Hörsysteme, Phonak-Studie

Hörsysteme mit KI: Phonak-Studie misst bis zu 37 Prozent weniger Höranstrengung

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 12:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

GN Hearing, Phonak und Cochlear zeigen KI-gestützte Hörlösungen; Auracast gewinnt weltweit Veranstaltungsorte hinzu.

EUHA 2026: KI-Hörsysteme und neue Audiotechnik im Fokus
Modernes Labor für Akustikforschung mit präziser Messtechnik und schallabsorbierenden Wandelementen. Illustration mit AI erstellt.

Der europäische Hörakustik-Kongress EUHA (14. bis 16. Oktober in Hannover) bildet den Rahmen für neue technologische Entwicklungen in der Audiotechnik.

Im Mittelpunkt stehen Hörsysteme, die mithilfe von künstlicher Intelligenz ein verbessertes Sprachverstehen in lauten Umgebungen ermöglichen und ein immersives Hörerlebnis bieten sollen. Führende Anbieter setzen dabei auf spezialisierte Co-Prozessoren, neuronale Netze zur Störschallfilterung und offene Funkstandards.

Intelligente Signalverarbeitung und Dual-Chip-Architekturen

Hersteller verlagern rechenintensive KI-Prozesse zunehmend direkt auf die Endgeräte. GN Hearing präsentiert auf dem Kongress in Halle 6 (Stand 503 und 505) das System ReSound Sensia, das als kleinstes KI-Hörsystem der Welt mit hochpräziser Echtzeit-Umgebungsklassifizierung beschrieben wird.

Die Technologie Intelligent All-Around vereint dabei eine automatisierte Umgebungserkennung, einen 4-Mikrofon-Beamformer und eine Störgeräuschreduzierung auf Basis tiefer neuronaler Netze (DNN). Bei aktivem Audio-Streaming und paralleler KI-Nutzung erreicht das Gerät eine Akkulaufzeit von bis zu 24 Stunden. Zudem werden bimodale Kombinationen mit dem Nucleus-System von Cochlear unterstützt.

Phonak nutzt in der Modellreihe Audéo EON Sphere eine Kombination aus zwei Recheneinheiten: Neben dem klassischen Hörchip arbeitet ein dedizierter HYPERSONIC-Chip, der Sprache gezielt aus komplexem Geräuschgewirr herausarbeitet.

Eine Untersuchung des hauseigenen Hörforschungsteams vom Zürichsee (Latzel, M. et al. 2025, Phonak Field Study News) ermittelte bei Probanden mit mittel- bis hochgradigem Hörverlust eine um bis zu 37 Prozent geringere relative Höranstrengung in Mehrsprecher-Situationen gegenüber dem Vorgänger StereoZoom 2.0. Der Hörakustiker Neuroth flankiert den Einsatz moderner Systeme mit einem 30-tägigen kostenlosen Praxistest nach vorheriger Höranalyse.

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Fortschritte bei Knochenleitung und drahtloser Konnektivität

Auch im Segment implantierbarer Hörlösungen kommen neue Komponenten zum Einsatz. Cochlear stellt in Hannover den Osia 3 Soundprozessor vor, der laut einem Bericht vom 12. Oktober 2026 sowohl für Erstimplantationen als auch für System-Upgrades bereitsteht. Das Modell ist das erste aktive Knochenleitungshörsystem mit einem piezoelektrischen Schallwandler.

Ein integrierter Lithium-Ionen-Akku liefert nach einer Ladezeit von drei Stunden Energie für bis zu 30 Stunden Betriebszeit. Das Hörsystem bietet einen Anpassbereich bis 65 dB HL sowie einen Frequenzbereich von 100 Hz bis 9,5 kHz, fünf Magnetstärken und drahtlose Anbindungen über Bluetooth LE Audio samt Auracast Broadcast Audio, Android ASHA sowie Apple MFi v2.

Die globale Verbreitung von Auracast spiegelt sich auch in der Infrastruktur wider. Nach Erhebungen von GN Hearing kommen weltweit täglich fünf neue Veranstaltungsorte mit der Sendetechnologie hinzu.

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Neben den Flughäfen Frankfurt und München, der Berliner Philharmonie, dem Thalia Theater in Hamburg, der Tiroler TIWAG Arena und der Pilatus Arena in Kriens sollen ab 2029 auch die Durchsagen in den Münchner S-Bahnen über den offenen Audiostandard übertragen werden.

Parallele Filterung und Audiokooperationen

Die Verzahnung verschiedener Signalfilter prägt auch Entwicklungen anderer Branchenakteure. Beim Hersteller Orka arbeiten eine aktive Geräuschunterdrückung (ANC) und eine KI-Sprachverbesserung parallel.

Die ANC-Technik reduziert direkten Schall durch Belüftung und mindert den Okklusionseffekt, während Anwender die Sprachfilterung per App steuern können; die Akkulaufzeit liegt mit ANC bei bis zu 35 Stunden. Die Zusammenarbeit geht auf Kontakte zwischen Bose-Forscher Andy Sabin und Orka-Mitgründer Linkai Li während des EUHA-Kongresses 2023 zurück.

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