Hörverlust bei MĂ€usen: Nanoreaktor HSC@Se schĂŒtzt Haarzellen vor SchĂ€den
Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 09:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deHerkömmliche Hörtests stoĂen an ihre Grenzen, wenn es darum geht, funktionelle BeeintrĂ€chtigungen des Gehörs frĂŒhzeitig und prĂ€zise abzubilden. Ein standardmĂ€Ăiges Audiogramm erfasst primĂ€r die Funktion der Haarzellen, lĂ€sst jedoch SchĂ€digungen an den synaptischen Verbindungen zwischen Haarzellen und Hörnerv unentdeckt.
Zur SchlieĂung dieser diagnostischen LĂŒcke zielt das vom European Innovation Council geförderte EarDiTech-Projekt auf die Entwicklung eines nicht-invasiven Verfahrens zur Erkennung sogenannter Cochlear Synaptopathy ab.
Das Verfahren nutzt an Stirn und OhrlÀppchen platzierte Elektroden, um synaptische Antworten direkt abzuleiten. ErgÀnzend dazu umfasst das Vorhaben einen Algorithmus auf Basis von maschinellem Lernen, der durch gezielte Klangmodifikationen die SprachverstÀndlichkeit in gerÀuschvollen Umgebungen verbessern soll.
HochprĂ€zise Sondentechnik fĂŒr otoakustische Emissionen
Parallel dazu arbeiten Forschende an neuen sensorischen Konzepten zur verfeinerten Messung von Innenohrfunktionen. An der Binghamton University in den USA wird ein fĂŒnfjĂ€hriges Forschungsprojekt mit 1,84 Mio. US-Dollar durch die National Institutes of Health (NIH) gefördert.
Unter der Leitung von Assistant Professor Jian Zhou, gemeinsam mit Distinguished Professor Ronald Miles von der Binghamton University und Professor Christopher Shera von der USC Keck School of Medicine, entsteht eine duale Ohrkanal-Sonde. Diese soll otoakustische Emissionen (OAEs) erfassen, welche typischerweise nach SchÀdigungen des Innenohrs nachlassen.
In den ersten drei Projektjahren ist die Fertigstellung eines Prototyps vorgesehen, gefolgt von einer Optimierungsphase durch Teilnehmertests. Technologische Grundlage ist ein von Spinnennetzen inspiriertes Strömungsmikrofon, das die Partikelgeschwindigkeit anstelle des Schalldrucks misst.
Nach Angaben der Forschenden ermöglicht diese Technologie eine fehlerfreie Wiedergabe von 1 Hertz bis 50 Kilohertz bei Nanostrukturen von unter 10 Nanometern, die bis zu 100-mal dĂŒnner als Spinnenseide sind. Die Verwertung ist ĂŒber die Partner TandemLaunch und Soundskrit geplant.
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Nanomedizinische Interventionen und zellulÀre Alterungsprozesse
Neben der Diagnostik stehen molekulare Schutzmechanismen im Fokus der Wissenschaft. An der Shanghai University entwickelten Forschende einen katalytischen Nanoreaktor namens HSC@Se. Dieser basiert auf einem Albumin-GerĂŒst mit Glutathionperoxidase-mimetischem Diselenid, Superoxiddismutase und Katalase.
Die Struktur ĂŒberwindet die Blut-Labyrinth-Schranke, baut reaktive Sauerstoffspezies (ROS) ab und hemmt die cochleĂ€re Ferroptose. Im Rahmen von Untersuchungen an Mausmodellen fĂŒr lĂ€rmbedingten Hörverlust gelang es dem System, die Redox- und Eisenhomöostase zu stabilisieren, Haarzellen und Ribbon-Synapsen zu bewahren sowie die Hörschwellenverschiebung zu verringern.
Mit den zellulÀren Mechanismen des Alterns befasste sich eine in der Fachzeitschrift GeroScience veröffentlichte Studie der Seoul National University. Die Forschenden stellten bei 24 Monate alten MÀusen eine erhöhte Dichte Iba1-positiver Mikroglia-Àhnlicher Zellen sowie von Iba1/Tmem119-, Iba1/CD74- und Sox2/CD74-positiven Zellpopulationen im Spiralganglion fest.
Junge MĂ€use im Alter von 8 Wochen zeigten nach einer LĂ€rmexposition von 115 dB ĂŒber 3 Stunden tĂ€glich an 2 Tagen keine signifikanten VerĂ€nderungen dieser Dichten.
Die Gabe des CSF1R-Inhibitors PLX5622 ĂŒber das Trinkwasser in einer Konzentration von 2.400 ppm fĂŒr 7 Tage verringerte diese Populationen bei Ă€lteren Tieren. Die Autoren stuften die Resultate als rein deskriptiv ein und verbanden damit keine therapeutische Empfehlung.
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Genetische Faktoren bei geschlechtsspezifischem Hörverlust
Auf genetischer Ebene lieferten Forschende der UT Dallas und der SUNY Buffalo neue Erkenntnisse. Eine gemeinsame Untersuchung ergab, dass ein Fehlen des Slc16a5-Gens bei weiblichen MĂ€usen zu einem frĂŒh einsetzenden Hörverlust mit dem Verlust sensorischer Haarzellen fĂŒhrt, wĂ€hrend dies bei mĂ€nnlichen Tieren ausblieb.
Als Ursache identifizierten sie ein verĂ€ndertes Expressionsmuster estrogenresponsiver Gene. Der Befund könnte kurzfristig bei der KlĂ€rung bislang unerkannter Ursachen von Hörverlust helfen und langfristig als Ansatzpunkt fĂŒr Gentherapien dienen.
Die Notwendigkeit prÀziserer Diagnose- und Behandlungsverfahren unterstreichen Zahlen der Hearing Loss Association of America, wonach in den Vereinigten Staaten fast 22 Mio. Erwachsene ab 71 Jahren von einem Hörverlust betroffen sind.
