Humanoide, Roboter

Humanoide Roboter: Chinesische Hersteller sichern sich 97 Prozent der Lieferungen

Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 21:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im ersten Halbjahr kamen über 97 Prozent der weltweiten Lieferungen von chinesischen Herstellern; industrielle Einsätze blieben bislang begrenzt.
Eine moderne, weitläufige Industriehalle mit poliertem Betonboden und präzisen Montagevorrichtungen in einer Fabrik. Illustration mit AI erstellt.

Chinesische Hersteller haben im ersten Halbjahr 2026 über 97% der weltweiten Auslieferungen humanoider Roboter gestellt. Dies geht aus Marktdaten hervor, die die zunehmende Konzentration der jungen Branche in Asien belegen. Nicht-chinesische Wettbewerber wie Tesla und Figure AI kamen im selben Zeitraum zusammen auf einen Anteil von unter 3% der weltweiten Lieferungen.

Führende Anbieter und globale Liefervolumina

Nach Erhebungen von Smart Analytics Global beliefen sich die weltweiten Auslieferungen im ersten Halbjahr 2026 auf rund 19.100 Einheiten. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatte dieser Wert noch bei rund 5.100 Einheiten gelegen.

Den Markt führte dabei AgiBot (Shanghai Zhiyuan) mit einem Anteil von 44% und rund 8.400 ausgelieferten Robotern an. Auf dem zweiten Platz folgte Unitree mit 5.900 Einheiten. Die sechs größten Anbieter des Marktes stammten allesamt aus China und vereinten gemeinsam knapp 88% des Volumens auf sich.

Andere Marktforschungshäuser beziffern die Entwicklungen mit leichten Abweichungen, bestätigen jedoch die hohe Dynamik. IDC meldete für das erste Halbjahr 2026 weltweit knapp 25.000 ausgelieferte Humanoide, wovon über 19.000 Einheiten beziehungsweise etwa 77,9% aus China stammten. Das globale Lieferwachstum bezifferte IDC auf 432,1%.

In einem weiteren Bericht von IDC hieß es zudem, chinesische Firmen hätten im ersten Halbjahr 2026 über 95% der weltweiten Humanoiden gebaut. Counterpoint Research bezifferte die weltweiten Auslieferungen im ersten Halbjahr 2026 auf über 22.000 Einheiten.

Davon entfielen laut dem Institut rund 9.700 Einheiten auf Zhiyuan, was einem Marktanteil von über 43% auf Rang eins entsprach. Peng Zhihui, CTO von Zhiyuan, bezifferte die Auslieferungen des Unternehmens für das Jahr 2025 auf über 5.000 Einheiten; der Umsatz im ersten Halbjahr 2026 habe nahe 2 Milliarden Yuan gelegen.

Für das Gesamtjahr 2025 hatte Omdia zuvor weltweit rund 13.000 ausgelieferte Humanoide verzeichnet. Davon entfielen 5.168 Einheiten (39%) auf AgiBot, 4.200 (32%) auf Unitree sowie 1.000 Einheiten auf UBTech, womit diese drei Firmen zusammen rund 80% des damaligen Volumens stellten.

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Staatliche Förderung und Ausbau der Infrastruktur

Die chinesische Regierung stuft das Feld der sogenannten verkörperten Intelligenz (Embodied Intelligence) mit hoher Priorität ein. Das Ministerium für Industrie und Informationstechnik (MIIT) bezifferte die Produktion in China im ersten Halbjahr 2026 auf über 40.000 Einheiten bei über 400 Modellen. Für das Gesamtjahr erwartet das Ministerium über 100.000 Einheiten, nachdem die Produktion im Jahr 2025 bei rund 20.000 Einheiten gelegen hatte.

Flankiert wird dieser Ausbau durch staatlich geförderte Infrastruktur. Bis Dezember 2026 sind in China über 40 staatliche Roboter-Datensammelzentren angekündigt, von denen rund zwei Dutzend bereits in Betrieb sind. Das größte Trainingscamp bei Peking umfasst über 10.000 Quadratmeter und 16 Szenarien.

Interact Analysis zählte landesweit sogar bereits über 90 Humanoiden-Datensammelzentren im Betrieb sowie mindestens 50 weitere im Bau. In Europa zählte das Institut dagegen unter 10 derartige Zentren.

Einsatzbereiche und Zulieferindustrie

Trotz hoher Stückzahlen verlagert sich der tatsächliche Arbeitseinsatz erst langsam in industrielle Anwendungen. Laut Counterpoint gingen im ersten Halbjahr 2026 über 60% der weltweiten Humanoiden an Bühnen- und Laborumgebungen, während weniger als 20% in Fabriken und Lagern eingesetzt wurden. Frost & Sullivan bezifferte den Absatz für reine Produktionsarbeit auf rund 1.200 Einheiten bei einem Umsatz von 0,78 Milliarden US-Dollar.

Auf der Zuliefererseite stiegen die Produktionsmengen parallel stark an. Kinco lieferte im ersten Halbjahr 2026 113.600 rahmenlose Torque-Motoren aus. Leaderdrive verzeichnete für das Jahr 2025 einen Absatz von 425.158 Harmonic-Drive-Getrieben.

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Kesli Sensing setzte im ersten Halbjahr 2026 über 2.000 Robotik-Kraftsensoren ab – mehr als im gesamten Jahr 2025 –, verzeichnete seit April Monatsbestellungen von über 1.000 Stück und verschickte Muster an über 90 Robotikhersteller.

Zurückhaltender blieben die Hersteller komplexer Greifhände (Dexterous Hands) wie Zhaowei Machinery und Leadshine, die weder Verkaufszahlen, Umsätze noch Kunden nannten. Generell nennt keines der Unternehmen seine Kunden namentlich.

Marktaussichten und zunehmender Wettbewerb

Über 140 chinesische Unternehmen konkurrieren inzwischen um Marktanteile. Während die Regierung bis Ende 2026 eine skalierte kommerzielle Einführung anstrebt, warnen Branchengründer und Investoren vor einem zunehmenden Preiswettbewerb sowie möglichen Überkapazitäten.

Gleichzeitig heben Analysten die langfristigen Wachstumspotenziale hervor. Smart Analytics Global erwartet für das Gesamtjahr 2026 rund 60.000 Einheiten und bis 2030 rund 500.000 Einheiten. Goldman Sachs prognostizierte (Stand September 2026) 75.000 Auslieferungen für 2026, 890.000 bis 2030 sowie 6,5 Millionen Einheiten bis 2035 bei einem weltweiten Marktwert von rund 138 Milliarden US-Dollar.

Omdia rechnet bis 2035 mit 2,6 Millionen Einheiten, während Barclays-Forscherin Todorova schätzt, dass weltweit eingesetzte Humanoide bei fallenden Kosten bis 2030 auf 1 Million steigen könnten, ausgehend von 15.000 Einheiten im Vorjahr. Weitere Schätzungen gehen von einem weltweiten Marktvolumen von 38 Milliarden US-Dollar bis 2035 aus.

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