Immunalterung: Vitamin D senkt Autoimmunerkrankungen um 22%
Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 05:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen den Einfluss des Lebensstils auf die sogenannte Immunalterung. Eine Review-Studie (PMC13299945) zeigt auf, dass gezielte Interventionen wie die Supplementierung mit Vitamin D die Inzidenz von Autoimmunerkrankungen um 22 % senken können.
Zudem wird durch eine Kalorienrestriktion eine signifikante Reduktion von EntzĂŒndungsmarkern erreicht: Der Wert des C-reaktiven Proteins (CRP) sank in den Untersuchungen um 40 %, wĂ€hrend der Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-?) um 50 % zurĂŒckging. Als zentrale Modulatoren der Immunfunktion gelten demnach regelmĂ€Ăige Bewegung, eine angepasste ErnĂ€hrung, Stressreduktion sowie Impfungen.
Die Rolle von NĂ€hrstoffen und Supplementierung
Insbesondere fĂŒr Personen ĂŒber 65 Jahren gewinnt die NĂ€hrstoffversorgung im Herbst an Bedeutung. Fachmedien weisen darauf hin, dass in dieser Altersgruppe T-Zellen an Vielfalt verlieren und B-Zellen langsamer Antikörper produzieren, was als Immunosenescence bezeichnet wird.
Um dem entgegenzuwirken, wird fĂŒr Menschen ab 65 Jahren ein Vitamin-D-Zielwert von etwa 50 nmol/l empfohlen, was einer tĂ€glichen Zufuhr von 15 bis 20 mcg entspricht. Weitere Empfehlungen umfassen eine Zink-Untergrenze von 10 mg pro Tag und eine erhöhte EiweiĂzufuhr von 1,2 g pro Kilogramm Körpergewicht, wĂ€hrend fĂŒr jĂŒngere Erwachsene 0,8 g als ausreichend gelten.
Apothekerin Susanne Donate betonte im Rahmen des Eigeltinger Seniorensommers die Relevanz einer ausgewogenen ErnĂ€hrung. Sie empfahl, Mahlzeiten zur HĂ€lfte mit GemĂŒse sowie zu jeweils einem Viertel mit Proteinen und Kohlenhydraten zu gestalten. Als Proteinquellen nannte sie Produkte wie Skyr, Mozzarella oder Kichererbsen. WĂ€hrend Vitamin-D-Mangel weit verbreitet sei, lohne sich die Einnahme von Kollagen-PrĂ€paraten nach ihrer EinschĂ€tzung nicht.
FĂŒr Personen ab 70 Jahren gelten zudem die Vitamine B12, C, E, K2 sowie FolsĂ€ure als essenziell. Ein Mangel an Vitamin B12 könne sich durch MĂŒdigkeit, Kribbeln oder Gleichgewichtsstörungen Ă€uĂern.
Experten der Verbraucherzentrale und der AOK raten jedoch dazu, vor einer Supplementierung Ă€rztliche Beratung einzuholen. Die Kosten fĂŒr entsprechende Tests variieren: Ein einfacher Vitamin-D-Check liegt zwischen 20 und 35 Euro, wĂ€hrend umfassende Pakete bis zu 400 Euro kosten können.
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Molekulare Ursachen und individuelle Alterungsprozesse
Die Forschung liefert neue Erkenntnisse ĂŒber die Mechanismen der Immunantwort. Wissenschaftler der UniversitĂ€tsmedizin Halle identifizierten in einer Publikation vom 19. August 2026 das Hautprotein PKP1 als eine Art Immunbremse.
Das Protein bindet RNA-Helikasen und drosselt so EntzĂŒndungsreaktionen in Keratinozyten. Fehlt PKP1, reagieren die Zellen deutlich stĂ€rker auf UV-Strahlung oder virale Reize. Eine konkrete Therapie wurde daraus bislang noch nicht abgeleitet.
Dass das Altern molekular höchst individuell verlĂ€uft, belegt eine Studie des Kingâs College London an der TwinsUK-Kohorte. Ăber einen Zeitraum von median sechs Jahren verĂ€nderten sich bei den untersuchten Probandinnen mehr als 5.000 Gene und 181 Metabolite. Dabei sank unter anderem die AktivitĂ€t des Tumorsuppressors TP53. Ein extremes Beispiel fĂŒr die Diskrepanz zwischen biologischem und chronologischem Alter liefert eine Untersuchung an einer 117-jĂ€hrig verstorbenen Frau. Trotz extrem kurzer Telomere lag ihr biologisches Alter laut epigenetischen Uhren mehr als 23 Jahre unter ihrem tatsĂ€chlichen Alter.
PrĂ€ventive MaĂnahmen und externe Risikofaktoren
Neben der ErnĂ€hrung spielt die körperliche AktivitĂ€t eine entscheidende Rolle. Eine Studie der Mount Sinai School of Medicine, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Nature, benennt die klonale HĂ€matopoese als unabhĂ€ngigen Risikofaktor fĂŒr Herzkrankheiten.
Dieser Zustand tritt bei 25 % der ĂŒber 70-JĂ€hrigen und der HĂ€lfte der ĂŒber 80-JĂ€hrigen auf und begĂŒnstigt Arteriosklerose. Um dem entgegenzuwirken, werden 150 Minuten Bewegung pro Woche empfohlen.
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ZusĂ€tzliche UnterstĂŒtzung fĂŒr das Immunsystem verspricht die Forschung zum Knoblauch-Inhaltsstoff Allicin. Eine Meta-Analyse vom April 2024 deutet darauf hin, dass Knoblauchextrakt bei metabolischem Syndrom Cholesterin, Blutdruck und EntzĂŒndungswerte wie IL-6 senken kann. In einer Maus-Studie vom Januar 2026 verlĂ€ngerte die Gabe von Diallylsulfid (DAS) die Lebensdauer um 11,4 %.
Umweltfaktoren wie Feinstaub (PM2,5) können die KrankheitsaktivitÀt bei Rheuma-Patienten steigern, wie Forscher der Seoul National University beobachteten. Der Effekt war bei Frauen und Nichtrauchern besonders ausgeprÀgt.
Zudem bleibt die Blutdruckeinstellung im Alter kritisch. WÀhrend die Deutsche Hochdruckliga einen systolischen Wert von unter 130 mmHg empfiehlt, zeigen Daten der STEP-Studie, dass Zielwerte zwischen 110 und 130 mmHg die GesamtmortalitÀt bei 60- bis 80-JÀhrigen senken können.
Zum Welt-Sepsis-Tag am 13. September macht die Sepsis-Stiftung zudem auf die hohe Sterblichkeit in Deutschland aufmerksam. Mit mindestens 140.000 TodesfĂ€llen pro Jahr liegt die MortalitĂ€tsentwicklung in Deutschland deutlich hinter LĂ€ndern wie Norwegen oder Finnland zurĂŒck. Neue Projekte der UniversitĂ€t Leipzig setzen auf KI-gestĂŒtzte Risikoanalysen aus dem Blutbild, um die FrĂŒherkennung zu verbessern.
