Hormondiagnostik, Männer

Hormondiagnostik: Nur 2–6% der Männer haben echten Mangel

Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 09:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ab 2026 werden US-Soldaten ab 30 Jahren auf Testosteron getestet. Fachärzte bezweifeln den Nutzen und warnen vor Überdiagnosen.

US-Armee fĂĽhrt Testosteron-Tests ein: Mediziner ĂĽben scharfe Kritik
Nahaufnahme eines Labors mit Reagenzgläsern und Analysegeräten, die Testosteronbehandlungen und Hormonforschung symbolisieren. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Verteidigungsminister Pete Hegseth ordnete die flächendeckenden Screenings an. Doch Fachmediziner reagieren mit deutlicher Skepsis.

Warum Urologen die Tests fĂĽr sinnlos halten

Ein Urologe des Universitätsspitals Basel kritisierte die Pläne Mitte Juli scharf. Flächendeckende Tests ohne klinische Symptome seien nicht sinnvoll, so seine Einschätzung. Eine fundierte Diagnose eines echten Testosteronmangels erfordere eine umfassende Analyse. Ein einmaliger Test reiche für eine Therapieentscheidung schlicht nicht aus.

Die American Urological Association und die Endocrine Society sehen das ähnlich. Ihnen zufolge fehlt die wissenschaftliche Evidenz, dass solche Screenings die Leistungs- oder Kampfbereitschaft messbar steigern. Die Zahlen untermauern die Kritik: Nur zwei bis sechs Prozent der Männer haben tatsächlich einen klinisch relevanten Testosteronmangel. Die Fachgesellschaften empfehlen Tests daher nur bei konkreten Symptomen – sonst drohen Überdiagnosen und unnötige Behandlungen.

Was bei der Diagnostik wirklich zählt

In der klinischen Praxis liegt der Normalbereich für Gesamt-Testosteron zwischen 300 und 1000 ng/dl. Entscheidend ist aber auch das Nebennieren-Steroidhormon DHEA – ein Vorläufer für Testosteron und Östrogene.

Die Hormondiagnostik ist komplexer als ein einfacher Bluttest:

  • Altersbedingter RĂĽckgang: Die DHEA-Spiegel sinken im Laufe des Lebens um 70 bis 80 Prozent im Vergleich zu jungen Jahren.
  • Messverfahren: Ă„rzte bevorzugen die Sulfat-Form DHEA-S, da ihre Halbwertszeit mit sieben bis zehn Stunden deutlich länger ist.
  • Abklärungsbedarf: Niedrige Werte allein diagnostizieren noch keine Nebenniereninsuffizienz. Sehr hohe Werte ĂĽber 600–700 µg/dL erfordern dagegen eine medizinische Abklärung.
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Die Risiken einer unkontrollierten Hormontherapie

Testosteronersatz ohne gesicherte Indikation ist gefährlich. Mediziner warnen vor Unfruchtbarkeit, Blutverdickung und Prostataproblemen. Die FDA hat zwar frühere Warnungen vor Herzinfarkten modifiziert. Aktuelle Studien deuten aber weiterhin auf ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern und Knochenbrüche unter Hormongabe hin.

Auch der Sport bleibt streng reguliert. Die Doping-Verbotsliste für 2026 führt anabole Substanzen wie Testosteron und DHEA als häufigste Ursachen für Verstöße. Die Kriterien für die Aufnahme: mögliche Leistungssteigerung, Gesundheitsgefährdung und Widerspruch zum Sportgeist.

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Kulturkampf um das Männlichkeitshormon

Der politische Diskurs um Testosteron gewinnt eine ideologische Dimension. US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. setzt selbst auf solche Therapien. Kritiker sehen darin einen symbolischen Kulturkampf um traditionelle Männlichkeit.

Fachleute mahnen zur Besonnenheit: Hormontherapien sollten eine rein medizinische Indikation bleiben. Die Entscheidung muss auf klinischen Fakten basieren – nicht auf gesellschaftlichen Trends.

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