Hitze-Ausfallgeld: DGB fordert Schutz für jeden dritten Arbeitnehmer
Veröffentlicht am: 25.07.2026 um 07:40 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Sommer werden heißer, die Forderungen lauter. Angesichts steigender Temperaturen und extremer Hitzewellen verlangen Gewerkschaften und Politiker endlich verbindliche Schutzmaßnahmen für Arbeitnehmer. Im Kern: Wer bei Hitze nicht arbeiten kann, soll finanziell abgesichert sein.
Jeder dritte Beschäftigte leidet unter Hitze
Die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi sprach sich am 17. Juli 2026 für ein sogenanntes Hitze-Ausfallgeld aus. Das Instrument soll Beschäftigte absichern, wenn extreme Temperaturen die Arbeit unmöglich machen. Hintergrund ist eine DGB-Umfrage unter rund 4.000 Teilnehmern. Ergebnis: Jeder dritte Beschäftigte fühlt sich durch Hitze am Arbeitsplatz belastet. Steigt der Zeitdruck, sind es sogar 48 Prozent.
Die wirtschaftlichen Folgen sind enorm. Laut Gewerkschaft verursacht jeder Hitzetag Kosten von rund 431 Millionen Euro. Fahimi warnte vor Produktionsausfällen und erhöhtem Unfallrisiko durch nachlassende Konzentration.
Griechenland macht es vor
Während Deutschland noch debattiert, handeln andere EU-Staaten bereits. In Griechenland verfügten die Behörden am 22. Juli 2026 einen vorübergehenden Arbeitsstopp für körperlich belastende Tätigkeiten im Freien. Grund: Temperaturen bis zu 43 Grad Celsius. In Regionen wie Attika und Thessalien war die Arbeit zwischen 13 und 17 Uhr untersagt. Bei Verstößen drohen Bußgelder von 2.000 Euro pro betroffenem Arbeitnehmer.
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Auf EU-Ebene fordern Gewerkschaftsverbände seit dem Frühsommer verbindliche Hitzeschutzmaßnahmen für alle Mitgliedstaaten. Ein Vorschlag vom Juni 2026 orientiert sich an Abkühlpausen, wie sie bei Fußball-Weltmeisterschaften praktiziert werden. Die EU-Kommission prüft derzeit, ob sich solche Standards in bestehende Verordnungen integrieren lassen. Laut Weltgesundheitsorganisation sterben weltweit jährlich rund 500.000 Menschen an den Folgen extremer Hitze.
Bauernverband warnt vor Ernteeinbußen
Nicht nur Industrie und Dienstleistungssektor leiden – auch die Landwirtschaft kämpft. Der Deutsche Bauernverband prognostizierte am 24. Juli 2026 deutliche Ertragseinbußen durch Hitze und Dürre. Beim Winterweizen rechnet der Verband mit einem Rückgang von bis zu 15 Prozent, beim Raps mit bis zu 18 Prozent im Vergleich zu den Vorjahren. DBV-Präsident Rukwied forderte steuerliche Entlastungen und die Möglichkeit zur Bildung einer steuerfreien Risikoausgleichsrücklage.
Auch auf Länderebene gibt es Bewegung. In Sachsen forderten Vertreter der Linken am 24. Juli 2026 einen landesweiten Hitzeaktionsplan. Bisher verfügen nur fünf Kommunen im Freistaat über entsprechende Konzepte. Die Forderungen umfassen Verschattung, Stadtbegrünung und verbindliche Mindeststandards für Krankenhäuser, Pflegeheime und Kitas. Die Bilanz ist alarmierend: In Sachsen gab es bis zur Jahresmitte 2026 bereits 230 hitzebedingte Todesfälle. Bundesweit waren es im gesamten Jahr 2025 rund 6.300 Todesfälle durch hohe Temperaturen.
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Gerichtsurteil zu Pausenwegen
Parallel zur Hitzeschutz-Debatte beschäftigen sich deutsche Gerichte mit einer versicherungsrechtlichen Frage: Sind Wege zur Nahrungsaufnahme während der Pause unfallversichert? Das Landessozialgericht Hessen urteilte: Nur dann, wenn sie unmittelbar in den Arbeitsablauf eingebunden sind und der Erhaltung der Arbeitskraft dienen. Gegen die Urteile sind Revisionen beim Bundessozialgericht anhängig. Die Rechtssicherheit bleibt damit offen – ein Problem, das bei Hitze noch drängender wird.
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