Liebe, Gehirn

Wie Liebe das Gehirn zum Leuchten bringt

26.08.2024 - 11:01:36

Ich liebe dich, ich liebe das: Liebe ist ein GefĂŒhl fĂŒr ganz verschiedene Dinge. Im Gehirn macht das einen Unterschied. Bei einem Objekt großer Zuneigung feuern Neuronen besonders stark.

  • Liebe lĂ€sst das Gehirn in verschiedenen Bereichen aktiv werden. (Illustration) - Foto: Sina Schuldt/dpa

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  • Die aktivierten Hirnareale Ă€hneln sich bei allen Formen zwischenmenschlicher Liebe stark. (Illustration) - Foto: Boris Roessler/dpa

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  • Bei romantischer Liebe ist das Gehirn sehr aktiv - es gibt aber einen noch stĂ€rkeren Auslöser. (Illustration) - Foto: Julian Stratenschulte/dpa

    Julian Stratenschulte/dpa

  • Bei Haustierbesitzern zeigt sich eine Besonderheit in der HirnaktivitĂ€t. (Illustration) - Foto: Victoria Jones/PA Wire/dpa

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Liebe lÀsst das Gehirn in verschiedenen Bereichen aktiv werden. (Illustration) - Foto: Sina Schuldt/dpaDie aktivierten Hirnareale Àhneln sich bei allen Formen zwischenmenschlicher Liebe stark. (Illustration) - Foto: Boris Roessler/dpaBei romantischer Liebe ist das Gehirn sehr aktiv - es gibt aber einen noch stÀrkeren Auslöser. (Illustration) - Foto: Julian Stratenschulte/dpaBei Haustierbesitzern zeigt sich eine Besonderheit in der HirnaktivitÀt. (Illustration) - Foto: Victoria Jones/PA Wire/dpa

Liebe lĂ€sst das Gehirn einer Studie zufolge in unterschiedlichen Bereichen brizzeln - und am allerstĂ€rksten bei elterlicher Zuneigung den eigenen Kindern gegenĂŒber. Ähnlich stark sei die AktivitĂ€t bei der romantischen Liebe, berichtet ein Forschungsteam im Fachjournal «Cerebral Cortex» ĂŒber die Ergebnisse einer kleinen Versuchsreihe.

Menschen verwenden das Wort «Liebe» in ganz verschiedenen ZusammenhĂ€ngen - fĂŒr sexuelle Anziehung ebenso wie fĂŒr Elternliebe oder die Liebe zur Natur. Das Team um PĂ€rttyli Rinne von der Aalto UniversitĂ€t in Espoo (Finnland) nutzte nun die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRI), um die GehirnaktivitĂ€t von Menschen fĂŒr bestimmte Szenarien aufzuzeichnen.

Szenen der Liebe aktivieren das Gehirn

Die 55 einbezogenen MÀnner und Frauen im Alter von 28 bis 53 Jahren hatten demnach jeweils mindestens ein Kind und sagten von sich selbst, sie seien in einer Liebesbeziehung. 27 Probanden hatten ein Haustier. 

Die Teilnehmer bekamen im Tomographen kurze Geschichten zu sechs verschiedenen Arten von Liebe - zu den eigenen Kindern, dem Partner, Freunden, Fremden, Haustieren und der Natur - zu hören, ĂŒber die sie anschließend zehn Sekunden nachdenken sollten.

Zur Kontrolle wurden «lieblose» Szenen eingespielt: aus dem Busfenster schauen oder geistesabwesend die ZĂ€hne putzen. WĂ€hrend der Hör- und Nachdenkphase wurde jeweils die GehirnaktivitĂ€t erfasst. ErgĂ€nzend wurden ĂŒber Fragebögen die Ansichten zu den verschiedenen Kategorien der Liebe erfasst.

Elterliche Liebe ist etwas Besonderes

Geschichten zur Liebe zur Natur aktivierten in den Versuchen das Belohnungssystem und visuelle Bereiche des Gehirns, nicht aber soziale Hirnbereiche. Die elterliche Liebe hatte ein Alleinstellungsmerkmal: Nur bei ihr wurden bestimmte mit Belohnung verbundene Bereiche des sogenannten Striatums stĂ€rker aktiviert, wie die Forscher erlĂ€utern. Die mitfĂŒhlende Liebe zu Fremden wiederum rief insgesamt eine vergleichsweise geringe Gehirnaktivierung hervor.

AuffÀllig war dem Team um Rinne zufolge, dass die aktivierten Hirnareale sich bei allen Formen zwischenmenschlicher Liebe stark Àhnelten, lediglich die IntensitÀt der Aktivierung unterschied sich. Alle hingen mit sozialer Wahrnehmung zusammen.

Die besondere Liebe der Haustierbesitzer

Bei der Liebe zur Natur und zu Haustieren fand sich dieses Aktivierungsmuster nicht - mit einer Ausnahme. Sie betraf eine Szene zu Haustieren, die in einer der genutzten Geschichten so lautete: «Sie rĂ€keln sich zu Hause auf der Couch und Ihre Hauskatze kommt zu Ihnen herĂŒber. Die Katze rollt sich neben Ihnen ein und schnurrt schlĂ€frig. Sie lieben Ihr Haustier.»

An der Hirnmessung lasse sich mit gewisser statistischer Relevanz erkennen, ob der jeweilige Teilnehmer selbst ein Haustier habe, so die Forschenden. In diesem Fall funke das Gehirn mit höherer Wahrscheinlichkeit verstÀrkt auch in sozialen Hirnbereichen, also Àhnlich wie bei zwischenmenschlicher Zuneigung.

Deutliche kulturelle Unterschiede möglich

EinschrĂ€nkend gibt das Team zu bedenken, dass sich die Ergebnisse aufgrund der geringen Teilnehmerzahl nicht verallgemeinern lassen. «Die Liebe ist ein komplexes und vielschichtiges PhĂ€nomen, das biologisch begrĂŒndet und kulturell modifiziert ist», wird erlĂ€utert. Weitere kulturĂŒbergreifende und demografische Faktoren berĂŒcksichtigende Forschung sei erforderlich. Vor allem das GefĂŒhlslevel gegenĂŒber Fremden, Tieren und Natur werde stark von gesellschaftlichen und subjektiv-psychologischen EinflĂŒssen geprĂ€gt.

Die neuronalen Mechanismen der Liebe zu ergrĂŒnden, ermögliche nicht nur philosophische Diskussionen ĂŒber die Natur der Liebe und menschliche Bindungen, so die Forschenden. Zu erhoffen sei auch ein praktischer Nutzen bei der psychologischen Behandlung von Krankheiten wie Bindungsstörungen, Depressionen oder Beziehungsproblemen. 

@ dpa.de