Huawei Watch D3: CE-zertifizierte Blutdruckmessung auch ĂŒber 24 Stunden
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 21:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine neue Generation von Smartwatches und Fitness-Trackern rĂŒckt medizinisch relevante Messfunktionen stĂ€rker in den Alltag. Blutdruckmessung am Handgelenk, automatisierte Trendanalysen zu Insulinresistenz und SchlafqualitĂ€t sowie Notfallerkennungen bei kritischen Werten sind inzwischen Bestandteil mehrerer aktueller GerĂ€tegenerationen groĂer Hersteller.
FĂŒr Menschen mit chronischen EntzĂŒndungs- oder SchmerzzustĂ€nden, die auf eine kontinuierliche Beobachtung ihrer Körperwerte angewiesen sind, eröffnet das neue Möglichkeiten â wirft aber auch Fragen zu Genauigkeit und Datenschutz auf.
Huawei bringt Blutdruckmessung mit Medizinprodukt-Zertifizierung
Die Huawei Watch D3 ist laut einem Bericht vom 29. September 2026 als Medizinprodukt im Smartwatch-Format nach der europĂ€ischen Medizinprodukteverordnung (CE-MDR) zertifiziert â sowohl fĂŒr die Ruhemessung als auch fĂŒr die ambulante 24-Stunden-Langzeitmessung des Blutdrucks (ABPM).
Möglich macht dies ein mechanischer Airbag im Armband, der per Mikropumpe aufgeblasen wird und nach oszillometrischem Verfahren automatisch alle 15 bis 20 Minuten misst; eine einzelne Messung dauert knapp eine Minute.
Die Uhr bringt es auf eine Bauhöhe von 11,4 Millimetern bei 40 Gramm Gewicht und ein 1,92 Zoll groĂes AMOLED-Display. Der 540-mAh-Akku hĂ€lt laut Hersteller bis zu 21 Tage bei normaler Nutzung durch, bei regelmĂ€Ăiger Blutdruckmessung noch bis zu sechs Tage; eine volle Ladung dauert rund eine Stunde. Hinzu kommen EKG-Funktion, SpO2-Messung, Hauttemperatursensor und ein optischer Herzfrequenzsensor â insgesamt erfasst das GerĂ€t 13 Gesundheitsindikatoren und mehr als 100 Trainingsmodi.
Das GehĂ€use ist nach IP68 geschĂŒtzt, jedoch nicht vollstĂ€ndig wasserdicht; fĂŒr eine korrekte Blutdruckmessung ist zudem eine bestimmte Armhaltung nötig.
Prof. Dr. Florian Limbourg von der Medizinischen Hochschule Hannover testete die Watch D3 laut einem Bericht vom 29. September 2026 zwei Wochen im Alltag. In einem von Huawei veröffentlichten Erfahrungsbericht bezeichnete er die Uhr als ideales Hilfsmittel fĂŒr die Blutdruckmessung auĂerhalb der Arztpraxis, betonte zugleich, dass die Werte eine Ă€rztliche Untersuchung oder Diagnose nicht ersetzen.
Parallel bewirbt Huawei die Watch 6 mit der Funktion X-TAP Health Glance, die in rund 60 Sekunden mehrere Werte wie EKG, Herzfrequenz, SauerstoffsĂ€ttigung, HerzfrequenzvariabilitĂ€t und Stresslevel erfassen soll. Je nach Modell verfĂŒgt sie ĂŒber eSIM, Saphirglas und rundes Design; die Akkulaufzeit im Langzeitmodus soll laut Huawei bis zu 11 Tage betragen.
Google erschlieĂt passive Trendanalysen fĂŒr Pixel-Watch-Nutzer
Einem Bericht vom 28. September 2026 zufolge rollt Google die Funktion Health Guardian fĂŒr die Pixel Watch 3, 4 und 5 aus â kostenlos ĂŒber die Google-Health-App, ohne Abonnement.
Die Blutdruck-Trendanalyse lĂ€uft passiv im Hintergrund und wertet Pulsform, Pulsgeschwindigkeit sowie Bewegungsdaten aus; bei dauerhaft erhöhtem Trend erstellt das System eine monatliche Zusammenfassung, wobei eine BestĂ€tigung durch ein echtes MessgerĂ€t oder einen Arzt empfohlen wird. Nötig sind mindestens fĂŒnf aufeinanderfolgende Datentage pro Woche.
