Verwirrt, Hunde

Verwirrt, desorientiert: Viele Hunde und Katzen haben Demenz

05.01.2025 - 06:00:37 | dpa.de

Hunde und Katzen werden immer Àlter - dank guter medizinischer Vorsorge und Betreuung. Sehr viele Àltere Tiere erkranken laut Experten an Demenz. LÀsst sich gegensteuern?

LĂ€ngeres regungsloses Stehenbleiben kann laut Tiermediziner ein Demenz-Symptom sein.  - Foto: Oliver Berg/dpa
LĂ€ngeres regungsloses Stehenbleiben kann laut Tiermediziner ein Demenz-Symptom sein. - Foto: Oliver Berg/dpa

Manchmal bleibt der kleine Kerl einfach stehen und weiß nicht mehr, wo er ist. Mops Olli ist mit 15 Jahren hochbetagt, hilfsbedĂŒrftig, oft orientierungslos, sieht und hört nur noch wenig, die Hinterbeine schmerzen. «Olli hat schon seit ein paar Jahren Demenz», sagt Besitzerin Ute Hausmann. Sie hat sich ganz auf seine BedĂŒrfnisse eingestellt, hegt, pflegt, umsorgt und fördert das Tier, das seit elf Jahren bei ihr und ihrem Mann im Rheinisch-Bergischen Kreis nahe Köln lebt. Denn: «Olli ist heiß geliebt.» 

Demenz bei Àlteren Hunden und Katzen ist weit verbreitet

Bei Hunden und Katzen kommt Demenz im höheren Alter hÀufig vor, schildert Mediziner Holger Volk von der Stiftung TierÀrztliche Hochschule Hannover. Bei Hunden im Alter von 12 bis 13 Jahren weise etwa eines von drei Tieren die klinischen Symptome auf. Im Alter von 15 bis 16 Jahren seien schon zwei von drei Hunden vom «caninen kognitiven Dysfunktionssyndrom» betroffen. Und unter den sehr alten Katzen um die 16 Jahre haben rund 50 Prozent Demenz, in dem Fall «felines» Syndrom genannt. Also insgesamt eine «Riesenzahl», betont der Experte.

Ganz wichtig sei frĂŒhe Intervention. «Wenn Tierbesitzer AuffĂ€lligkeiten bemerken, ist es oft schon fast zu spĂ€t», berichtet der Leiter der Klinik fĂŒr Kleintiere. Schwierig: Die Anzeichen fallen unterschiedlich aus, Demenz entwickelt sich fortschreitend, ist meist begleitet von anderen Erkrankungen und nicht leicht zu trennen von «normalen» degenerativen Alterserscheinungen. 

Wie kommt es zur Demenz und wie zeigt sie sich?

Die Nervenzellen können nicht mehr richtig arbeiten - hervorgerufen durch VerĂ€nderungen des Gehirn-Stoffwechsels oder auch EntzĂŒndungen und Ablagerungen von Eiweißen. Das Tier wird langsamer, manche verlernen eingeĂŒbte Kommandos, es kommt zu Verwirrung, schlechtem Schlaf - und auch zu VerhaltensverĂ€nderungen. «Eigenbrötlerisches Verhalten und RĂŒckzug», nennt Volk als Beispiele. HĂ€ufig treten Gelenkschmerzen oder Zahnerkrankungen auf. 

PrĂ€vention kann helfen. Dazu gehöre eine passende zuckerarme ErnĂ€hrung - mit bestimmten FettsĂ€uren, die als Energiequellen fĂŒr die Ă€lteren Tiere gut nutzbar sind und EntzĂŒndungsreaktionen vorbeugen. Werde Demenz diagnostiziert, gehöre entsprechend spezielles Futter auf jeden Fall zur Strategie. Zentrale Bedeutung haben auch Bewegung und mentale Stimulation. «An Medikamenten gibt es nicht viel» - einen Wachmacher bei andauernd schlechtem Schlaf oder ein Mittel zur Durchblutungsförderung. Es sei wichtig, das Tier aufmerksam mit Blick auf VerĂ€nderungen zu beobachten. 

