Hyperventilation, Hirndurchblutung

Hyperventilation: Hirndurchblutung sinkt bei AtemĂŒbungen um 45 Prozent

Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 07:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien zeigen verÀnderte HirnaktivitÀt und hÀufigere Annahme riskanter Angebote; ein therapeutischer Nutzen ist bislang nicht belegt.

Atemtechniken verÀndern Hirndurchblutung und Risikobereitschaft
Ein minimalistischer, ruhiger Raum mit einer Holzbank vor einem großen Fenster, das sanftes Tageslicht hereinlĂ€sst. Illustration mit AI erstellt.

Gezielte VerĂ€nderungen des Atemmusters können tiefgreifende Auswirkungen auf die Durchblutung des Gehirns und kognitive Prozesse haben. Eine Untersuchung des Zentralinstituts fĂŒr Seelische Gesundheit Mannheim, die auf dem ECNP-Kongress in MĂŒnchen vorgestellt wurde, liefert neue Einblicke in die neurobiologischen Folgen intensiver AtemĂŒbungen.

Bei 30 gesunden, im Atmen erfahrenen Personen, die wĂ€hrend einer Magnetresonanztomographie eine intensive Hyperventilation praktizierten, ging die Durchblutung des Gehirns drastischer zurĂŒck.

Drastischer RĂŒckgang der Hirndurchblutung durch Hyperventilation

Die Daten des Mannheimer Forschungsinstituts zeigen, dass der globale zerebrale Blutfluss in der grauen Substanz wĂ€hrend der Übungen um etwa 45 Prozent sank. Im Mittel verringerte sich der Wert von 16,24 auf 9,81 Milliliter je 100 Gramm Gewebe pro Minute.

Die Teilnehmenden berichteten von psychedelikaÀhnlichen Erfahrungen, wobei stÀrkere verÀnderte BewusstseinszustÀnde mit ausgeprÀgteren VerÀnderungen im sogenannten Default-Mode-Netzwerk einhergingen.

Die Aussagekraft fĂŒr die medizinische Praxis bleibt vorerst begrenzt: Die Mannheimer Untersuchung wurde ohne Kontrollgruppe durchgefĂŒhrt, weshalb ein therapeutischer Nutzen der Methode bislang nicht belegt ist.

Einfluss verlangsamter Atemfrequenzen auf das Risikoverhalten

WĂ€hrend extreme Hyperventilation die Sauerstoffversorgung und das Bewusstsein verschiebt, wirken verlangsamte Atemrhythmen auf andere neurologische Regelkreise.

Eine im Fachjournal Neuron erschienene Untersuchung von Huang und Park aus dem Jahr 2026 analysierte die Reaktionen von 41 gesunden Erwachsenen bei finanziellen Entscheidungen im funktionellen MRT. Die Probanden wĂ€hlten zwischen GlĂŒcksspielen mit potenziellen Gewinnen von 10 bis 30 Euro sowie Verlusten von 5 bis 15 Euro.

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Atmeten die Teilnehmenden in einem Rhythmus von zwei Sekunden Einatmung und acht Sekunden Ausatmung – was etwa sechs AtemzĂŒgen pro Minute entspricht –, akzeptierten sie riskante Angebote hĂ€ufiger als bei natĂŒrlicher Atmung.

Mögliche Gewinne fielen stĂ€rker ins Gewicht, wĂ€hrend die generelle Abneigung gegen Verluste unverĂ€ndert blieb. Insgesamt nahmen 49 Personen an der Versuchsreihe teil, von denen acht ausgeschlossen wurden; fĂŒr die bildgebende Analyse lagen Daten von 35 Personen mit einem Durchschnittsalter von knapp 25 Jahren vor.

Ähnliche Effekte zeigte eine gemeinsame Untersuchung der CharitĂ© und des Deutschen Instituts fĂŒr ErnĂ€hrungsforschung Potsdam-RehbrĂŒcke mit 41 Testpersonen. Eine verlĂ€ngerte Ausatmung fĂŒhrte zu Beruhigung und steigerte die Bereitschaft, GlĂŒcksspiele anzunehmen, obwohl die objektive Gewinnchance unverĂ€ndert bei 50 Prozent verharrte.

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Fachleute sehen in solchen Methoden Werkzeuge zur gezielten Selbstregulation. Ein Nutzen bei psychischen Erkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen lÀsst sich aus den Daten jedoch nicht ableiten.

Im Rahmen alltagstauglicher Methoden wird hĂ€ufig die sogenannte 4-7-11-Technik diskutiert. Bei dieser Abfolge wird vier Sekunden lang ein- und sieben Sekunden lang ausgeatmet, idealerweise ĂŒber elf Minuten tĂ€glich. Nach Angaben von Thomas Loew lĂ€sst sich damit die gewöhnliche Atemfrequenz von zwölf ZĂŒgen pro Minute ungefĂ€hr halbieren.

Parallelen zu pharmakologischen NetzwerkverÀnderungen

Die durch intensive AtemĂŒbungen ausgelösten Effekte auf das Default-Mode-Netzwerk weisen funktionelle Ähnlichkeiten zu Befunden aus der Substanzforschung auf. Eine in Nature veröffentlichte Untersuchung von Devon Stoliker an der Monash University analysierte 62 Personen nach der Einnahme von 19 Milligramm Psilocybin.

Mittels MRT nach 80 Minuten und EEG nach 150 Minuten zeigte sich, dass sensorische Regionen an Einfluss verloren, wÀhrend assoziative Areale an Gewicht gewannen. Die Verbindungen innerhalb einzelner Netzwerke schwÀchten sich ab, wÀhrend die Vernetzung zwischen verschiedenen Netzwerken zunahm.

Auch wenn die Daten beider ForschungsansĂ€tze eine geordnete Neuorganisation von HirnaktivitĂ€ten dokumentieren, beziehen sich die Ergebnisse vorwiegend auf gesunde Stichproben. Ein klarer therapeutischer Nutzen fĂŒr die klinische Anwendung ist gegenwĂ€rtig weder fĂŒr die untersuchten Atemtechniken noch fĂŒr experimentelle Interventionen gesichert nachgewiesen.

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