Jungen, Schulstart

Jungen sind erst nach Schulstart besser in Mathe als MĂ€dchen

12.06.2025 - 04:00:59

Im Kleinkindalter haben Jungen und MĂ€dchen einen Ă€hnlich guten Sinn fĂŒr Zahlen. Das Ă€ndert sich jedoch schnell, sobald sie Matheunterricht bekommen. Woran liegt das?

  • Schon nach vier Monaten schneiden Jungen demnach in Mathe etwas besser ab als MĂ€dchen. (Archivbild) - Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

    Frank Rumpenhorst/dpa

  • Die Förderung aller Kinder gleichermaßen ist bedeutend. (Archivbild) - Foto: Oliver Berg/dpa

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  • FrĂŒhes Eingreifen ist wichtig, bevor MĂ€dchen das Vertrauen in ihre Matheleistungen verlieren. (Archivbild) - Foto: Marcel Kusch/dpa

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  • LehrkĂ€fte und Eltern sollten sich bewusst sein, dass der Unterschied in der Matheleistung erst mit dem formalen Lernen beginnt. (Archivbild)  - Foto: Marijan Murat/dpa/dpa-tmn

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  • Bei der Sprachentwicklung sind MĂ€dchen schon zu Schulbeginn besser. (Archivbild) - Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

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  • Auch die Eltern sind bei der Entwicklung der Matheleistung wichtig. (Archivbild)  - Foto: Soeren Stache/dpa

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Schon nach vier Monaten schneiden Jungen demnach in Mathe etwas besser ab als MĂ€dchen. (Archivbild) - Foto: Frank Rumpenhorst/dpaDie Förderung aller Kinder gleichermaßen ist bedeutend. (Archivbild) - Foto: Oliver Berg/dpaFrĂŒhes Eingreifen ist wichtig, bevor MĂ€dchen das Vertrauen in ihre Matheleistungen verlieren. (Archivbild) - Foto: Marcel Kusch/dpaLehrkĂ€fte und Eltern sollten sich bewusst sein, dass der Unterschied in der Matheleistung erst mit dem formalen Lernen beginnt. (Archivbild)  - Foto: Marijan Murat/dpa/dpa-tmnBei der Sprachentwicklung sind MĂ€dchen schon zu Schulbeginn besser. (Archivbild) - Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpaAuch die Eltern sind bei der Entwicklung der Matheleistung wichtig. (Archivbild)  - Foto: Soeren Stache/dpa

Jungen und MĂ€dchen sind zum Schulstart in Mathe einer Studie zufolge Ă€hnlich gut - doch schon bald danach unterscheiden sich ihre Leistungen. Bereits nach vier Monaten schneiden Jungen demnach in Mathe deutlich besser ab als MĂ€dchen. Ein Jahr nach dem Schulstart hat sich dieser Unterschied sogar vervierfacht, wie ein Team um Pauline Martinot von der UniversitĂ© Paris CitĂ© ermittelt hat. Bereits frĂŒhere Studien hĂ€tten ergeben, dass SĂ€uglinge keine und Kleinkinder nahezu keine geschlechterspezifischen Unterschiede im Zahlensinn und bei mathematischen Aufgaben haben, berichtet es im Journal «Nature». 

Im Gegensatz dazu waren bei der Sprachentwicklung von Schulbeginn an die MĂ€dchen besser - und blieben es auch. Der geschlechtsspezifische Unterschied schrumpfte nach vier Monaten zwar etwas, stieg dann aber wieder an. Insgesamt war nach dem ersten Schuljahr der Leistungsunterschied zwischen Jungen und MĂ€dchen in der Sprachentwicklung jedoch kleiner als der in Mathe.

Das Team analysierte Daten von rund 2,7 Millionen Kindern in Frankreich, die von 2018 bis 2021 mit der Schule starteten. Die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Matheleistung waren tendenziell in Schulen und Familien mit höherem sozioökonomischen Status besonders groß. Sie nahmen eher mit der LĂ€nge der Schulbildung zu als mit dem Alter. 

