Humanoide Roboter in der Logistik: Erster Pilot soll binnen sechs Monaten starten
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 13:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Kontraktlogistikdienstleister ID Logistics und das Technologieunternehmen Terra Robotics haben eine strategische Partnerschaft zur beschleunigten Einführung humanoider Roboter in der Logistik vereinbart. Innerhalb der nächsten sechs Monate soll an einem Standort von ID Logistics ein erster Pilotversuch anlaufen.
ID Logistics bringt in das Projekt die operative Erfahrung aus weltweit 450 Contract-Logistics-Standorten ein, von denen 17 in Deutschland betrieben werden. Die Kooperation konzentriert sich auf zentrale Prozesse in den Distributionszentren: Als primäre Anwendungsfelder wurden die Kommissionierung, die Sortierung und das Verpacken von Waren definiert.
Murat Arpaci, Vorstandschef von Terra Robotics, betonte vor diesem Hintergrund, dass die Logistik neben der Fertigungsindustrie der Sektor mit dem größten Potenzial für den Einsatz humanoider Robotik sei.
Wachsende Beschaffungsinitiativen in der Intralogistik
Die Zusammenarbeit zwischen ID Logistics und Terra Robotics spiegelt ein branchenweit anziehendes Interesse an flexibler Automatisierung wider. So gab der im Jahr 2026 in Gütersloh gegründete Systemintegrator Nucleus Robotics bekannt, über den Robotikmarktplatz RBTX des Unternehmens Igus bis zu 100 humanoide Roboter für intralogistische Aufgaben zu beschaffen.
Der Marktplatz führt 95 Modelle von 35 Herstellern und bietet Beratungsleistungen, Tests sowie Kauf- und Mietmodelle an. Igus-Manager Alexander Mühlens verwies auf hunderte Hersteller, die sich weltweit mit der Technologie befassen.
Wer sich mit dem technologischen Wandel in der Industrie befasst, erkennt schnell, dass Robotik und KI die Grundlagen der Produktion und Logistik neu definieren. Dieser kostenlose Report gibt Einblicke in die Unternehmen, die von den Milliarden-Investitionen in diese neue Ära profitieren. Robotik und KI: Profiteure der neuen Industrieära erkennen
Nucleus Robotics deckt bei Projekten die Erstellung von 3D-Modellen, Simulationen sowie die Inbetriebnahme ab. Für das Modelltraining und die Echtzeitüberwachung nutzt das Unternehmen eine eigene Software namens Nucleus AI. Vorgesehen sind die Systeme für Aufgaben wie Kommissionieren, Warentransport, die Versorgung von Verpackungsstationen sowie für Tätigkeiten im Einzelhandel.
Ausbau bestehender Pilotprojekte im operativen Betrieb
Auch andere Branchenakteure treiben die Skalierung humanoider Plattformen voran. Am 26. Oktober 2026 kündigten GXO Logistics und Agility Robotics die Ausweitung ihrer Partnerschaft an.
Der zweibeinige Roboter Digit soll ab Anfang 2027 in Logistikzentren in Statesville im US-Bundesstaat North Carolina sowie in Lebanon in Tennessee eingesetzt werden. Vorgesehen ist zunächst der Einsatz der Modellgeneration Digit 4, gefolgt vom Nachfolger Digit 5. Die Steuerung der Flotte erfolgt über die Plattform Agility Arc.
An einem Standort in Georgia bewegte Digit bereits über 100.000 Behälter und absolvierte laut Agility insgesamt mehr als 65.000 Betriebsstunden. Finanzielle Rahmenbedingungen, detaillierte Zeitpläne sowie die genaue Roboteranzahl pro Standort wurden nicht veröffentlicht.
Experten analysieren derzeit die größte Industrierevolution seit Jahrzehnten, in der automatisierte Systeme ganze Branchen grundlegend umkrempeln. Erfahren Sie in diesem aktuellen Leitfaden, welche Namen hinter dem technologischen Umbruch stecken und wer davon am stärksten profitieren könnte. Kostenlosen Experten-Report zur Industrierevolution herunterladen
Agility Robotics verzeichnet eine Pipeline von über 30 Interessenten aus Branchen wie Fertigung, Automotive, Luftfahrt, Konsumgüter und Logistik sowie drei zahlende Fertigungskunden, darunter einen globalen Automobilhersteller mit einem Jahresabsatz von über 3 Millionen Fahrzeugen.
Für das Modell Digit 5 bestehen mehrjährige, meilensteinabhängige Bestellungen mit einem potenziellen Gesamtwert von über 300 Millionen US-Dollar. Die Produktionsstätte des Unternehmens in Salem im Bundesstaat Oregon umfasst 70.000 Quadratfuß und ist auf eine Kapazität von bis zu 10.000 Robotern pro Jahr ausgelegt.
Spezialisierte KI-Modelle für Teilprozesse
Parallel zur Erprobung humanoider Mehrzweckroboter etablieren sich spezialisierte Systeme zur Prozessautomatisierung. Am 28. Oktober 2026 kündigten die Otto Group und Sereact an, in einem polnischen Logistikzentrum bis zu 25 zweiarmige Roboter zur Retourensortierung einzusetzen.
Der Rollout erfolgt in zwei Phasen mit zunächst 10 und anschließend 15 Einheiten. Die Roboter nutzen die Software Cortex, die Artikel ohne produktspezifisches Vortraining handhaben kann.
Der Einsatz ist laut Otto-Manager Martin Umland Teil eines mittelfristigen Investitionsprogramms des Konzerns über 350 Millionen Euro in Logistiktechnologie und künstliche Intelligenz. Teradyne Robotics kooperiert ebenfalls mit Sereact, um Roboterarme auf Basis dieser Plattform für Kunden bereitzustellen.
