IdentitÀtsbetrug: +454 Prozent Anstieg bei Reisebuchungen
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 08:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die KriminalitĂ€t bei digitalen Reise- und Veranstaltungsbuchungen ist im ersten Halbjahr 2026 massiv gestiegen. Marktanalysen und Polizeiberichte zeigen: Die TĂ€ter werden professioneller. Sie setzen verstĂ€rkt auf soziale Medien, Messenger-Dienste und kompromittierte GeschĂ€ftskonten. Besonders betroffen sind Nutzer von Buchungsplattformen und KĂ€ufer von Eintrittskarten fĂŒr GroĂereignisse.
GefÀlschte Zahlungsaufforderungen auf WhatsApp
Ein Schwerpunkt der aktuellen Betrugswelle liegt auf manipulierten Buchungsprozessen. Kriminelle nutzen kompromittierte Extranet-Konten von Hotels auf Booking.com, um an reale Buchungsdaten von GĂ€sten zu gelangen. Mit diesen Informationen kontaktieren sie die Urlauber direkt ĂŒber WhatsApp.
Ein Fall aus Bautzen zeigt das Vorgehen: Eine Kundin wurde nach einer Hotelreservierung von einer vermeintlichen Check-in-Managerin angeschrieben. Die TĂ€terin hatte korrekte Buchungsdetails und forderte unter Androhung einer Stornierung zur Eingabe von Kreditkartendaten auf einer gefĂ€lschten Webseite auf. Booking.com bestĂ€tigte SicherheitsbemĂŒhungen im Extranet. Sicherheitsexperten beobachten seit dem FrĂŒhjahr eine Zunahme dieser Phishing-Methode.
Auch auf Instagram hĂ€ufen sich die FĂ€lle. Die Polizei Donauwörth meldete einen Vorfall von Mitte Juli: Ein Kaufinteressent wollte ein Wohnmobilticket fĂŒr ein Musikfestival erwerben. Nach der SofortĂŒberweisung brach der private VerkĂ€ufer den Kontakt ab â ohne die Ware zu liefern.
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Tour de France als Einfallstor
Internationale GroĂereignisse dienen Cyberkriminellen als AufhĂ€nger fĂŒr Phishing-Kampagnen. Check Point Research identifizierte von Januar bis Juni 63 neu registrierte Domains mit Bezug zur Tour de France. Sie zielen darauf ab, Zahlungsdaten und persönliche Informationen von Fans zu stehlen.
Parallel warnen Polizeibehörden vor gefĂ€lschten Verkaufsseiten fĂŒr Vignetten und MautgebĂŒhren. Die Polizeiinspektion Trostberg berichtet: Urlauber werden ĂŒber Werbebanner auf manipulierte Bestellformulare geleitet. Die Opfer bemerken den Betrug oft erst bei Mautkontrollen oder durch unberechtigte Abbuchungen. Auch der ĂAMTC warnt vor physischen Maschen wie dem Spiegeltrick oder nicht autorisierten Abschleppdiensten.
IdentitÀtsbetrug explodiert um 454 Prozent
Die Statistik fĂŒr das erste Halbjahr 2026 verdeutlicht das AusmaĂ. Der Gen Threat Report verzeichnet fĂŒr Deutschland eine Steigerung des Betrugs in Online-Shops um 134 Prozent. Besonders krass: Der IdentitĂ€tsbetrug nahm um 454 Prozent zu. Mit 2,3 Millionen blockierten support-Betrugsversuchen liegt Deutschland weltweit auf Platz drei.
Bei Online-Tickets geraten zudem automatisierte Einkaufsprogramme in die Kritik. Rund 200 Musiker und Veranstalter forderten in einem offenen Brief an die Bundesregierung MaĂnahmen gegen den Ticketzweitmarkt. Bots kaufen demnach Sekunden nach Verkaufsstart groĂe Kontingente auf â und bieten sie kurz darauf zu ĂŒberhöhten Preisen auf Wiederverkaufsplattformen an.
Die massiv steigenden Zahlen beim IdentitÀtsbetrug zeigen, dass herkömmliche Vorsicht beim Online-Shopping und Banking oft nicht mehr ausreicht. IT-Experten empfehlen daher spezielle Sicherheitsvorkehrungen, um Apps wie PayPal oder WhatsApp endlich wieder sorgenfrei nutzen zu können. Kostenlosen Sicherheits-Ratgeber herunterladen
Auch Krankenkassen und Behörden betroffen
Neben dem Reisesektor sind andere Bereiche von Phishing-Wellen betroffen. Die AOK warnt vor gefĂ€lschten E-Mails, die Versicherte zum Austausch ihrer Gesundheitskarte auffordern. Auch im Namen des rheinland-pfĂ€lzischen BĂŒrgerbeauftragten Martin Haller wurden gefĂ€lschte Zahlungsaufforderungen versendet.
Zudem warnen Experten vor Drittanbietern, die NachsendeauftrĂ€ge der Post zu Preisen von bis zu 169 Euro anbieten â der offizielle Dienst kostet nur einen Bruchteil. Ihr Rat: Offizielle Webseiten grundsĂ€tzlich manuell aufrufen und bei unaufgeforderten Zahlungsaufforderungen ĂŒber Messenger direkten Kontakt mit dem Anbieter suchen.
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