Impfreaktionen: Pflanzliche Ernährung lindert Fieber, Antikörper bleiben gleich
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 10:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die individuelle Reaktion des menschlichen Körpers auf Schutzimpfungen variiert erheblich. Während manche Personen nach einer Verabreichung kaum Symptome verspüren, entwickeln andere kurzzeitig deutliche systemische Effekte wie Fieber.
Eine in der Fachzeitschrift Science erschienene Untersuchung eines Forschungsteams um Kelsey Huus und Ruth Ley vom Max-Planck-Institut für Biologie Tübingen sowie der University of Ottawa liefert detaillierte Einblicke in die biologischen Ursachen dieser Unterschiede.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Zusammensetzung der Darmflora und die Ernährungsgewohnheiten eine entscheidende Rolle für die Stärke akuter Impfreaktionen spielen.
Bakterielle Motilität und Entzündungsbereitschaft im Fokus
Im Rahmen der sogenannten µHEAT-Studie untersuchten die Wissenschaftler 171 gesunde Erwachsene im Alter von 18 bis 40 Jahren, die in den Jahren 2021 und 2022 eine dritte Dosis des mRNA-Impfstoffs von Biontech gegen SARS-CoV-2 erhielten. Die Teilnehmenden erfassten eine Woche vor sowie eine Woche nach der Injektion dreimal täglich ihre Körpertemperatur. Zudem stellten sie Blut- und Stuhlproben bereit und führten Ernährungsprotokolle.
Dabei zeigte sich, dass Personen mit einem Temperaturanstieg von mindestens 0,8 °C nach der Impfung bereits im Vorfeld eine spezifische mikrobiologische Ausgangslage aufwiesen. In ihren Stuhlproben fand sich eine erhöhte Aktivität bakterieller Motilitätsgene, sogenannter Flagelline.
Diese Individuen wiesen vermehrt flagellierte Bakterien auf, darunter Vertreter der Familie Lachnospiraceae sowie der Gattung Waltera, was mit einer leichten Darmentzündung vor der eigentlichen Impfung einherging.
Wer sich mit dem Einfluss von stillen Entzündungen im Körper befasst, sollte die Signale seines Organismus richtig deuten können. Dieser kostenlose Selbsttest verrät, ob Ihr Körper heimlich unter Entzündungen leidet und wie Sie mit der richtigen Ernährung gezielt gegensteuern können. 12 natürliche Entzündungs-Killer jetzt entdecken
In einem separaten Wiederholungsversuch mit 1.014 Erwachsenen in Kanada ließen sich diese Beobachtungen bestätigen. Zusätzliche Experimente an Tieren untermauerten den Kausalzusammenhang: Wurde der Stuhl von Personen mit starker Fieberreaktion auf zuvor keimfreie Mäuse übertragen, entwickelten auch diese Tiere nach einer Impfung häufiger und intensiver Fieber. Die dabei beobachtete stärkere Entzündung hing teilweise von der molekularen Flagellin-Erkennung über die Signalwege TLR5 und NLRC4 ab.
Der Einfluss pflanzlicher Ernährung auf die Immunantwort
Die Analysen der Ernährungsprotokolle ergaben deutliche Verbindungen zwischen den Ernährungsgewohnheiten und dem Auftreten von Nebenwirkungen. Eine pflanzliche Ernährungsweise war mit schwächeren Fieberreaktionen assoassiiert. Vegetarier und Veganer waren seltener von starken Temperaturanstiegen betroffen als Personen mit Mischkost.
Entscheidend für den medizinischen Schutz war jedoch, dass die Antikörperbildung durch diese Unterschiede unbeeinflusst blieb; die Probanden bauten unabhängig von ihrer Ernährungsform ein vergleichbar starkes Antikörperniveau auf.
Gleichzeitig wiesen die Experimente darauf hin, dass bestimmte Ernährungsbestandteile Entzündungsprozesse fördern können. Hochverarbeitete Lebensmittel steigerten die entzündliche Aktivität, während bestimmte Lebensmittelzusätze in In-vitro-Versuchen die bakterielle Produktion von Flagellin erhöhten. Bei Mäusen verstärkte eine fettreiche westliche Ernährung die Entzündungsreaktion nach der Impfung zusätzlich.
Gelenkschmerzen, Blutzuckerspitzen und ständige Müdigkeit hängen oft enger mit der Ernährung zusammen, als viele vermuten. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Ratgeber, welche Lebensmittel aus dem Supermarkt wie natürliche Schmerzmittel wirken und Ihre Vitalität steigern. Kostenlosen Ratgeber zur antientzündlichen Ernährung anfordern
Perspektiven für gezielte Interventionen
In einer begleitenden Stellungnahme betonte Bali Pulendran von der Stanford University, der nicht an der Untersuchung beteiligt war, dass derartige Immunreaktionen stets kontextabhängig seien.
Die neuen Erkenntnisse eröffneten jedoch die Möglichkeit, das Darmmikrobiom und die Ernährung künftig im Vorfeld von Impfungen gezielt zu modulieren, um Beschwerden zu verringern, ohne die schützende Wirkung der Vakzine zu schmälern.
Die Arbeit unterstreicht somit die enge Wechselwirkung zwischen mikrobieller Darmbesiedlung, Nahrungsaufnahme und der kurzfristigen Reaktivität des menschlichen Immunsystems.
