Ebola-Ausbruch im Kongo â WHO kĂ€mpft gegen Misstrauen
22.05.2026 - 16:45:34 | dpa.deDer Ebola-Ausbruchs im Ostkongo breitet sich weiter aus. Die Lage sei zutiefst besorgniserregend, schrieb der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, auf X. Es gebe Fortschritte, doch Gewalt und Unsicherheit behinderten die BekĂ€mpfung der Epidemie. Der US-amerikanische Ebola-Patient in der Berliner CharitĂ© ist unterdessen nach Angaben des UniversitĂ€tsklinikums zwar sehr geschwĂ€cht, aber aktuell in stabilem Zustand.Â
Nach WHO-Angaben gibt es fast 750 VerdachtsfĂ€lle und 177 mutmaĂliche TodesfĂ€lle in der Demokratischen Republik Kongo. 82 Infektionen mit dem Ebolavirus, darunter 7 TodesfĂ€lle, wurden im Labor bestĂ€tigt. Die WHO geht davon aus, dass die tatsĂ€chliche Zahl deutlich höher liegt, weil der Ausbruch wochenlang unbemerkt blieb und nicht alle FĂ€lle gemeldet werden. Im Nachbarland Uganda seien bis auf zwei bekannte Infektionen bislang keine weiteren FĂ€lle gemeldet worden, hieĂ es.
Höhere Zahlen könnten ein gutes Zeichen sein
Dass die Zahl der VerdachtsfĂ€lle steigt, sei eher ein gutes Zeichen, erlĂ€uterten WHO-Experten bei einer Pressekonferenz in Genf. Zum einen liege das an einem RĂŒckstau von Proben in den Laboren, die jetzt immer schneller abgearbeitet wĂŒrden. Aber es bedeute auch, dass mehr Menschen mit Krankheitssymptomen sich meldeten und nicht einfach zuhause blieben, wo sie womöglich andere Personen anstecken könnten.Â
Probleme bereitet Medizinern auch die Lage vor Ort. Unsicherheit, Abgeschiedenheit der Region, Misstrauen der Bevölkerung und schwache Infrastruktur machten den Einsatz schwierig, sagte Anne Ancia, WHO-Vertreterin im Kongo. Am Mittwoch hatten wĂŒtende Demonstranten im Ostkongo Klinikzelte in Brand gesetzt, weil Ărzte die Herausgabe des Leichnams eines mutmaĂlichen Ebola-Toten an die Familie verweigert hatten.
In der ostkongolesischen Provinz Ituri, wo die meisten der 750 VerdachtsfĂ€lle gemeldet wurden, wĂŒrden nur gut 1.400 Kontakte verfolgt. «Wir liegen im RĂŒckstand», sagte Ancia. Sie sei jedoch ĂŒberzeugt, KapazitĂ€ten wĂŒrden schnell aufgebaut werden, um aufzuholen.
Ebola-Patient in Charité stark geschwÀcht, aber stabil
Bei dem US-Arzt, der in Berlin behandelt wird, wurde die Bundibugyo-Variante des Ebolavirus, mit einem PCR-Test eindeutig nachgewiesen, wie die CharitĂ© mitteilte. Der Mann zeige deutliche Krankheitssymptome, benötige jedoch derzeit keine intensivmedizinischen MaĂnahmen oder Organersatzverfahren. «Da sich der Verlauf der Erkrankung aber Ă€ndern kann, wird er weiterhin engmaschig ĂŒberwacht und behandelt.»
Die Ehefrau und die vier Kinder des Patienten, die als Hochrisikokontakte eingestuft werden, sind den Angaben nach aktuell symptomfrei und befinden sich in einem getrennten Teil der Station in QuarantĂ€ne. «In einem ersten PCR-Test konnte keine Ebolavirus-Infektion nachgewiesen werden», so die CharitĂ©.Â
Kinder wollten sofort ihren Vater sehen
Der Arzt war in der Nacht zu Mittwoch in der Berliner Charité aufgenommen worden. Ehefrau und Kinder trafen eine Nacht spÀter ein. Hintergrund war ein entsprechendes Hilfeersuchen der US-Behörden.
Ein Foto zeigt zwei Kinder, wie sie durch ein Fenster zu ihrem Vater blicken. Nach der Ankunft wollten die beiden Kinder unmittelbar ihren Vater sehen, erklĂ€rte die CharitĂ©. Um das möglich zu machen, hĂ€tten Ărztinnen und Ărzte eine Bank vor das Isolationszimmer geschoben. GrundsĂ€tzlich laufe die Kommunikation miteinander aber innerhalb der Station ĂŒber Sprechanlagen. Den Bereich, in dem sich der infizierte Ehemann und Vater befinde, dĂŒrften die Familienangehörigen nicht betreten.Â
Spielzimmer fĂŒr die Kinder hergerichtet
Auf der Station besteht der Klinik zufolge die Möglichkeit, von einer Psychologin oder einem Psychologen der Charité betreut zu werden. Ein Patientenzimmer sei möglichst kindgerecht gestaltet und mit Spielzeug ausgestattet worden, damit die Kinder sich beschÀftigen und ablenken könnten.
Seltener Bundibugyo-Typ des Ebolavirus
Der Ebola-Ausbruch begann laut der Gesundheitsbehörde Africa CDC im April im Kongo in der nordöstlichen Provinz Ituri, die an Uganda und den SĂŒdsudan grenzt. Es handelt sich um den insgesamt 17. registrierten Ebola-Ausbruch im Kongo seit 1976. Der Ausbruch des seltenen Bundibugyo-Typs des Ebolavirus, gegen den es weder einen Impfstoff noch eine Therapie gibt, macht die Lage besonders schwierig.
Ebolafieber ist eine ansteckende und lebensbedrohliche Infektionskrankheit. Das Virus wird durch Körperkontakt und Kontakt mit KörperflĂŒssigkeiten ĂŒbertragen. In den Jahren 2014 und 2015 waren bei einer Ebola-Epidemie in Westafrika mehr als 11.000 Menschen gestorben.