Bei Katzen kann genaues Beobachten schwieriger sein

Katzen gehen gerne ihre eigenen Wege - und fallen daher eher mal aus dem Blick. Anzeichen fĂŒr Demenz könnten sein, dass die Katze Ă€ngstlich wirke, weniger AktivitĂ€t und Interaktion zeige, erlĂ€utert der Tiermediziner. Sehr hĂ€ufig: Katzen miauen auffĂ€llig laut, schreien nachts geradezu - das Tier versuche sich damit zu lokalisieren. 

Es komme auch vor, dass die Katze das Katzenklo nicht mehr finde - ebenso wie der sonst stubenreine Hund nicht mehr anzeige, wenn er mal mĂŒsse, und sich stattdessen in der Wohnung entleere, heißt es bei der Tierschutz-Stiftung Vier Pfoten. Demenz bedeute nicht nur fĂŒr die erkrankten Tiere, sondern auch fĂŒr deren Familien VerĂ€nderungen. Mit Geduld und der richtigen FĂŒrsorge lasse sich das Fortschreiten der unheilbaren Erkrankung verlangsamen. 

Bewegung und RegelmĂ€ĂŸigkeit fĂŒr Senior-Mops Olli 

Sie achte auf Bewegung und RegelmĂ€ĂŸigkeit, sagt Ute Hausmann. Jeden Morgen massiert sie ihrem Mops die schmerzenden Hinterbeine. Dann geht es zwei- bis dreimal am Tag raus - stets dieselben vertrauten Kurzstrecken und sehr langsam. «Das hilft ihm zurechtzukommen.» Schon eine BĂŒrgersteigkante bedeute eine Herausforderung. Nach der kleinen Runde hebt die 74-JĂ€hrige das Neun-Kilo-PĂ€ckchen daheim aufs Sofa. «Olli war einmal sehr stĂŒrmisch und lebendig. Jetzt ist er langsam, unsicher und will immer sein, wo ich bin, lĂ€uft mir stĂ€ndig nach.» 

Interaktion mit anderen Vierbeinern fĂ€llt aber aus: «Von anderen Hunden will er gar nichts mehr wissen. FrĂŒher war er immer gut drauf, war sehr interessiert an den Weibchen, aber inzwischen mag er gar keinen Kontakt mehr.» Nachts wache ihr Mops oft auf und wirke völlig verloren. «Olli ist ein vorsichtiger, feiner Charakter, nicht aggressiv und zum GlĂŒck noch sauber.» Er schaffe es, sich bemerkbar zu machen - und dann ab durch die WohnzimmertĂŒr in den Garten. VerĂ€nderungen entgehen der frĂŒheren Erzieherin nicht, sie kennt ihren Mops genau. In Menschenjahre umgerechnet ist Olli fast 100 Jahre alt. 

Aufmerksamkeit fĂŒr Ă€ltere Tiere und Demenz-Problematik wĂ€chst 

Da viele Haustiere inzwischen sehr alt werden, wĂ€chst auch die Aufmerksamkeit fĂŒr das Thema, wie Holger Volk beobachtet. Aktuell sei es aber oft noch so, dass Mediziner vor Ort lediglich Begleiterkrankungen etwa am Herzen, an der Niere oder an den Gelenken diagnostizieren und behandeln. «Das Gehirn ist bisher nicht so im Fokus, aber das kommt immer mehr.» 

Tierbesitzern helfe es oft, wenn sie Klarheit bekĂ€men und die Diagnose Demenz gesichert gestellt werde, weiß der Experte. Ähnlich wie beim Menschen gelte auch fĂŒr Hunde und Katzen: Alter sei ein Risikofaktor, aber keine Ursache fĂŒr Demenz. «Man muss viel stĂ€rker prĂ€ventiv arbeiten. FĂŒr ein glĂŒckliches Leben gehört ein gesundes Gehirn dazu.»

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