Humanoide, Roboter

Humanoide Roboter: Chinas Hersteller planen Linien für 10.000 Einheiten pro Jahr

Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 16:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Chinesische Hersteller bauen Fertigungskapazitäten aus; sinkende Komponentenkosten treffen auf offene Fragen zu Großaufträgen und Lieferengpässen.

China skaliert humanoide Roboter: Werke, Tempo und neue Partnerschaften
Moderne, automatisierte Industriefertigungshalle mit präzisen mechanischen Armen in einer hellen, sauberen Fabrikumgebung. Illustration mit AI erstellt.

Chinesische Robotikunternehmen treiben die Industrialisierung humanoider Roboter mit dem Aufbau groß angelegter Fertigungslinien und technologischen Weiterentwicklungen voran. Mehrere Hersteller richten ihre Standorte inzwischen auf jährliche Produktionskapazitäten von 10.000 Einheiten aus, während Neuentwicklungen zugleich höhere Laufgeschwindigkeiten erreichen.

Einem Branchenbericht vom Oktober 2026 zufolge könnte die Jahresproduktion humanoider Roboter in China im laufenden Jahr rund 100.000 Einheiten erreichen. Hersteller integrieren die Systeme zunehmend in Fabrikationslinien und sehen den Sektor vor einer breiten kommerziellen Nutzung.

Skalierung der Fertigungslinien auf industrielle Maßstäbe

Der Übergang von der Kleinserie zur industriellen Fertigung spiegelt sich in konkreten Werkseröffnungen wider. Am 12. September 2026 nahm UBTech sein Werk in Liuzhou in Betrieb. Der Standort zielt auf eine Jahreskapazität von über 10.000 Einheiten der Modelle Walker S und Cruzr ab, bei einer angestrebten Spitzentaktung von einem Roboter alle zehn Minuten.

Auch das Unternehmen Leju betreibt gemeinsam mit Guangdong Dongfang Precision eine Fertigungslinie in Foshan Nanhai mit einer Jahreskapazität von 10.000 Einheiten, bei der im Schnitt alle 30 Minuten ein System vom Band rollt. Nach Angaben des Gründers digitalisiert die Linie 24 Präzisionsmontageschritte und unterzieht jede Einheit 77 Prüfungen sowie 41 automatisierten Tests.

Parallel verzeichnen weitere Hersteller hohe Stückzahlen. AgiBot feierte am 24. September 2026 die Fertigstellung seiner 20.000sten Einheit für universelle verkörperte Intelligenz. Das Jubiläumsmodell, ein 174 Zentimeter großer Expedition A3 Ultra mit 700-TOPS-Rechenplattform, ging an den Hengqin Changlong Spaceship Park, wo über 300 Roboter des Herstellers im Einsatz sind.

Das Unternehmen verdoppelte seine Gesamtstückzahl von 10.000 auf 20.000 Einheiten innerhalb von rund sechs Monaten. Am 8. September 2026 meldete XPeng die Inbetriebnahme der Produktionslinie für das Modell IRON in Guangzhou.

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Das Unternehmen plant dort eine Automatisierungsquote von über 80 Prozent und strebt bis Ende 2026 eine monatliche Kapazität von 1.000 Einheiten an, nachdem die Robotersparte im August 2026 eine Finanzierungsrunde über 900 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von über 6,3 Milliarden US-Dollar abgeschlossen hatte.

Zunehmende Dynamik bei Lauf- und Bewegungseigenschaften

Neben den Produktionsvolumina verbessern sich die mechanischen Kennzahlen der Modelle. Bei den World Humanoid Robot Games in Beijing absolvierten humanoide Systeme den 100-Meter-Sprint in 9,39 Sekunden. MirrorMe Technology entwickelte mit dem 175 Zentimeter großen und 75 Kilogramm schweren Modell Bolt einen Roboter, der in Testläufen eine Höchstgeschwindigkeit von 10 Metern pro Sekunde erreichte.

Bereits im Jahr 2025 hatte das Vorgängermodell Black Panther II des Herstellers die 100-Meter-Distanz in 13,17 Sekunden zurückgelegt, wobei Mitgründer Jin Yongbin Spitzenwerte von 9,7 Metern pro Sekunde nannte. Historische Vergleichswerte, wie jene aus einem Forschungsbericht des Jahres 2020 für das Modell WildCat von Boston Dynamics, lagen bei rund 8,8 Metern pro Sekunde.

Kooperationen mit der Automobilindustrie und strategische Partnerschaften

Die Automobilproduktion dient den Herstellern als wichtiges Erprobungsfeld. Am 8. Oktober 2026 vereinbarten UBTech und FAW-Volkswagen eine strategische Partnerschaft zur Erprobung humanoider Systeme in der Werkslogistik. Die Entwicklungs- und Testvereinbarung erweitert vorangegangene Tests zur Qualitätsprüfung im Werk Qingdao, beinhaltet jedoch noch keinen Serienauftrag.

Zudem unterzeichnete UBTech am 9. Oktober 2026 eine Kooperation mit Xiamen C&D zur Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens, das bis 2030 den gemeinsamen Verkauf von mindestens 10.000 UBTech-Einheiten anstrebt.

Auch der Automobilhersteller BYD bereitet Schritte im Robotikbereich vor. Am 9. Oktober 2026 wurde ein am 6. Oktober erteiltes Designpatent für einen zweibeinigen Roboter mit 161 Zentimetern Höhe, 58,5 Kilogramm Gewicht und 31 Freiheitsgraden veröffentlicht.

Vizepräsidentin Stella Li verwies zuvor auf Überlegungen, zwei bis drei Roboter je Händlerstandort einzusetzen, was bei rund 50.000 weltweiten Standorten einem rechnerischen Potenzial von 100.000 bis 150.000 Einheiten entspräche.

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Sinkende Komponentenkosten und verbleibende Hürden

Treibende Kraft der Skalierung sind sinkende Herstellungskosten. Branchenanalysen auf Basis führender Lösungsanbieter bezifferten die Materialkosten für den Roboterkörper im zweiten Quartal 2026 auf unter 250.000 Yuan.

Auf Gelenkaktuatoren entfielen dabei 63,7 Prozent dieser Kosten, deren Medianpreis von 142.000 Yuan im Jahr 2021 auf 58.000 Yuan im zweiten Quartal 2024 zurückging. Gleichzeitig gaben die Mietpreise auf dem chinesischen Markt von über 10.000 Yuan pro Tag Anfang 2025 auf unter 1.000 Yuan pro Tag nach.

Trotz dieser Zuwächse weisen Experten auf fortdauernde Herausforderungen hin. Führungskräfte aus dem Zuliefererbereich betonen, dass der Schritt von Prototypen zu Tausenden Einheiten erhebliche Risiken bei der Montagekonsistenz berge und Spezialkomponenten wie hochpräzise Getriebe, Aktuatoren oder Speziallager zu Engpässen werden könnten.

Forscher der Jinan-Universität mahnen ebenfalls zur Zurückhaltung und verweisen darauf, dass sich der Sektor weiterhin in einer frühen Phase befinde, in der vollends tragfähige kommerzielle Szenarien und verlässliche Großaufträge erst noch erschlossen werden müssen.

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