Icosapent-Ethyl, Darmkrebs

Icosapent-Ethyl bei Darmkrebs: Überlebensrate steigt auf 62 Prozent

Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 14:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der EMT2-Studie war die Fünfjahresüberlebensrate mit Icosapent-Ethyl höher; beim progressionsfreien Überleben zeigte sich kein signifikanter Vorteil.
Goldene Öltröpfchen auf einer sauberen, weißen Laboroberfläche bei sanftem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Neue Daten aus der klinischen Onkologie liefern vielversprechende Hinweise auf verbesserte Überlebensraten bei metastasiertem Darmkrebs. Eine Untersuchung der Phase-III-Studie EMT2 (NCT03428477), die auf dem Fachkongress der European Society for Medical Oncology (ESMO 2026) in Madrid vorgestellt wurde, belegt einen signifikanten Überlebensvorteil durch die Gabe hochdosierter Eicosapentaensäure nach der chirurgischen Entfernung kolorektaler Lebermetastasen.

Unter einer täglichen Behandlung mit 4 Gramm Icosapent-Ethyl lag die 5-Jahres-Gesamtüberlebensrate bei 62,0 Prozent im Vergleich zu 45,1 Prozent unter einem Mineralöl-Placebo.

Diskrepanz zwischen progressionsfreiem Überleben und Gesamtüberleben

Die von der University of Leeds gesponserte und durch Yorkshire Cancer Research geförderte EMT2-Studie wurde als randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Investigator-Studie an 13 hepatobiliären Zentren in England und Wales durchgeführt. Zwischen 2018 und 2023 wurden 418 Patienten im Verhältnis 1:1 randomisiert.

Das Regime sah den Beginn der Verabreichung von 4 Gramm Eicosapentaensäure täglich oder des Placebos mindestens einen Tag vor dem Eingriff vor, bei einer Gesamtdauer von zwei bis vier Jahren. Rund 20 Prozent der Teilnehmenden in beiden Behandlungsarmen erhielten zusätzlich eine adjuvante Chemotherapie.

Beim primären Endpunkt, dem progressionsfreien Überleben (PFS), zeigte sich kein statistisch signifikanter Vorteil. Die mediane progressionsfreie Zeit lag unter dem Prüfpräparat bei 13,5 Monaten (95% CI 11,8–17,9) und unter Placebo bei 12,9 Monaten (95% CI 10,4–16,3), was einer adjustierten Hazard Ratio (HR) von 0,89 (95% CI 0,70–1,13; p=0,329) entspricht.

Dagegen fiel der wichtigste sekundäre Endpunkt, das Gesamtüberleben, deutlich zugunsten des Wirkstoffs aus: Die 5-Jahres-Überlebensrate betrug 62,0 Prozent unter Eicosapentaensäure (95% CI 52,7–70,0) gegenüber 45,1 Prozent in der Placebogruppe (95% CI 33,7–55,9). Dies entspricht einer relativen Reduktion des Sterberisikos um rund 32 Prozent (adjustierte HR 0,68; 95% CI 0,48–0,96; p=0,030). Das mediane Gesamtüberleben war im Interventionsarm noch nicht erreicht, während es in der Vergleichsgruppe bei 59,0 Monaten lag. In der Per-Protokoll-Analyse belief sich die Hazard Ratio auf 0,60 (95% CI 0,36–0,99).

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Verträglichkeitsprofil und offene Wirkungsmechanismen

In der Sicherheitsanalyse an 411 Patienten traten keine erhöhten Raten an unerwünschten Ereignissen, Blutungen oder Vorhofflimmern auf. Auch die erfasste Lebensqualität blieb in beiden Gruppen vergleichbar. Schwere Blutungsereignisse, die eine Transfusion oder einen erneuten chirurgischen Eingriff erforderten, waren unter Icosapent-Ethyl numerisch seltener.

Studienleiter Mark A. Hull von der University of Leeds hob hervor, dass ein Vorteil beim Gesamtüberleben ohne vorherige Verlängerung des progressionsfreien Intervalls in der Onkologie nicht beispiellos sei. Als mögliche Mechanismen nannte er antiinflammatorische Prozesse, Effekte auf die Immunüberwachung sowie Einflüsse auf das Mikrobiom, die jedoch noch weiterer Erforschung bedürfen.

Sofern sich die Resultate bestätigen, sei der Nutzen klinisch hochrelevant. Eine an der Studie unbeteiligte Fachonkologin der Universität Pisa gab bezüglich der Daten zu bedenken, dass die Abweichung zwischen progressionsfreiem und gesamtem Überleben einer sorgfältigen Interpretation bedürfe und weitere Bestätigungsstudien erforderlich mache.

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Hintergrund zum Krankheitsbild und Wirkstoff

Darmkrebs stellt weltweit die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache dar. Etwa die Hälfte aller Betroffenen entwickelt im Verlauf Metastasen in der Leber. Nach einer Resektion liegt die 5-Jahres-Überlebensrate typischerweise zwischen 40 und 60 Prozent.

Das biopharmazeutische Unternehmen Amarin, das die Prüfmedikation für die Untersuchung kostenfrei bereitstellte, vertreibt den Wirkstoff unter den Handelsnamen Vascepa in den USA sowie Vazkepa in Europa zur Reduktion kardiovaskulärer Risiken. Weltweit wurden bislang rund 32 Millionen Verschreibungen für das Präparat registriert. Der Patentschutz für das Medikament besteht in Europa bis zum Jahr 2039.

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