Bedeutende und neue Erkenntnisse

Die Ergebnisse seien «sehr interessant und wichtig», darunter besonders das Aufzeigen eines Zeitpunkts, an dem Geschlechtsunterschiede entstehen, sagte Lena Keller vom Institut fĂŒr PĂ€dagogisch-Psychologische Lehr- und Lernforschung der UniversitĂ€t Kiel. Dies sei neu und «stellt einen wichtigen Beitrag zur Forschung zur Entwicklung von Geschlechtsunterschieden dar». 

«Ein möglicher ErklÀrungsansatz ist, dass MÀdchen und Jungen in der Schule nicht nur Mathematik lernen, sondern auch mit gesellschaftlichen Erwartungen und Rollenbildern konfrontiert werden», sagte Keller. «Mathematik wird nach wie vor eher mit Jungen assoziiert.» 

LehrkrÀfte könnten Keller zufolge zur Verfestigung solcher geschlechtsspezifischen Muster beitragen. Eine aktuelle Studie aus Deutschland zeige, dass LehrkrÀfte in der 1. und 2. Klasse höhere Erwartungen an Jungen als an MÀdchen in Mathematik stellten. Zudem zeigte sich: «Je stÀrker LehrkrÀfte traditionelle Geschlechterstereotype vertraten, desto stÀrker unterschÀtzen sie die Mathematikleistungen von MÀdchen.» 

Es ist laut Keller plausibel, dass es eine Ă€hnliche Entwicklung der Geschlechterunterschiede in der Mathematikleistung wie in Frankreich auch in Deutschland gibt. Die internationale Schulleistungsstudie TIMSS 2023 zeige in der vierten Klasse in Deutschland einen kleinen Mathe-Leistungsvorsprung der Jungen. Ähnliches habe auch die Pisa-Studie 2022 fĂŒr 15-JĂ€hrige in Deutschland ergeben.

«Ob sich die konkreten Ergebnisse ĂŒbertragen lassen, muss allerdings mit wissenschaftlichen Studien empirisch geprĂŒft werden», sagte Keller. In der TIMSS-Studie sei der Leistungsunterschied zwischen MĂ€dchen und Jungen in Frankreich wesentlich grĂ¶ĂŸer gewesen als in Deutschland, in der Pisa-Studie Ă€hnlich klein.

Nach Annahmen des Studienteams könnten Grundschul-LehrkrĂ€fte zu den Unterschieden in der Matheleistung fĂŒhren, etwa, wenn sie mit Jungen und MĂ€dchen unterschiedlich interagieren oder den mathematischen Erfolg von Jungen eher ihrer höheren Intelligenz und jenen von MĂ€dchen eher ihrem grĂ¶ĂŸeren Fleiß zuschreiben.

FrĂŒhes Eingreifen nötig - bevor MĂ€dchen Vertrauen verlieren

Nach Ergebnissen frĂŒherer Studien unterschĂ€tzen LehrkrĂ€fte dem Team zufolge hĂ€ufig die mathematischen FĂ€higkeiten von MĂ€dchen und gehen davon aus, dass Jungen ĂŒber angeborene Talente verfĂŒgen, wĂ€hrend MĂ€dchen nur durch Fleiß und Anstrengung Fortschritte machen. «Diese Annahmen können das Vertrauen der MĂ€dchen in ihre FĂ€higkeit, Mathematik zu lernen, untergraben.»

Interventionen sollten den Forschenden zufolge frĂŒh im Lehrplan ansetzen. Damit könnten MĂ€dchen möglicherweise erreicht werden, bevor sie das Vertrauen in ihre mathematischen FĂ€higkeiten verlieren. 

Eltern beginnen nach Annahmen des Forschungsteams mit dem Schuleintritt möglicherweise, mehr Zeit in die formale Bildung ihrer Kinder zu investieren und ĂŒbertragen dabei auch Geschlechternormen. 

«Die vorliegenden Ergebnisse sollten das gesellschaftliche Bewusstsein dafĂŒr schĂ€rfen, dass geschlechtsspezifische Unterschiede in den mathematischen FĂ€higkeiten vor der Einschulung fehlen und ihr schnelles Auftreten mit dem Start des formalen Mathematikunterrichts beginnt», schreibt das Team. Dies sei Voraussetzung fĂŒr die BemĂŒhungen von Eltern und Lehrern, alle Kinder gleichermaßen zu ermutigen, ihre FĂ€higkeiten in der Schulmathematik auszubauen.

@ dpa.de