Wale in der Ostsee â zentrale Fragen und Antworten
24.03.2026 - 08:43:35 | dpa.de
Erneut ist ein Wal in der Ostsee gestrandet â diesmal in der LĂŒbecker Bucht vor Niendorf. Wie oft gab es Ă€hnliche FĂ€lle und warum verirren sich die groĂen SĂ€ugetiere immer wieder? Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Welche Walarten leben in der Ostsee?
Nur Schweinswale sind in der Ostsee heimisch, sagt Almut Neumeister, Sprecherin des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund. Schweinswale sind mit etwa zwei Metern LĂ€nge klein im Vergleich zu ihren Verwandten wie Buckel- oder Pottwal und werden hĂ€ufig mit Delfinen verwechselt. In der zentralen Ostsee leben nach Erkenntnissen von Monitorings etwa 200 Schweinswale, in der Beltregion einige Tausend. Ihre Zahl sei aber rĂŒcklĂ€ufig, sie gehörten zu den bedrohten Arten, so Neumeister.
Warum kommen gröĂere Walarten in die Ostsee?
Normalerweise ist die Ostsee nach Angaben der Deutschen Stiftung Meeresschutz keine Heimat fĂŒr groĂe Wale. Der wahrscheinlichste Grund fĂŒr ihr Auftauchen dort sei, dass sie auf der Suche nach Nahrung FischschwĂ€rmen folgen, sagte Neumeister.
Denkbar sei auch, dass UnterwasserlÀrm ihre Orientierung beeintrÀchtige. Gerade junge Wale erkundeten auch gerne ihre Umgebung. Allein 2025 seien mehrere Buckelwale gesichtet worden. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Meeresschutz wurden in den vergangenen Jahrzehnten auch schon Belugas, Narwale und Zwergwale in der Ostsee gesichtet.
Hat das vermehrte Auftreten auch mit einer gröĂeren Population zu tun?
Ja, sagt Almut Neumeister, das sei auch ein Faktor, warum es in den vergangenen Jahren hĂ€ufiger vorgekommen sei, dass groĂe Wale in der Ostsee gesichtet werden. Viele Tiere fĂ€nden aber auch wieder den Weg zurĂŒck in die Nordsee.
Um was fĂŒr eine Walart handelt es sich in Niendorf?
Bei dem jetzt gestrandeten Wal handelt es sich wohl um einen Buckelwal, sagt Sven BiertĂŒmpfel von der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd. Auch das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund teilt diese EinschĂ€tzung. Vermutlich handele es sich um einen jungen Bullen, weil die mĂ€nnlichen Tiere im Gegensatz zu den KĂŒhen auf Wanderschaft sind, so der Experte von Sea Shepherd.
Wie groĂ und schwer werden Buckelwale?
Nach Auskunft des Deutschen Meeresmuseums werden ausgewachsene mĂ€nnliche Buckelwale etwa 15 Meter lang, weibliche Tiere sogar noch etwas gröĂer. Ein ausgewachsenes Tier wiege etwa 35 Tonnen. Einer Ăbersicht der Deutschen Stiftung Meeresschutz zufolge ist der Buckelwal der hĂ€ufigste Besucher in der Ostsee.
Ist dieses Tier schon einmal gesichtet worden?
Offenbar ja. MeeresschĂŒtzer BiertĂŒmpfel geht davon aus, dass es sich bei dem Tier um denselben Wal handelt, der seit MĂ€rz im Hafen von Wismar gesehen wurde. «Wir sind uns ganz sicher, dass es sich um denselben Wal handelt, weil Drohnenaufnahmen Teile des Netzes zeigen, in dem er sich vor Wismar verfangen hatte», sagte er. Anfang MĂ€rz sei der Wal in Wismar aufgetaucht. SpĂ€ter sei der Wal dann in Richtung offenes Meer geschwommen.
Wie können generell gestrandete Wale gerettet werden?
Durch das groĂe Gewicht der SĂ€ugetiere ist es sehr schwierig, Wale von einer Sandbank oder vom flachen Wasser wieder ins tiefere Wasser zu bekommen, damit er schwimmen kann. Aus eigener Kraft kommen sie nicht los. Man könne versuchen, mit Luftkissen zu arbeiten oder mit Seilen, erklĂ€rt Neumeister vom Meeresmuseum. Im aktuellen Fall in Niendorf wollen die MeeresschĂŒtzer von Sea Shepherd versuchen, den Wal mit Schlauchbooten weg vom Strand zu bringen.
Was muss man bei der Rettung berĂŒcksichtigen?
Wale können bei einer Rettungsaktion enorm unter Stress geraten. Deshalb sei es wichtig, dass sich Unbeteiligte nicht zu weit annÀhern, weder aus der Luft mit einer Drohne, noch von Wasser- oder Landseite aus. Die Polizei hat deshalb den Bereich um den Niendorfer Hafen abgesperrt.
Wo wurden in letzter Zeit noch Wale gesichtet?
Anfang Januar schwamm ein groĂer Wal in der Flensburger Förde zwischen dem Hafen und dem dĂ€nischen Kollund. Bei diesem Wal handelte es sich um einen Finnwal, wie Judith Denkinger vom Deutschen Meeresmuseum der Deutschen Presse-Agentur gesagt hatte. Er wurde dem Meeresmuseum demnach am 7. Januar gemeldet.
An der Kerbe an der RĂŒckenfinne habe man ihn gut identifizieren können. Die GröĂe des offenbar jungen Finnwals werde auf acht Meter geschĂ€tzt. Finnwale sind mit einer LĂ€nge von rund 25 Metern die zweitgröĂten Tiere der Erde â nur der Blauwal ist gröĂer.
Warum kam der Finnwal in die Ostsee?
Finnwale sind nach Angaben der Walschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) meist allein oder zu zweit unterwegs. Sie gehören zu den Bartenwalen und ernÀhren sich von Krill, kleinen Fischen und Krustentieren. Der Finnwal sei vermutlich bei der Nahrungssuche in die Beltsee geschwommen, hieà es. Die Wale machten normalerweise eine Wanderung von den arktischen GewÀssern, wo sie sich im Sommer aufhalten, in wÀrmere GewÀsser, um sich fortzupflanzen, sagte Denkinger vom Meeresmuseum.
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