Hitze in Heimen: 800.000 Senioren in Gefahr bei über 35 Grad
29.06.2026 - 04:51:29 | boerse-global.de
Am Wochenende stiegen die Temperaturen vielerorts auf über 35 Grad – mit dramatischen Folgen für die rund 800.000 Heimbewohner.
In Nordrhein-Westfalen wurde die Lage besonders kritisch. In Dormagen maßen Mitarbeiter in einem Heim Innentemperaturen von bis zu 35 Grad. Ein Bewohner starb, 16 weitere mussten in Krankenhäuser gebracht werden. In Krefeld kollabierten mehrere Senioren in einer Dachgeschoss-Station. Fast 40 Bewohner wurden in kühlere Stockwerke verlegt.
Der Deutsche Wetterdienst hatte für den 27. und 28. Juni vor extremer Hitze gewarnt. In Tönisvorst wurden 40,2 Grad gemessen – ein neuer Juni-Rekord.
Warum die Hitze für Pflegebedürftige so gefährlich ist
Bettlägerige und schwer vorerkrankte Menschen trifft die Hitze besonders hart. Die AWO Thüringen warnt zudem vor den Risiken für Demenzkranke. Sie können Schutzmaßnahmen wie mehr Trinken oder den Aufenthalt in kühlen Räumen oft nicht nachvollziehen.
Die Heime reagieren mit pragmatischen Lösungen. Statt schwerer Kost gibt es Salate, Wassermelonen und Eis. Trinkprotokolle sollen Dehydrierung verhindern. Nachts wird strategisch gelüftet, tagsüber bleiben Rollläden geschlossen. Ventilatoren, kalte Fußbäder und feuchte Tücher kommen zum Einsatz.
Besonders bei Hitze ist eine gute Selbstfürsorge für Senioren entscheidend – dieser kostenlose Ratgeber zeigt mit 11 Alltagsübungen und Ernährungstipps, wie Sie Ihre geistige und körperliche Fitness nachhaltig schützen. Hier kostenlosen Ratgeber für geistige Fitness sichern
Das große Problem: fehlende Klimaanlagen
Klimatisierte Pflegeheime sind in Deutschland die Ausnahme. Nachrüstungen scheitern oft an fehlenden Finanzen oder baurechtlichen Vorgaben. Das Aschrottheim in Kassel etwa steht unter Denkmalschutz – ein Fensteraustausch ist nicht erlaubt. Die Innentemperaturen erreichen dort bis zu 30 Grad.
Einrichtungsleiter fordern deshalb verbindliche Hitzeaktionspläne. Ohne Investitionen von Bund und Ländern in Kühlsysteme und Verschattungen seien diese aber nicht umsetzbar.
Vergesslichkeit und Verwirrtheit nehmen bei extremer Belastung oft zu, weshalb frühzeitige Klarheit über den eigenen Gesundheitszustand Sicherheit gibt. Mit diesem anonymen 7-Fragen-Test erhalten Sie in nur 2 Minuten eine erste professionelle Einschätzung zu möglichen Warnsignalen. Jetzt kostenlosen Demenz-Selbsttest starten
Scharfe Kritik an der Politik
Patientenschützer werfen der Regierung Versäumnisse vor. Eugen Brysch von der Stiftung Patientenschutz spricht von „reinem Aktionismus“. Er fordert verbindliche Investitionen in den Hitzeschutz für Bestandsbauten. Für Neubauten soll eine gesetzliche Obergrenze von 25 Grad gelten.
Auch der Hausärzteverband übt scharfe Kritik. Die Vorsitzende Nicola Buhlinger-Göpfarth erinnert an ein vor drei Jahren angekündigtes Maßnahmenpaket zum Hitzeschutz – es sei bis heute nicht vollständig umgesetzt. Besonders fehle eine strukturierte Vergütung für Hitzeschutzberatungen in Praxen.
Die Pflegekammer NRW drängt auf verbindliche Hitzeaktionspläne. Das Personal leide bereits jetzt unter der zusätzlichen körperlichen und psychischen Belastung.
