Hörverlust, Demenz

Hörverlust und Demenz: Studie findet mehr als doppelt so hohe Risiko-Odds

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 23:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien verbinden SinneseinschrÀnkungen mit kognitivem Abbau; ob ihre Behandlung Demenz verhindert, ist bislang nicht belegt.

Hör- und Sehverlust: Zusammenhang mit Demenzrisiko untersucht
Ein heller, minimalistisch eingerichteter Raum mit einem leeren Stuhl im Sonnenlicht, der eine ruhige AtmosphÀre vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle wissenschaftliche Analysen und Untersuchungen verdeutlichen einen engen Zusammenhang zwischen nachlassenden Sinnesleistungen und geistigem Abbau.

Demnach stellen sowohl ein unversorgter Hörverlust als auch eine eingeschrĂ€nkte Sehkraft erhebliche Risikofaktoren fĂŒr kognitive BeeintrĂ€chtigungen und Demenzerkrankungen dar. Zugleich betonen Experten das prĂ€ventive Potenzial, das in einer frĂŒhzeitigen Diagnose und gezielten Korrektur dieser EinschrĂ€nkungen liegt.

Wissenschaftliche Befunde und globale Dimension

Die Verbindung von Sinnesverlust und kognitiven Störungen wurde unter anderem in einer 2025 im Fachjournal Alzheimer's & Dementia veröffentlichten Untersuchung der HAALSI-Kohorte beschrieben. Anhand der Daten von 567 Ă€lteren Erwachsenen im lĂ€ndlichen SĂŒdafrika stellten die Forscher fest, dass ein Hörverlust mit mehr als doppelt so hohen Demenz-Odds einhergeht.

Auch BeeintrĂ€chtigungen des Nah- und Fernsehens waren mit einem gesteigerten Risiko assoziiert. Ein direkter KausalitĂ€tsnachweis liegt bislang jedoch nicht vor; zudem fehlt der wissenschaftliche Beleg dafĂŒr, dass eine Behandlung des Sinnesverlusts Demenz verlĂ€sslich verhindert.

Die globale Relevanz prÀventiver AnsÀtze verdeutlichen Daten der Lancet Commission: Die Adressierung von 14 modifizierbaren Risikofaktoren könnte rechnerisch rund 45 Prozent der weltweiten DemenzfÀlle verzögern oder verhindern, wobei dieser Wert das Zusammenspiel mehrerer Faktoren betrifft und nicht auf den Hörverlust allein entfÀllt.

Laut Modellrechnungen des Global Burden of Disease droht die weltweite Zahl der DemenzfÀlle von rund 57 Millionen im Jahr 2019 auf etwa 153 Millionen bis zum Jahr 2050 anzusteigen.

VersorgungslĂŒcken und Warnsignale im Alltag

Trotz der Risiken bestehen bei der Nutzung von Hilfsmitteln erhebliche Defizite. Laut der im Auftrag der Initiative Hörgesundheit durchgefĂŒhrten EuroTrak-Studie von 2025 schĂ€tzen ĂŒber 9 Millionen Erwachsene in Deutschland – das entspricht 10,9 Prozent der Bevölkerung – ihre HörfĂ€higkeit als eingeschrĂ€nkt ein. Rund 28 Prozent der Betroffenen verzichten jedoch selbst nach einer ausdrĂŒcklichen Ă€rztlichen Empfehlung auf eine entsprechende Hörhilfe.

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Ein Hörverlust entwickelt sich meist schleichend, sodass Betroffene das Nachlassen oft erst spĂ€t bemerken. Zu den typischen Warnsignalen zĂ€hlen ein steigender Fernsehton, Schwierigkeiten bei Unterhaltungen mit mehreren Personen, die Verwechslung Ă€hnlich klingender Wörter oder das Überhören leiser AlltagsgerĂ€usche wie Blinker- oder Ampelsignale.

Treten zwei oder mehr dieser Anzeichen auf, raten Fachleute zu einem professionellen Hörtest. Professor Dr. Hans-JĂŒrgen Welkoborsky vom KRH Klinikum Nordstadt Hannover empfiehlt ab einem Alter von etwa 50 Jahren regelmĂ€ĂŸige ÜberprĂŒfungen alle ein bis zwei Jahre, selbst wenn zunĂ€chst keine Beschwerden vorliegen. Bei plötzlichen Hörverlusten, Schwindel oder OhrgerĂ€uschen sei zudem eine zeitnahe AbklĂ€rung in einer HNO-Praxis ratsam.

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Relevanz fĂŒr das Nervensystem

Nach Angaben der Bundesinnung der Hörakustiker fĂŒhrt das Ausbleiben akustischer Impulse langfristig zu Abbauprozessen im Hörzentrum. Der PrĂ€sident der Bundesinnung, Eberhard Schmidt, verwies darauf, dass das Gehirn das Gehörte umso leichter wieder entschlĂŒsseln könne, je frĂŒher eine Schwerhörigkeit durch ein technisches System ausgeglichen werde.

In Deutschland sichern rund 20.000 Hörakustiker in mehr als 7.500 FachgeschĂ€ften die Versorgung von rund 3,7 Millionen Menschen mit digitalen Hörsystemen ab. Die konsequente Nutzung sensorischer UnterstĂŒtzung gilt in der Fachwelt als entscheidender Baustein, um das Gehirn aktiv zu stimulieren und die geistige LeistungsfĂ€higkeit im Alter zu stĂŒtzen.

Mehr zum Thema bei t-online: „ADHS und Demenz: Studie findet erhöhtes Risiko im Alter“

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