Ibuprofen, Paracetamol

Ibuprofen und Paracetamol: Welche Risiken bei hÀufiger Einnahme drohen

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 14:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Mittel unterscheiden sich bei EntzĂŒndungswirkung und Nebenwirkungen; Dosierung, Vorerkrankungen und Anlass beeinflussen ihre sichere Anwendung.
Sterile Laborausstattung mit GlasgefĂ€ĂŸen auf einer EdelstahloberflĂ€che in einer klinischen Umgebung Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Fachartikel und medizinische Ratgeber befassen sich eingehend mit den Wirkungsweisen, Sicherheitsaspekten und Anwendungsvorgaben weitverbreiteter Schmerzmittel wie Ibuprofen und Paracetamol. Obwohl viele Analgetika im Alltag hÀufig eingenommen werden, unterscheiden sich die biochemischen Angriffspunkte sowie das jeweilige Nebenwirkungsprofil erheblich.

Zentrale versus periphere Wirkmechanismen

Paracetamol entfaltet seine schmerzstillende und fiebersenkende Wirkung primĂ€r im zentralen Nervensystem, vermutlich ĂŒber eine DĂ€mpfung der Prostaglandinsynthese. Es dĂ€mpft die Schmerzwahrnehmung in Gehirn und RĂŒckenmark und hebt die Schmerzschwelle an, wirkt jedoch nicht direkt entzĂŒndungshemmend. Da es die Magenschleimhaut nicht nennenswert reizt, eignet es sich vor allem bei Kopf- und Gliederschmerzen sowie leichtem Fieber.

Im Gegensatz dazu blockieren nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen, Naproxen und Aspirin die Cyclooxygenase-Enzyme COX-1 und COX-2. Durch die UnterdrĂŒckung der peripheren Prostaglandinproduktion wirken sie schmerzlindernd, entzĂŒndungshemmend und fiebersenkend. Sie kommen vor allem bei Muskel- und Gelenkschmerzen, Arthritis sowie Regelschmerzen zum Einsatz.

Bei AcetylsalicylsĂ€ure (Aspirin) fĂŒhrt die dauerhafte Hemmung der COX-1 in den BlutplĂ€ttchen zudem zu einer blutverdĂŒnnenden Wirkung, weshalb die Substanz auch in der GefĂ€ĂŸprophylaxe genutzt wird. Celecoxib wiederum hemmt selektiv COX-2, wodurch gastrointestinale Nebenwirkungen gemindert werden können, wenngleich das Risikopotenzial anderer NSAR bestehen bleibt.

Richtige Dosierung und Organschutz

Fachleute mahnen zur Vorsicht bei der Dosierung. Emilija Trbovi? von der Apothekerkammer Serbiens verweist darauf, dass eine Überdosierung von Paracetamol, insbesondere durch die unbemerkte Kombination verschiedener PrĂ€parate, schwere LeberschĂ€den verursachen kann. NSAR bergen hingegen Risiken fĂŒr Magen-Darm-Beschwerden, Nierenfunktionsstörungen, Blutdruckanstiege und kardiovaskulĂ€re Ereignisse.

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Besondere Vorsicht gelte fĂŒr Ă€ltere Menschen, chronisch Kranke, Schwangere sowie Personen, die Antikoagulanzien einnehmen. Eine gleichzeitige Kombination mehrerer NSAR ohne Ă€rztliche Absprache wird nicht empfohlen. Opioide wie Morphin, Codein oder Fentanyl bleiben aufgrund des AbhĂ€ngigkeitspotenzials starken oder chronischen Schmerzen vorbehalten.

FĂŒr die NSAR-Auswahl gelten die Kriterien Indikationsmatch, Darreichungsform, individuelle VertrĂ€glichkeit und Sicherheit. Als Grundregel gilt die kĂŒrzeste Behandlungsdauer bei der niedrigsten wirksamen Dosis sowie eine Einnahme nach den Mahlzeiten.

Besonderheiten bei Infektionen und Fieber

In Luxemburg warnen Mediziner vor einem zu unkritischen Einsatz von NSAR bei Fieber. Nach Angaben der Infektionsabteilung des Centre Hospitalier de Luxembourg und des dortigen Gesundheitsministeriums sollte Paracetamol die erste Wahl bleiben, da NSAR wie Ibuprofen oder Ketoprofen den Verlauf bestimmter bakterieller Infektionen durch Streptokokken oder Pneumokokken verschlimmern können. Bislang wurden in Luxemburg zwei InfektionsfÀlle nach NSAR-Gabe gemdeldet, bei denen es jedoch zu keiner Verschlimmerung kam.

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KinderĂ€rztin Dr. Maureen Stoll gibt zu bedenken, dass das Leberrisiko von Paracetamol mindestens ebenso groß sei wie die Risiken von Ibuprofen und Fieber an sich keine Gefahr darstelle. Zudem hĂ€lt die S3-Leitlinie zum Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen fest, dass Antipyretika das Auftreten von FieberkrĂ€mpfen nicht verhindern.

Soll eine alternierende Einnahme von Ibuprofen und Paracetamol im Abstand von vier Stunden erfolgen, muss dies streng nach Alters- und Gewichtsgrenzen und unter Einhaltung der maximal vier Tagesdosen pro Wirkstoff geschehen.

Studien zu Grunderkrankung und GefĂ€ĂŸrisiken

Eine im Fachjournal The Lancet Obstetrics, Gynaecology, & Women's Health veröffentlichte DARWIN-EU-Studie analysierte die Krankenakten von mehr als drei Millionen Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren mit hormoneller VerhĂŒtung.

Die Daten zeigten ein erhöhtes Risiko fĂŒr venöse Thromboembolien bereits in den zwei Wochen vor Beginn einer NSAR-Verschreibung, mit einem Höhepunkt am Tag des Therapiebeginns.

Da sich ein Ă€hnliches Muster auch bei Paracetamol zeigte, geht die europĂ€ische Arzneimittelbehörde EMA davon aus, dass das Thromboserisiko primĂ€r auf die zugrunde liegende akute Erkrankung zurĂŒckzufĂŒhren ist und nicht auf das Schmerzmittel selbst.

Ulrike Kaiser, Schmerzpsychologin am UniversitĂ€tsklinikum Schleswig-Holstein in LĂŒbeck, betont Schmerz zudem als wichtiges Warnsignal: Eine gelegentliche Einnahme sei vertretbar, problematisch werde jedoch der tĂ€gliche Gebrauch, da bei Schmerzen ab einer Dauer von sechs Monaten hĂ€ufig chronische Belastungsfaktoren wie Stress oder familiĂ€re Spannungen im Vordergrund stĂŒnden.

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