Wer sich mit der regelmĂ€Ăigen Ăberwachung seiner Vitalwerte befasst, sollte auch die Bedeutung der zugrundeliegenden Daten genau kennen. Dieser kostenlose 25-seitige Report hilft Ihnen dabei, Ihre Laborwerte selbst zu verstehen und aktiv fĂŒr Ihre Gesundheit vorzusorgen. Tausende Deutsche verstehen ihre Blutwerte jetzt selbst â dank diesem kostenlosen 25-Seiten-Report
FĂŒr die Insulinresistenz-Trends wertet Google mehrere Wochen physiologischer Daten aus, wofĂŒr mindestens sieben Tage Daten pro Monat vorliegen mĂŒssen. Das zugrunde liegende Sensormodell wurde laut Google mit Daten von rund 5 Millionen Menschen trainiert. Eine weitere Funktion analysiert tĂ€glich die AtemqualitĂ€t im Schlaf und kann ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum Hinweise auf Schlafapnoe liefern, sofern die Uhr regelmĂ€Ăig nachts getragen wird.
ZusĂ€tzlich fĂŒhrt Google fĂŒr die Pixel Watch 4 und 5 in mehreren europĂ€ischen LĂ€ndern eine Notfallerkennung bei kritisch niedrigem Blutsauerstoff ein, die automatisch einen Notruf auslöst â allerdings nicht mehr, wenn die Person bereits lĂ€nger als 30 Minuten schlĂ€ft. Die Funktion trĂ€gt eine CE-Kennzeichnung fĂŒr Europa, eine FDA-Zulassung in den USA liegt nicht vor.
FĂŒr das GerĂ€t Fitbit Air sollen entsprechende Funktionen erst im Laufe des Jahres folgen, und zwar ausschlieĂlich fĂŒr Abonnenten von Google Health Premium fĂŒr 8,99 Euro im Monat oder 99,99 Euro im Jahr; Pixel Watch 2 und Ă€ltere Fitbit-Modelle bleiben auĂen vor. Google betont, dass Health Guardian ausschlieĂlich Informationszwecken dient und keine Diagnose ersetzt.
Honor testet Herzstillstand-Warnung, Apple verdichtet Messintervalle
Laut einem Bericht vom 28. September 2026 ist die Honor Watch 6 Pro in China gestartet, regulĂ€r zu 1.799 Yuan, im EinfĂŒhrungspreis zu 1.699 Yuan (umgerechnet rund 220 Euro); ein internationaler Marktstart steht noch aus.
Das GerĂ€t verfĂŒgt ĂŒber ein Warnsystem fĂŒr mögliche HerzstillstĂ€nde, das ĂŒber optische Sensoren, Vibrationsalarm und einen automatischen Notruf an hinterlegte Kontakte funktioniert, inklusive Hinweisen zu Wiederbelebung und Defibrillator-Einsatz.
Moderne Technik bietet viele Vorteile, doch die natĂŒrliche Regulierung von Körperwerten bleibt fĂŒr viele Betroffene ein zentrales Ziel. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Ratgeber von Prof. Dr. med. Thomas Kurscheid, mit welchen 7 einfachen Tipps Sie Ihren Blutdruck natĂŒrlich regulieren können. Blutdruck dauerhaft senken â ohne sofort zur Pille greifen zu mĂŒssen
Eine Funktion namens âBlood Pressure 2.0â soll den Blutdruckverlauf KI-gestĂŒtzt analysieren, zudem lassen sich Glukosedaten eines kompatiblen Sinocare-CGM-Sensors anzeigen â eine eigenstĂ€ndige Blutzuckermessung findet dabei nicht statt.
Herzstillstands- und BlutdruckĂŒberwachung stehen laut Bericht nur Teilnehmern von Forschungsprogrammen zur VerfĂŒgung; Honor stellt ausdrĂŒcklich klar, dass es sich nicht um ein Medizinprodukt handelt und HerzstillstĂ€nde sowohl ĂŒbersehen als auch fĂ€lschlich gemeldet werden können.
Bei Apple zeigte ein Test der Apple Watch Series 12 und Ultra 4, ebenfalls laut Bericht vom 28. September 2026, dass neue Sensoren die Herzfrequenz nun alle 5 Sekunden statt alle 5 Minuten und die HerzfrequenzvariabilitÀt alle 5 Minuten statt alle 2 Stunden erfassen.
