Hyundai, Boston

Hyundai übernimmt Boston Dynamics: 35.000 Arbeiter streiken

Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 10:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Hyundai schließt Boston-Dynamics-Übernahme ab, während 35.000 Arbeiter streiken und die Gewinne einbrechen.

Hyundai übernimmt Boston Dynamics komplett bei massiven Streiks
Schwach beleuchtetes Hyundai-Fließband mit Roboterarmen und streikenden Arbeitern, Symbol für den Konflikt zwischen Automatisierung und Arbeit. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der südkoreanische Autoriese Hyundai Motor Group übernimmt Boston Dynamics vollständig, während zeitgleich Zehntausende Arbeiter in Ulsan die Produktion lahmlegen und die Gewinne einbrechen.

Komplette Übernahme des Robotik-Pioniers

Hyundai Motor Group kauft die restlichen zehn Prozent an Boston Dynamics von SoftBank – für umgerechnet rund 300 Millionen Euro. Damit bewertet der Konzern den Hersteller des berühmten „Atlas"-Humanoiden mit etwa drei Milliarden Euro. Boston Dynamics wird zur hundertprozentigen Tochter des koreanischen Autobauers.

Parallel dazu stockte Hyundai-Chef Euisun Chung seinen persönlichen Anteil auf. Er erwarb weitere 9,65 Prozent von SoftBank für etwa 80 Millionen Euro. Sein persönlicher Anteil liegt nun bei 25 Prozent, die Gesamtinvestition bei rund 530 Millionen Euro. Die Konzerntochter HMG Global hält künftig 62,5 Prozent an dem Robotik-Unternehmen.

Massenstreiks legen Ulsan lahm

Die Automatisierungsoffensive hat einen handfesten Arbeitskonflikt ausgelöst. Rund 35.000 Beschäftigte im Stammwerk Ulsan traten am 20. Juli in einen dreitägigen Teilzeitstreik – vier Stunden pro Schicht. Schon Mitte Juli hatte es zweistündige Ausstände gegeben.

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Die Gewerkschaft fordert monatlich 149.600 Won (knapp 100 Euro) mehr Grundgehalt, einen Bonus von 30 Prozent des Nettogewinns und ein Vetorecht bei der Einführung von Humanoid-Robotern in südkoreanischen Werken. Zudem soll das Renteneintrittsalter von 60 auf 65 Jahre steigen.

Das Management bot 89.000 Won mehr Grundgehalt, 350 Prozent Bonus, zehn Millionen Won (rund 6.600 Euro) in bar und 15 Aktien. Die Arbeitnehmer lehnten ab – ihre Sorge: die geplante Einführung von 25.000 humanoiden Robotern. Die ersten Streiks kosteten bereits 5.000 Fahrzeuge und umgerechnet 130 Millionen Euro. Die aktuellen Ausstände könnten bis zu 15.000 Fahrzeuge und rund 430 Millionen Euro kosten.

Gewinneinbruch und gesenkte Kursziele

Die Unruhen fallen mit schwächeren Geschäftszahlen zusammen. Der Umsatz im zweiten Quartal 2024 stieg zwar um 5,2 Prozent auf umgerechnet rund 32 Milliarden Euro. Der operative Gewinn brach jedoch um 20,6 Prozent auf etwa 1,9 Milliarden Euro ein.

Mehrere Analysten senkten ihre Kursziele. Die KB Securities reduzierte von umgerechnet 800.000 auf 600.000 Won, Mirae Asset von 630.000 auf 560.000 Won. Die Hyundai-Aktie fiel um 6,12 Prozent auf 399.000 Won – erstmals seit Januar unter der 400.000er-Marke. Grund: schwindende Euphorie um die schnelle Integration der Robotik.

Roboter kommen trotzdem – schrittweise

Hyundai hält an seinem Automatisierungsfahrplan fest. Ab 2028 soll der Atlas-Humanoid im US-Werk Georgia eingesetzt werden – zunächst für Teilebereitstellung, ab 2030 für die vollständige Fahrzeugmontage. Der Roboter ist knapp 1,90 Meter groß und verfügt über 56 Bewegungsachsen.

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Die Tochter Hyundai Mobis prüft den Bau eines eigenen Aktuatoren-Werks in den USA. Bei einer Produktion von 30.000 Atlas-Einheiten pro Jahr könnten die Umsätze mit Antriebskomponenten zwischen 330 Millionen und einer Milliarde Euro liegen.

Noch in der zweiten Jahreshälfte 2026 soll der Roboterhund „Spot" im neuen Ulsan-EV-Werk Anlagen inspizieren, Brände erkennen und Gaslecks melden. Um die Arbeitskonflikte zu entschärfen, prüft Hyundai zudem eine Reform der Lohnstruktur – Überstundenzuschläge sollen ins Festgehalt einfließen, um Einkommensstabilität zu schaffen.

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