Hörverlust ab 80: Rund die HÀlfte der Menschen ist betroffen
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 02:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der spanische Verband fĂŒr Familien und Menschen mit HörschĂ€digungen, FIAPAS, hat in Madrid die Kampagne âQue Lo Escuche Todo el Mundo 2026â mit dem Titel âLa Doble PĂ©rdidaâ vorgestellt. Die Organisation fordert, dass die HörgerĂ€te-Leistung des spanischen Nationalen Gesundheitssystems ohne Alters- oder Hörverlust-EinschrĂ€nkung gewĂ€hrt wird.
Derzeit gilt die Versorgung nur bis zum Alter von 26 Jahren und deckt keine einseitigen Hörverluste ab. Das spanische Gesundheitsministerium sagte laut FIAPAS zu, gemeinsam mit dem Verband einen umsetzbaren Vorschlag zu erarbeiten. Die Initiative rĂŒckt ein Thema in den Fokus, das weit ĂŒber Spanien hinaus Relevanz hat: die VersorgungslĂŒcke bei Hörverlust im höheren Lebensalter.
Verbreitung und gesundheitliche Folgen
Wie ein Bericht von Vidal unter Bezug auf The Conversation zeigt, bleibt Hörverlust bei Àlteren Menschen oft unerkannt. EuropÀische Daten zufolge sind etwa ein Drittel der 65- bis 75-JÀhrigen und rund die HÀlfte der Menschen ab 80 Jahren betroffen.
In der französischen CONSTANCES-Kohorte lag der Anteil bei den 71- bis 75-JĂ€hrigen sogar ĂŒber 60 Prozent. Die HNO-Spezialistin Serena Preyer geht davon aus, dass 70 bis 80 Prozent der ĂŒber 60-JĂ€hrigen schwerhörig sind.
Die wirtschaftlichen und gesundheitlichen Folgen sind laut WHO erheblich: Unbehandelter Hörverlust kostet weltweit jÀhrlich fast 1 Billion US-Dollar. Eine Lancet-Kommission aus dem Jahr 2024 stufte Hörverlust als modifizierbaren Demenzrisikofaktor mit einem zurechenbaren Anteil von 7 Prozent ein; je 10 Dezibel Verschlechterung steige das Demenzrisiko demnach um 16 Prozent.
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Die ACHIEVE-Studie fand bei Ă€lteren Menschen mit hohem kognitivem Risiko nach drei Jahren einen um 48 Prozent geringeren globalen kognitiven Abbau bei den Interventionsteilnehmenden, die zudem 27 Prozent weniger StĂŒrze erlitten.
Auch Sturzstatistiken unterstreichen den Handlungsbedarf: In Frankreich gab es 2024 bei Menschen ab 65 Jahren fast 175.000 sturzbedingte Krankenhausaufnahmen und ĂŒber 20.000 TodesfĂ€lle.
Zwischen 2019 und 2024 stiegen die standardisierten Raten um 20,5 Prozent beziehungsweise 18 Prozent. Eine Erhebung von 2014 zur Situation in französischen Pflegeheimen ergab, dass 42 Prozent der Bewohner HörbeeintrÀchtigungen aufwiesen, 15 Prozent davon schwer oder sehr schwer.
Fortschritte in Therapie und Forschung
Preyer hĂ€lt Medikamente gegen genetisch bedingte Schwerhörigkeit innerhalb der kommenden zehn Jahre fĂŒr möglich. In Studien wurde bereits vor zwei Jahren bei Kindern und 2025 bei einem Patienten in TĂŒbingen eine Heilung erreicht.
Auch chirurgische Eingriffe können helfen: Die Patientin Daniela Becker konnte nach einer SteigbĂŒgelplastik wegen Otosklerose wĂ€hrend der Operation wieder hören, nachdem sie zuvor mit dem betroffenen Ohr nur noch etwa die HĂ€lfte gehört hatte. Bei komplikationsloser Heilung könnte sie kĂŒnftig auf ein HörgerĂ€t verzichten.
Technologisch arbeiten Professor Haizhou Li und Forschungsteams in Bremen und Singapur seit 2019 an einem neuro-gesteuerten Hörsystem, bei dem EEG-Elektroden erfassen sollen, auf welche Stimme eine Person achtet, wÀhrend eine KI diese in Echtzeit verstÀrkt.
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Aus der Projektphase 2019 bis 2025 gingen mehr als 40 gemeinsame Veröffentlichungen mit ĂŒber 700 Zitierungen hervor. Im Sommer 2026 bewilligte die Deutsche Forschungsgemeinschaft ein Anschlussprojekt zur Verbesserung der EEG-gestĂŒtzten Stimmenextraktion bei Bewegung.
Auf der Produktseite bewirbt Oticon Medical den SmartCharger, nach Unternehmensangaben die erste wiederaufladbare Lösung fĂŒr perkutane Ponto-Soundprozessoren, deren Ladecase zwei NiMH-Akkus gleichzeitig laden soll. Der integrierte Akku soll in weniger als vier Stunden unterwegs bis zu 24 LadevorgĂ€nge fĂŒr den Ponto 5 Mini oder bis zu 12 fĂŒr den Ponto 5 SuperPower ermöglichen.
Praktische Hinweise zur Versorgung
Fachleute empfehlen, HörgerĂ€te wĂ€hrend der Probezeit in unterschiedlichen Alltagssituationen zu testen â etwa bei GesprĂ€chen, beim Fernsehen, Telefonieren, im Restaurant und unterwegs. Ein Hörtagebuch könne die spĂ€tere Feinanpassung durch den Hörakustiker unterstĂŒtzen. Die Eingewöhnungszeit sei individuell verschieden, ebenso wie der genaue Ablauf und die Zahl der Kontrolltermine.
Die Initiative von FIAPAS macht deutlich, dass strukturelle VersorgungslĂŒcken â etwa Altersgrenzen oder AusschlĂŒsse bei einseitigem Hörverlust â in bestehenden Gesundheitssystemen bestehen bleiben, obwohl Forschung und Praxis zunehmend zeigen, welche gesundheitlichen Folgen unbehandelter Hörverlust im Alter nach sich ziehen kann.
