Humanoide Robotik: Schaefflers Auftragseingang steigt auf 400 Millionen Euro
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 17:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deWährend die Entwicklung humanoider Roboter weltweit an Dynamik gewinnt, zeichnet sich in der industriellen Wertschöpfungskette eine klare Differenzierung ab.
Statt selbst als Endhersteller vollständiger Robotersysteme aufzutreten, fokussiert sich der Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler auf die Rolle des spezialisierten Zulieferers für Kernkomponenten. Im Zentrum dieser Strategie steht der Aufbau industrieller Fertigungskapazitäten sowie die schrittweise Erprobung der Systeme im eigenen Produktionsumfeld.
Automatisierte Komponentenmontage am Standort Taicang
Sichtbarer Ausdruck dieser Ausrichtung ist die Errichtung einer rund 7.500 Quadratmeter großen Lighthouse-Fabrik im chinesischen Taicang. Der Standort umfasst neben einer intelligenten Montagelinie auch ein Trainings- und Datenerfassungszentrum, eine Plattform für digitale Zwillinge sowie ein eigenes Rechenzentrum.
Die Fabrik markiert den offiziellen Start der Serienproduktion von Schlüsselkomponenten für künftige Generationen humanoider Roboter, insbesondere von Linear- und Rotationsaktuatoren.
Bemerkenswert ist dabei der Grad der Automatisierung: In der Fabrik in Taicang arbeiten sechs humanoide Systeme an fünf Stationen direkt an der Montage dieser Komponenten mit. Berichten zufolge sind dort unter anderem fünf ROKAE-Helios-Radhumanoide im Einsatz, die mit Armen der AR-Serie ausgestattet sind und spezifische Aufgaben im Montageprozess der Humanoiden-Bauteile übernehmen.
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Auftragswachstum und geplante Praxistests in Deutschland
Die strategische Ausrichtung auf den Zuliefermarkt schlägt sich auch in der Geschäftsentwicklung nieder. Im dritten Quartal 2026 konnte Schaeffler zwei neue Kunden aus der Region Greater China gewinnen. Damit stiegen die weltweiten Auftragseingänge des Unternehmens im Bereich der Humanoidenrobotik auf rund 400 Millionen Euro an.
Parallel zum Produktionsstandort in Asien bereitet das Unternehmen Erprobungen an deutschen Werksstandorten vor. Im Zeitraum von Dezember 2026 bis Juni 2027 soll an den Standorten Herzogenaurach und Schweinfurt die Plattform HMND 01 getestet werden.
Dieses Robotermodell stammt vom Entwickler Humanoid und wird von Bosch gefertigt. Die Tests zielen darauf ab, Erfahrungen mit dem Einsatz physischer Robotik in etablierten industriellen Fertigungsprozessen zu sammeln.
Hohe Hürden beim Übergang zur Massenfertigung
Der Schritt in die Serienproduktion von Komponenten erfolgt in einem Marktumfeld, das von erheblichen Skalierungsherausforderungen geprägt ist. Einer Branchenprognose zufolge, die sich auf Einschätzungen des Marktforschungsinstituts Gartner stützt, werden bis zum Jahr 2028 voraussichtlich weniger als 100 Unternehmen den Schritt über reine Machbarkeitsstudien und Pilotprojekte hinaus schaffen. Zudem wird erwartet, dass weniger als 20 Akteure die Technologie tatsächlich bis zur Serienfertigung skalieren können.
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Ein wesentlicher Faktor für diese Zurückhaltung bleiben die Kosten. Gegenwärtig bewegen sich die Aufwendungen für Prototypen humanoider Roboter zwischen 150.000 und 500.000 US-Dollar pro Einheit. Für Zulieferer liegt die wirtschaftliche Herausforderung darin, durch standardisierte Fertigungsprozesse und verlässliche Komponenten die Stückkosten zu senken und so den Übergang von Pilotversuchen in den großflächigen Industrieeinsatz zu ermöglichen.
