Bericht: Zunehmend Ăngste bei Kindern - gerade bei MĂ€dchen
08.12.2025 - 05:00:17Corona-Pandemie, Klimakrise, Kriege, gesellschaftlicher Druck und ZukunftsĂ€ngste - das alles belastet viele Kinder und Jugendliche. Vor allem MĂ€dchen seien wegen psychischer Probleme oft dauerhaft in Behandlung, heiĂt es im Kinder- und Jugendreport der Krankenkasse DAK, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.Â
Demnach haben 22 von 1.000 DAK-versicherten 5- bis 17-JĂ€hrigen Angststörungen - vor allem soziale Phobien und Panikstörungen. Hochgerechnet entspreche das bundesweit 230.000 Kindern und Jugendlichen. Im Vergleich zu den Daten aus 2019, also vor der Corona-Pandemie, sei das ein Anstieg der Zahlen um 17 Prozent.Â
Vor allem jugendliche MÀdchen leiden unter Angststörungen
Besonders stark sei die Zunahme bei MĂ€dchen im Alter von 15 bis 17 Jahren. Im Jahr 2024 waren 66,5 von 1.000 DAK-versicherten MĂ€dchen wegen einer Angststörung in Behandlung, im Vergleich zu 2019 entspreche das einem Anstieg um 53 Prozent. Bei rechnerisch 16,6 MĂ€dchen davon war die Erkrankung chronisch. Zum Vergleich: 2019 waren 8,1 von 1.000 MĂ€dchen jedes Quartal des Jahres wegen einer Angststörung in Behandlung.Â
Fast alle Zahlen seien nach einem Anstieg bis 2021 seitdem in der HĂ€ufigkeit der Diagnosen auf konstant hohem Niveau, heiĂt es in dem Bericht. FĂŒr die Auswertung hatten Wissenschaftler der UniversitĂ€t Bielefeld DAK-Daten von 800.000 jungen Patienten sowie deren ambulanten und stationĂ€ren Behandlungen analysiert und hochgerechnet. Die DAK gilt als drittgröĂte deutsche Krankenkasse.Â
Fehlende soziale Kontakte und falsche Werte in sozialen Medien
«Die Zahlen des DAK-Kinder- und Jugendreports machen das Erbe der Pandemie sichtbar», wird Christoph Correll, Direktor der Klinik fĂŒr Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters an der Berliner CharitĂ©, in einer DAK-Mitteilung zitiert. «Wir sehen eine langfristige Verfestigung psychischer Störungen bei Kindern und Jugendlichen.»
Aufgrund fehlender soziale Kontakte und Entwicklungsschritte aus der Pandemie-Zeit hĂ€tten sich vor allem MĂ€dchen zurĂŒckgezogen und Ăngste entwickelt. Das habe viele Behandlungen nach sich gezogen. «Zudem sind MĂ€dchen vulnerabler als Jungen fĂŒr soziale Medien, deren Konsum in der Pandemie angestiegen ist», so Correll weiter.Â
Weil sie dort oft Körperbilder sowie GlĂŒcks- und Zufriedenheitsideale sĂ€hen, die nicht erfĂŒllt werden könnten, erhöhe sich das Stresslevel. Das könne die AusprĂ€gung psychischer Erkrankungen fördern und vertiefen.
KinderÀrzte: mehr Hilfe im Alltag der Kinder nötig
«Die Ergebnisse sind besorgniserregend und decken sich mit unseren Erfahrungen in der Praxis», erklĂ€rt Michael Hubmann, PrĂ€sident des Berufsverbands der Kinder- und JugendĂ€rzt*innen (BVKJ). Es sei deshalb wichtig, dass es in Schulen, Kitas und Jugendzentren mehr PrĂ€ventions- und UnterstĂŒtzungsangebote gibt.
Die UnterstĂŒtzung von FachkrĂ€ften wie Schulpsychologen oder Schulsozialarbeitern sei wichtig, sagt auch Quentin GĂ€rtner, Mitorganisator der Kampagne «Uns gehtâs gut» der BundesschĂŒlerkonferenz. «Wir brauchen (...) SchulgebĂ€ude, in denen man sich tatsĂ€chlich wohlfĂŒhlen kann, und Unterricht, der Wohlbefinden als notwendige Voraussetzung fĂŒr Leistung anerkennt.»


