträglich.
Differenzierte Befunde in spezifischen Subgruppen
Während der therapeutische Gesamteffekt ausblieb, ergab die detaillierte Subgruppenanalyse differenziertere Hinweise für spezifische Krankheitsbilder.
Bei akuten Hirnblutungen zählt jede Stunde — und viele fragen sich, ob traditionelle Mittel in dieser Situation helfen. Die CHAIN-Studie liefert dazu klare Sicherheitsdaten, aber keinen Gesamtnutzen; nur bei Blutungen über 15 ml zeichnete sich ein möglicher Vorteil ab. Der Guide erklärt, was das für die Praxis bedeutet. Subgruppen-Analyse jetzt verstehen
Demnach zeichnete sich bei Patientengruppen mit einem Blutungsvolumen von mehr als 15 Millilitern sowie bei Personen mit lobären Blutungen ein möglicher Nutzen der Behandlung ab. In diesen Untergruppen zeigte sich ein positiver Einfluss auf die funktionelle Unabhängigkeit der Betroffenen nach einem Zeitraum von 90 Tagen.
Die CHAIN-Studie unterstreicht damit den Wert streng kontrollierter klinischer Prüfungen für die traditionelle chinesische Medizin. Durch die Veröffentlichung in einem führenden Fachorgan liefert die Forschungsarbeit einen methodisch transparenten Maßstab dafür, wie traditionelle Formulierungen künftig gezielt auf potenzielle Indikationen hin eingegrenzt und nach internationalen Kriterien überprüft werden können.
