Hirnforschung, Bulimie

Hirnforschung zu Bulimie: Analyse von knapp 800 Frauen aus 17 LĂ€ndern

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 06:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine internationale Analyse verknĂŒpft Bulimie mit VerĂ€nderungen bestimmter Hirnregionen, lĂ€sst Ursache und Folge jedoch offen.

Bulimie: Hirnstudie zeigt Unterschiede in mehreren Hirnarealen
Ein ruhiger, minimalistischer Raum mit weichem Tageslicht und sanften Schatten auf einem Holzboden. Illustration mit AI erstellt.

Essstörungen wie die Bulimie stellen fĂŒr Betroffene und deren Umfeld eine erhebliche Belastung dar. Oftmals wird die Erkrankung in der Öffentlichkeit vor allem auf das sichtbare Essverhalten reduziert. Fachleute betonen jedoch zunehmend die tiefer liegenden psychischen Mechanismen.

Andrea Ammann, Mentorin in Winterthur, ordnet Bulimie als Sucht sowie als Zwangsverhalten ein. Die Nahrungsaufnahme und die damit verbundenen Rituale seien dabei lediglich das Symptom, nicht jedoch das eigentliche Kernproblem der Störung.

Verhaltensmuster, Warnsignale und der Umgang im Umfeld

In der Praxis Ă€ußert sich eine Bulimie durch wiederkehrende EssanfĂ€lle, auf die unmittelbar kompensatorische Maßnahmen folgen. Zu diesen Gegenmaßnahmen zĂ€hlen unter anderem selbst herbeigefĂŒhrtes Erbrechen, exzessive sportliche BetĂ€tigung, strenges Hungern oder der Missbrauch von AbfĂŒhrmitteln.

Neben diesen drastischen Reaktionen existieren weitere Verhaltensweisen im Alltag, die auf eine Erkrankung hindeuten können. So wird eine ĂŒbermĂ€ĂŸige Kontrolle von Gewicht und Körpermaßen als mögliches Warnsignal einer Essstörung beschrieben.

FĂŒr Angehörige und das persönliche Umfeld erweist sich der Umgang mit Erkrankten oft als schwierig. Ammann hebt hervor, dass Betroffene keinesfalls direkt konfrontiert oder unter Druck gesetzt werden sollten. Stattdessen seien ein wertfreies Nachfragen und aufmerksames Zuhören deutlich wirksamere AnsĂ€tze. Eine wesentliche UnterstĂŒtzung bestehe zudem darin, Erkrankten bei der Suche nach professioneller Hilfe zur Seite zu stehen.

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Neurologische Erkenntnisse aus der internationalen Forschung

Die Einordnung von EssanfĂ€llen als tiefgreifendes Verhaltensmuster wird auch durch wissenschaftliche Untersuchungen der Hirnstruktur gestĂŒtzt. Die sogenannte ENIGMA-Studie unter Leitung von Mount Sinai untersuchte anhand von Daten aus 17 LĂ€ndern knapp 800 Frauen.

Eine entsprechende Metaanalyse umfasste ĂŒber 700 Frauen aus 17 internationalen Kohorten. Bei den betroffenen Teilnehmerinnen mit Bulimie stellten die Forscher ein kleineres Volumen des Nucleus accumbens fest. Zudem zeigte sich in Teilen des Temporalkortex eine geringere OberflĂ€che.

DarĂŒber hinaus ergab die Untersuchung deutliche Verbindungen zwischen der Krankheitsschwere und neuronalen Arealen: HĂ€ufigeres unkontrolliertes Essen war mit Unterschieden beziehungsweise einer geringeren OberflĂ€che in Bereichen verknĂŒpft, die fĂŒr kognitive Kontrolle, Belohnungsbewertung, Emotionsregulation und Körperwahrnehmung zustĂ€ndig sind.

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AuffĂ€llig war hingegen das Fehlen struktureller ZusammenhĂ€nge bei den nachfolgenden Gegenmaßnahmen: Die HĂ€ufigkeit kompensatorischer Verhaltensweisen korrelierte nicht mit messbaren VerĂ€nderungen der Hirnstruktur.

Die beteiligten Wissenschaftler weisen allerdings darauf hin, dass es sich um Querschnittsdaten handelt. Folglich lÀsst sich anhand der bisherigen Ergebnisse nicht eindeutig klÀren, ob die beobachteten Hirnunterschiede als Ursache oder als Folge der Bulimie anzusehen sind.

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