Humanoide, Roboter

Humanoide Roboter in Deutschland: Nur sieben Modelle direkt erhältlich

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 15:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Weltweit wächst der Robotikmarkt, doch in Deutschland sind nur sieben Modelle direkt verfügbar und keines für Privathaushalte vorgesehen.
Eine moderne, leere Industriehalle mit poliertem Betonboden und neutralem Licht, die technologische Infrastruktur symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Eine aktuelle Erhebung der Plattform RoboterAtlas mit Stand Ende Oktober 2026 verdeutlicht die Diskrepanz zwischen der weltweiten Entwicklung humanoider Robotik und deren tatsächlicher Verfügbarkeit in Deutschland.

Wie aus einem Bericht von heise online hervorgeht, verzeichnet das Verzeichnis inzwischen insgesamt 49 humanoide Robotermodelle von 41 Unternehmen. Der Markt wird dabei von chinesischen Anbietern dominiert, die 26 der gelisteten Firmen stellen, während zehn Hersteller aus den USA und lediglich drei aus Deutschland stammen.

Zudem sind weltweit derzeit nur 21 Modelle kauf- oder vorbestellbar. Für deutsche Interessenten gestaltet sich der Zugang noch restriktiver: Lediglich sieben Modelle sind direkt im Inland erhältlich, vier weitere können über die Europäische Union bezogen werden.

Extreme Preisspannen und fehlende Endverbrauchermodelle

Von den 21 weltweit kauf- oder vorbestellbaren Modellen sind bei 18 Einheiten konkrete Listenpreise bekannt. Diese bewegen sich in einer enormen Spanne von 1.380 US-Dollar für den Neutix Bumi bis zu rund 250.000 US-Dollar für den Agility Digit.

Fünf Systeme kosten unter 5.000 US-Dollar, zwei liegen zwischen 5.000 und 15.000 US-Dollar, fünf Modelle rangieren zwischen 30.000 und 100.000 US-Dollar und eine Einheit liegt über der Marke von 100.000 US-Dollar.

Die in Deutschland verfügbaren humanoiden Roboter richten sich ausnahmslos an professionelle Anwender; für den privaten Gebrauch ist kein Modell vorgesehen. Preislich beginnt das Angebot bei kleineren Einheiten wie dem Booster K1 für 9.000 Euro, dem Unitree R1 für 9.930 Euro und dem NAO V6 für 10.020 Euro.

Im Mittelfeld bewegen sich der Agibot X2 mit 22.400 Euro, der Unitree G1 für 27.000 Euro sowie der Booster T1 für 50.358 Euro. Am oberen Ende der Skala stehen der Agibot A2 für 59.849 Euro und der Dobot Atom für 94.600 Euro, während der Unitree H1 ohne konkrete Preisangabe geführt wird.

Für den Haushaltsbereich kündigte Flourish Robots den rollenden Roboter Flourish 1 an, der für 3.555 US-Dollar inklusive Versand, Mehrwertsteuer und Importkosten nach Deutschland sowie in die EU lieferbar sein soll.

Erste Lieferungen einer auf 50 nummerierte Exemplare limitierten Serie sind bei einer Anzahlung von 200 US-Dollar für Dezember 2026 angekündigt. Das 1,09 Meter hohe und etwa 20 Kilogramm schwere Gerät mit 1,5 Kilogramm Traglast ist auf eine Etage beschränkt.

Aufgaben sollen per Smartphone in rund 30 Minuten erlernbar sein; die Erfolgsquote liege derzeit bei rund 80 Prozent nach 60 Prozent im Vorjahr, während 99 Prozent angestrebt werden.

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Massiver Anstieg bei Auslieferungen und Investitionen

Der Gesamtmarkt verzeichnete zuletzt ein starkes Wachstum. Laut IDC wurden im ersten Halbjahr 2026 weltweit rund 25.000 humanoide Roboter ausgeliefert, ein Anstieg von 432,1 Prozent im Vorjahresvergleich.

China sicherte sich dabei einen Weltmarktanteil von rund 77,9 Prozent. Bereits 2025 überstiegen die weltweiten Auslieferungen 18.000 Einheiten, wobei laut IDC über 85 Prozent der Einsätze auf Vorführungen, Bildungszwecke, Datensammlungen und Touren entfielen. Branchenschätzungen zufolge benötigt ein humanoider Roboter über 100 Aktuationsmodule.

Begleitend brachte Orbbec Datenerfassungsgeräte in Form von Kopfhalterungen heraus, während Hesai die 3D-Welten-Datenengine Kosmo startete, deren Auslieferung an Erstkunden wie Galbot ab Juli erfolgte. Unitree-Gründer Wang Xingxing prognostizierte bei einer Konferenz in Hangzhou, dass physische KI in ein bis drei Jahren vor einem Durchbruch stehe.

Auch der Kapitalzufluss hat deutlich angezogen: Laut Tracxn und Statista flossen im ersten Halbjahr 2026 weltweit 4,39 Milliarden US-Dollar in Start-ups humanoider Robotik und übertrafen damit bereits das Gesamtjahr 2025. Werner Kraus vom Fraunhofer-Institut bezifferte das globale Investitionsvolumen in Robotik-Start-ups für 2025 auf 75 Milliarden US-Dollar, womit mehr Mittel investiert wurden als in den drei Vorjahren zusammen. Das in Metzingen ansässige Unternehmen NEURA Robotics gilt in diesem Umfeld als Global Player.

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Den Markt für physische KI sahen Marktforscher 2025 bei über 33 Milliarden US-Dollar und prognostizierten einen Anstieg auf knapp 300 Milliarden US-Dollar bis 2034. Fraunhofer-Experte Marco Huber rechnet in fünf bis maximal zehn Jahren mit ersten hochgradig durch KI automatisierten Industrieprozessen.

Zurückhaltung beim operativen Einsatz

Trotz der Dynamik bleiben die operativen Hürden im Industriealltag hoch. Das Marktforschungsunternehmen Gartner erwartet bis 2028 weltweit weniger als 20 Unternehmen, die humanoide Roboter in der regulären Produktion oder Logistik einsetzen, sowie unter 100 Unternehmen mit Pilotprojekten jenseits der Testphase. Als Bremsen gelten vor allem mangelnde Geschicklichkeit, fehlende Anpassungsfähigkeit, geringe Akkulaufzeiten sowie die hohen Beschaffungskosten.

Gleichzeitig attestiert eine Erhebung von Strand im Auftrag von AWS dem Standort Deutschland gute strukturelle Voraussetzungen: Bei Arbeitskräften und Kompetenzen belegt das Land eine Spitzenposition und schneidet bei Lieferketten, Kapital, Regulierung sowie Marktreife überdurchschnittlich ab.

Knapp 25 Prozent der deutschen Start-ups widmen sich physischer KI, verglichen mit rund 20 Prozent in den USA, Japan und Südkorea. Länderübergreifend sehen allerdings 70 Prozent der Befragten zögernde Kunden als wesentliches Wachstumshemmnis, während lediglich 26 Prozent ihre Volkswirtschaft für bereit halten. Dennoch rechnen über drei Viertel mit einem standardmäßigen Brancheneinsatz innerhalb der nächsten fünf Jahre.

Mehr zum Thema bei heise online: „Humanoide Roboter: Welche sind in Deutschland erhältlich und was kosten sie?“

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