Impf-Tracking: Indisches Portal erfasst 225.000 ungeimpfte Kinder
Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 01:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Gesundheitsbehörden weltweit setzen zunehmend auf digitale Plattformen, um Impfkampagnen zu steuern und Krankheitsausbrüche zu überwachen. Von Open-Source-Software für die Kontaktverfolgung bis hin zu zentralisierten Impfportalen – die jüngsten Implementierungen in Asien und dem Nahen Osten zeigen einen klaren Trend zur Echtzeit-Datenerfassung auf Einrichtungsebene.
Indien: Portal erfasst ungeimpfte Kinder
Die WHO hat in Indien mit TrackVac ein digitales Portal entwickelt, das ungeimpfte Kinder in 143 Bezirken erfasst. Das System erstreckt sich über elf Bundesstaaten und konzentriert sich auf die sogenannten „Null-Dosis-Kinder“ – also Kinder, die noch keine einzige Impfung erhalten haben.
Die Auswertung für 2025 zeigt: 224.698 Kinder wurden über die Plattform erfasst. 53 Prozent von ihnen wurden anschließend geimpft, 58 Prozent davon innerhalb von 60 Tagen. Besonders bemerkenswert: Ein Drittel der zuvor völlig ungeimpften Kinder erhielt seine erste DPT-Impfung durch die Initiative.
Die Daten der Gesundheitshelfer machten 85 Prozent der erfassten Kinder aus. Doch die Nachverfolgung bleibt schwierig: In 39 Prozent der Fälle verweigerten Familien die Impfung, 34 Prozent der Kinder waren aufgrund von Migration nicht erreichbar.
Bangladesch: Digitale Integration im Masern-Notfall
Bangladesch erlebte zu Beginn des Jahres einen schweren Masernausbruch. Bis zum 18. April 2026 waren 58 der 64 Distrikte betroffen – mit 22.400 Verdachtsfällen und 178 Todesfällen.
Das Gesundheitsministerium reagierte schnell: Am 5. April startete eine Notimpfkampagne für Kinder zwischen sechs Monaten und fünf Jahren. Bereits Mitte April waren 1.492.000 Kinder in 30 Verwaltungseinheiten geimpft, bevor die Kampagne am 20. April landesweit ausgeweitet wurde.
Grundlage dieser schnellen Reaktion ist ein langjähriges digitales Gesundheitsprojekt. Seit Ende 2022 integriert die WHO das Frühwarnsystem EWARS mit der Gesundheitssoftware DHIS2. Über eine API haben Regierungsexperten kontinuierlich Zugriff auf Daten zu 19 Gesundheitsbedrohungen – etwa in der Region Cox's Bazar.
Open Source für die Seuchenbekämpfung
Die Anwendung Go.Data hat sich zu einem zentralen Werkzeug bei Ausbruchsuntersuchungen entwickelt. Seit April 2024 als Open-Source-Tool verfügbar, unterstützt die von WHO und GOARN entwickelte Software die strukturierte Datenerfassung und Kontaktverfolgung.
Die zunehmende Digitalisierung im Gesundheitswesen erfordert eine lückenlose Dokumentation aller Verarbeitungstätigkeiten nach Art. 30 DSGVO. Mit dieser kostenlosen Excel-Vorlage und Anleitung erstellen Sie Ihr Verarbeitungsverzeichnis zeitsparend und rechtssicher. DSGVO-Muster-Vorlage jetzt gratis herunterladen
In Cox's Bazar führte die Einführung von Go.Data Ende 2019 zu einem drastischen Rückgang der Diphtherie-Todesfälle: Von 30 Toten im Jahr 2017 auf null in den Jahren 2024 und 2025. Die Fallregistrierung und Nachverfolgung von Kontaktpersonen dauert nun maximal 24 Stunden.
Auch andere Länder setzen auf die Technologie:
- Vanuatu nutzt Go.Data seit Januar 2022, integriert mit DHIS2 und offline-fähig für Außenteams.
- Irak hat DHIS2 in 1.877 Gesundheitseinrichtungen eingeführt. Die Impfberichterstattung erfolgt nun zu 100 Prozent auf Einrichtungsebene – unterstützt von über 3.000 geschulten Mitarbeitern.
- Brasilien und Chile nutzten die Plattform zur Bekämpfung von Mpox-Ausbrüchen nach der internationalen Gesundheitsnotlage im August 2024.
Deutsche Herausforderungen: Infrastruktur und Datenschutz
Auch Deutschland setzt auf digitale Impfkampagnen. Am 12. Mai 2026 wurden mit über 1,35 Millionen Dosen an einem einzigen Tag ein Rekordwert erreicht. Doch es gibt Engpässe: Im Impfzentrum Wiesbaden etwa bremst die obligatorische ärztliche Beratung von bis zu 15 Minuten die acht geplanten Impfstraßen aus.
Die Datensicherheit bleibt eine kritische Frage. Der Chaos Computer Club und die FH Münster deckten Schwachstellen im deutschen Gesundheitsdatennetz auf – etwa im eAV-System und in verschiedenen Terminportalen. Die Lücken wurden inzwischen geschlossen, doch der Vorfall zeigt die Risiken bei der Verwaltung von Millionen Patientendaten.
Wo viele sensible Patientendaten digital verarbeitet werden, steigen auch die Anforderungen an die IT-Sicherheit und den Schutz vor Cyberangriffen. Erfahren Sie im kostenlosen E-Book, wie Sie Sicherheitslücken proaktiv schließen und aktuelle gesetzliche Anforderungen erfüllen. Gratis Cyber-Security-Report für Unternehmen sichern
Für den 27. Dezember 2026 plant die Bundesregierung den Start einer priorisierten Impfkampagne – vorbehaltlich der EMA-Entscheidungen Ende Dezember. Bis Ende März 2027 sollen rund 11 bis 12 Millionen Dosen an 27 Standorte verteilt werden.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.
