Hitze, Medikamente

Hitze und Medikamente: Insulin, Opioide und Blutdruck im Fokus

24.06.2026 - 06:43:45 | boerse-global.de

Extreme Temperaturen belasten Nieren und Kreislauf. Mediziner geben konkrete Handlungsempfehlungen für Flüssigkeitszufuhr und Medikamentenmanagement.

Hitzewelle: So schützen Sie Nieren und Herz-Kreislauf
Hitze - Nahaufnahme von Händen, die ein Glas Wasser halten, mit einem Blutdruckmessgerät und medizinischen Diagrammen im unscharfen Hintergrund. 24.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Besonders Herz-Kreislauf-System und Nieren geraten unter Druck. Mediziner raten zu angepasstem Trinkverhalten, regelmäßigen Kontrollen und einer Überprüfung der Medikation.

Flüssigkeitshaushalt: Mehr trinken, aber richtig

Die Nieren leiden bei hohen Temperaturen besonders. Jörg Latus vom Robert-Bosch-Krankenhaus empfiehlt eine gestaffelte Trinkmenge: Bei normaler Aktivität reichen 2,5 bis 3 Liter täglich. Bei leichter Aktivität steigt der Bedarf auf 3 bis 4 Liter, bei sportlicher Betätigung auf 4 bis 6 Liter. Ein einfacher Indikator: die Urinfarbe.

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Doch Vorsicht vor übertriebenen Mengen – eine Wasservergiftung ist möglich. Kaffee und Tee zählen zur Flüssigkeitsbilanz, zuckerhaltige Limonaden und Alkohol sollten tabu sein. Hitze kann die Nieren direkt schädigen. Wer zusätzlich Medikamente wie Ibuprofen nimmt, belastet die Organe noch stärker.

Medikamente: Insulin und Pflaster werden zur Gefahr

Die Hitze verändert die Wirkung vieler Medikamente. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) rät, die Dosierung von rezeptpflichtigen Präparaten ärztlich prüfen zu lassen. Besonders tückisch: Wirkstoffpflaster mit Opioiden. Die stärkere Durchblutung der Haut kann zu einer Überdosierung führen – mit gefährlicher Atemverlangsamung.

Für Diabetiker steigt das Risiko einer Unterzuckerung. Insulin wird in der stark durchbluteten Haut schneller aufgenommen. Die Empfehlung: Blutzucker häufiger messen, Insulin-Pens nicht über 30 Grad lagern.

Patienten mit entwässernden Tabletten (Diuretika) gegen Bluthochdruck trocknen schneller aus. Mediziner raten zum täglichen Wiegen, um Flüssigkeitsverluste früh zu erkennen.

Herz-Kreislauf: Blutdruck im Auge behalten

Ab 35 Grad steigt die Gefahr von Kreislaufkollapsen und Herzrhythmusstörungen. Das betont die Deutsche Herzstiftung – besonders bei Patienten mit Herzschwäche, koronarer Herzkrankheit oder Bluthochdruck. Der Körper weitet die Gefäße, der Blutdruck sinkt, die Herzfrequenz steigt um 20 bis 30 Schläge pro Minute.

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Regelmäßiges Blutdruckmessen ist Pflicht. Fällt der systolische Wert unter 100 mmHg, ist ärztlicher Rat nötig. Für den Kaliumhaushalt empfehlen Experten kaliumreiches Obst oder Gemüsebrühe. Die morgendliche Gewichtskontrolle dient als Alarmsystem: Mehr als ein Kilo Zunahme über Nacht oder 2,5 Kilo pro Woche deuten auf riskante Flüssigkeitseinlagerungen hin.

Hitzeschutzpläne: Krankenhäuser melden mehr Notfälle

Mit prognostizierten Höchstwerten von bis zu 41 Grad und tropischen Nächten über 25 Grad haben viele Institutionen ihre Hitzeschutzpläne aktiviert. Im Raum Düsseldorf verzeichnen Krankenhäuser seit dem Wochenende eine spürbare Zunahme hitzebedingter Notfälle – betroffen sind sowohl jüngere Menschen als auch Pflegeheimbewohner.

Die Awo Nordhessen setzt auf engmaschige Vitalkontrollen, Meidung der Mittagssonne zwischen 12 und 16 Uhr sowie natriumreiches Mineralwasser. Die Stadt Wiesbaden hat Hitzeaktionspläne mit Informationsmaterialien und ausgewiesenen kühlen Orten.

Mediziner wie Björn Bergau vom Klinikum Karlsruhe erinnern an die Erste Hilfe bei Hitzschlag. Symptome wie erhöhte Körpertemperatur, trockene Haut und Verwirrtheit erfordern sofort den Notruf – plus Kühlung des Betroffenen im Schatten.

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