Icosapent-Ethyl, Darmkrebs

Icosapent-Ethyl bei Darmkrebs: Studie zeigt 32 Prozent weniger Sterberisiko

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 11:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei Darmkrebspatienten war das Fünfjahresüberleben höher, doch beim progressionsfreien Überleben blieb ein signifikanter Vorteil aus.
Ein heller, steriler Krankenhausflur in einer modernen Klinik ohne Personen. Illustration mit AI erstellt.

Die Behandlung von Patienten nach einer operativen Entfernung von Darmkrebs-Lebermetastasen könnte durch den Einsatz hochgereinigter Fettsäureester neue Impulse erhalten. Auf dem ESMO-Kongress 2026 in Madrid vorgestellte Ergebnisse der klinischen Phase-3-Studie EMT2 der University of Leeds untersuchten die Wirkung von Icosapent-Ethyl auf den Krankheitsverlauf.

An der Untersuchung nahmen 418 Patienten an 13 Zentren in England und Wales teil, die zwischen 2018 und 2023 nach einer kurativen Resektion kolorektaler Lebermetastasen rekrutiert wurden.

Die Teilnehmer erhielten täglich vier Gramm Icosapent-Ethyl oder ein Mineralöl-Placebo. Die Gabe begann mindestens einen Tag vor dem chirurgischen Eingriff und war für eine Dauer von zwei bis vier Jahren vorgesehen.

Deutlicher Vorteil beim Gesamtüberleben nach fünf Jahren

Beim zentralen sekundären Endpunkt der Studie zeigte sich ein signifikanter Unterschied zugunsten des Prüfpräparats. Das 5-Jahres-Gesamtüberleben lag in der Gruppe mit Icosapent-Ethyl bei 62,0 Prozent gegenüber 45,1 Prozent unter Placebo. Dies entspricht einer Hazard Ratio (HR) für das Sterberisiko von 0,68 bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,48 bis 0,96 (p=0,03) beziehungsweise einer Risikoreduktion um 32 Prozent.

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Das mediane Gesamtüberleben wurde unter Icosapent-Ethyl während des Erfassungszeitraums nicht erreicht, während es in der Placebogruppe bei 59,0 Monaten lag. Eine Per-Protokoll-Analyse wies eine Hazard Ratio von 0,60 (95-Prozent-KI 0,36–0,99) aus. Zu Studienbeginn lag der Anteil von Patienten mit Diabetes bei 16 Prozent in der Verumgruppe gegenüber 8 Prozent im Kontrollarm.

Eine adjuvante Chemotherapie erhielten in beiden Behandlungsgruppen jeweils 20 Prozent der Probanden. Die Verträglichkeit der Therapie wurde als gut eingestuft; vermehrte Blutungen oder Fälle von Vorhofflimmern traten laut den Studiendaten nicht auf.

Primärer Endpunkt verfehlt und offene Fragen zum Wirkmechanismus

Trotz der Daten zum Gesamtüberleben erreichte die Studie ihren primären Endpunkt nicht. Beim progressionsfreien Überleben ergab sich kein statistisch signifikanter Vorteil: Der Median lag unter Icosapent-Ethyl bei 13,5 Monaten gegenüber 12,9 Monaten unter Placebo, was einer adjustierten Hazard Ratio von 0,89 (95-Prozent-KI 0,70–1,13; p=0,33) entspricht.

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Fachleute mahnen vor einer voreiligen Umsetzung in die klinische Praxis zur Vorsicht. Chiara Cremolini von der Universität Pisa wies darauf hin, dass die Diskrepanz zwischen dem progressionsfreien Überleben und dem Gesamtüberleben eine sehr sorgfältige Interpretation erfordere und vor einer Routineanwendung bestätigende Daten vorliegen müssten.

Studienleiter Mark Hull von der University of Leeds erklärte, ein möglicher biologischer Mechanismus könne über die Reaktion des Körpers auf die Krebserkrankung verlaufen, wozu auch Einflüsse auf tumorbedingte Kachexie zählen könnten. Die Ergebnisse seien im Falle einer Bestätigung klinisch bedeutsam, bedürften jedoch weiterer validierender Studien.

Kardiologischer Hintergrund und onkologische Relevanz

Icosapent-Ethyl ist ein hochgereinigter Ethylester der Eicosapentaensäure (EPA). Die Substanz ist im kardiologischen Bereich bereits etabliert, nachdem die REDUCE-IT-Studie eine 25-prozentige Reduktion schwerer kardiovaskulärer Ereignisse bei statinbehandelten Patienten mit erhöhten Triglyceridwerten nachwies.

Das Prüfpräparat für die EMT2-Studie wurde vom Hersteller Amarin kostenlos bereitgestellt. Das Unternehmen vertreibt den Wirkstoff unter den Handelsnamen VASCEPA in den USA und VAZKEPA in Europa und verzeichnet weltweit rund 32 Millionen Verschreibungen.

Darmkrebs gilt weltweit als die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache. Rund 50 Prozent der Patienten entwickeln im Krankheitsverlauf Lebermetastasen. Das 5-Jahres-Überleben nach einer erfolgreichen operativen Entfernung dieser Metastasen liegt im Regelfall zwischen 40 und 60 Prozent.

Die vollständige Publikation der EMT2-Studie in einem Fachjournal mit Peer-Review-Verfahren sowie der Zeitplan für weitere Veröffentlichungen stehen derzeit noch aus.

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de | wissenschaft | 70413821 |