IIT Bombay: Student nach ChatGPT-Vorwurf gestorben, 400 protestieren
Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 09:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein schwerwiegender Vorfall am Indian Institute of Technology (IIT) Bombay hat die akademische Gemeinschaft erschüttert und weitreichende Proteste ausgelöst.
Sahil Ravindra Wakode, ein 22-jähriger Student im zweiten Jahr des Studiengangs Energy Science and Engineering, wurde am Freitagabend leblos in seinem Zimmer im Wohnheim „Hostel 4“ auf dem Campus in Powai aufgefunden. Dem Ereignis war ein Konflikt während einer laufenden Prüfung vorausgegangen, bei dem Wakode die Nutzung unerlaubter Hilfsmittel vorgeworfen wurde.
Der Student, der ursprünglich aus Yavatmal stammte, war während einer Mid-Semester-Prüfung mit einem Mobiltelefon entdeckt worden. Berichten zufolge soll er Prüfungsfragen in das KI-Modell ChatGPT hochgeladen haben. Das Institut reagierte auf den Vorfall mit einer Stellungnahme, in der betont wurde, dass gegen den Studenten keine formellen Disziplinarmaßnahmen verhängt worden seien.
Stattdessen habe lediglich ein Beratungsgespräch mit einem Dozenten sowie dem zuständigen Fachbereichsleiter stattgefunden. In diesem Gespräch sei Wakode laut Angaben des Instituts zugesichert worden, dass ihm keine dauerhaften Nachteile für seine weitere akademische Laufbahn entstehen würden.
Unbestätigte Vorwürfe und studentische Proteste
Trotz der Darstellung der Institutsleitung kursieren unter den Studierenden abweichende Informationen. Demnach behaupteten Kommilitonen, dem Verstorbenen sei im Zusammenhang mit dem Prüfungsvergehen mit einer einjährigen Suspendierung gedroht worden.
Eine offizielle Bestätigung für diese Drohung liegt bislang nicht vor. Infolge des Todesfalls versammelten sich über 400 Studierende am Haupttor des Campus zu einer Protestkundgebung. Die Polizei war vor Ort im Einsatz, um die Lage zu sichern.
Die Demonstrierenden richteten deutliche Forderungen an die Leitung des IIT Bombay. Sie verlangten den Rücktritt von Direktor Shireesh Kedare sowie des zuständigen Dekans und der Prüfungsaufsicht. Zudem forderten die Teilnehmer eine unabhängige Untersuchung der jüngsten Suizidfälle auf dem Campus. Als unmittelbare Reaktion auf die angespannte Situation wurden die laufenden Mid-Semester-Prüfungen auf Samstag verschoben.
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Ermittlungen und Vorwürfe der Angehörigen
Die zuständige Polizei in Powai hat die Ermittlungen aufgenommen und einen sogenannten Accidental Death Report (ADR) registriert. Ein Abschiedsbrief wurde in den Räumlichkeiten des Studenten nicht gefunden.
DCP Dattatray Nalawade erklärte, dass die Untersuchungen andauern und derzeit Gespräche mit anderen Studierenden geführt würden, um die genauen Hintergründe zu klären. Das Institut selbst lehnte es ab, den Tod unmittelbar mit dem Vorfall während der Prüfung in Verbindung zu bringen, kündigte jedoch eine umfassende Untersuchung der Umstände an.
Die Eltern des Verstorbenen erhoben unterdessen schwere Vorwürfe gegen das IIT Bombay. Sie sprachen von institutionalisierter Folter und verwiesen auf Diskriminierungen im Zusammenhang mit dem Kastenwesen. Die Familie forderte eine Untersuchung durch die Kriminalpolizei (CID).
Häufung von Krisenfällen an indischen Spitzenuniversitäten
Der aktuelle Vorfall ist der dritte Suizid auf dem Powai-Campus innerhalb eines Zeitraums von etwa sechs bis sieben Monaten. Bereits im Februar und im Juli kam es am IIT Bombay zu ähnlichen Tragödien.
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Die Serie von Todesfällen beschränkt sich nicht nur auf diesen Standort; erst vor weniger als einem Monat wurde der Suizid eines 31-jährigen Physikstudenten am IIT Delhi gemeldet. Die Häufung dieser Ereignisse verstärkt die öffentliche Debatte über den psychischen Druck und die institutionellen Rahmenbedingungen an den renommierten technischen Instituten des Landes.