Ein Vergleich zwischen Series 11 und Series 12 wĂ€hrend einer siebenstĂŒndigen Wanderung ergab, dass die hĂ€ufigere Messung sich nicht in einem gesteigerten Energieverbrauch niederschlĂ€gt: Die Series 12 verbrauchte im Beobachtungszeitraum von 17:30 bis 23:00 Uhr rund 0,190 Wattstunden gegenĂŒber rund 0,248 Wattstunden bei der Series 11.
Genauigkeit und Datenschutz bleiben offene Fragen
Kardiologe Benjamin Seirer von der Klinik Favoriten des Wiener Gesundheitsverbunds verwies darauf, dass gĂ€ngige Tracker per Photoplethysmographie und nicht per EKG messen. In Ruhe und nachts stimmten die Werte meist solide mit medizinischen Messungen ĂŒberein, bei Bewegung, KĂ€lte oder schlechtem Sitz des GerĂ€ts könnten jedoch Messfehler auftreten.
Ein Nachweis von Durchblutungsstörungen oder Herzinfarkten sei mit diesen GerÀten nicht möglich; Werte wie Stresslevel, Erholung oder Schlafphasen beruhten auf proprietÀren Software-SchÀtzungen der Hersteller.
Diese EinschÀtzung deckt sich mit einer in den USA laufenden Sammelklage gegen den Hersteller Oura, dem vorgeworfen wird, mit einer Genauigkeit von 95 Prozent bei der Schlafphasenerkennung geworben zu haben, wÀhrend KlÀger die tatsÀchliche Trefferquote kaum besser als Zufall einschÀtzen.
Nach Angaben des österreichischen Handelsverbands nutzen 51 Prozent der Menschen regelmĂ€Ăig Wearables oder Tracker, in der Altersgruppe der 18- bis 29-JĂ€hrigen sind es 67 Prozent.
Elisabeth Wagner, stellvertretende Leiterin der österreichischen Datenschutzbehörde, wies darauf hin, dass diese GerĂ€te neben Bewegungsdaten auch Herzfrequenzwerte erfassen, die RĂŒckschlĂŒsse auf Anstrengung und GefĂŒhlsregungen wie Stress zulassen; in Kombination mit GPS lassen sich zudem Wegstrecken auslesen.
Da Gesundheitsdaten nach Artikel 9 der Datenschutz-Grundverordnung besonders geschĂŒtzt sind, ist bei der Ersteinrichtung eine gesonderte Einwilligung erforderlich. Viele Anbieter betreiben ihre Cloud-Dienste zudem in Drittstaaten â fĂŒr China etwa liegt kein Angemessenheitsbeschluss der EU-Kommission vor.
Wagner empfahl, vor einem Verkauf des GerĂ€ts gespeicherte Daten aus Cloud und Benutzerkonto aktiv zu löschen, ein bloĂes ZurĂŒcksetzen auf Werkseinstellungen reiche nicht aus.
Forschungsprojekt nutzt Herzfrequenzdaten fĂŒr Long-Covid-Analysen
Ăber die kommerzielle Nutzung hinaus flieĂen Wearable-Daten auch in die Forschung ein. Der TMF e.V. verwies anlĂ€sslich des Weltherztags auf das Dresdner Projekt SynoSys.PC, das untersucht, ob kontinuierlich erfasste Herzfrequenzdaten aus Smartwatches VerlĂ€ufe von Long Covid sichtbar machen können.
Datengrundlage ist die Corona-Datenspende-App, an der mehr als 500.000 Menschen teilnehmen; fĂŒr rund 130.000 Personen liegen Wearable-Daten ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum vor, von etwa 50.000 zusĂ€tzlich regelmĂ€Ăige Angaben zum Gesundheitszustand.
Eine Studie unter Mitwirkung von Prof. Dirk Brockmann ergab laut TMF, dass Menschen mit langanhaltender MĂŒdigkeit oder Kurzatmigkeit nach einer Corona-Infektion sich in den drei Wochen vor der Infektion weniger bewegt hatten und im Durchschnitt einen um 2,37 SchlĂ€ge pro Minute höheren Ruhepuls aufwiesen als Menschen ohne diese Beschwerden.
Das Projekt ist Teil des vom Bundesministerium fĂŒr Gesundheit geförderten Forschungsschwerpunkts LongCARE, der insgesamt 30 Einzelprojekte zu Long Covid umfasst. Solche AnsĂ€tze zeigen, dass die kontinuierlich gesammelten Vitaldaten aus Wearables perspektivisch nicht nur individuellen Nutzern, sondern auch der Erforschung chronischer KrankheitsverlĂ€ufe dienen könnten.
