Kinder-Impfquoten in EU sinken â Deutschland betroffen
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 02:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSEine Studie sieht bei Kinderimpfungen in vielen EU-LĂ€ndern zuletzt ĂŒberwiegend stagnierende oder rĂŒcklĂ€ufige Trends. Auch Deutschland ist demnach betroffen.
EU-weit mehr RĂŒckgĂ€nge als Fortschritte
Das Expertenteam wertete WHO- und Unicef-Daten von 1980 bis 2024 aus und betrachtete sieben routinemĂ€Ăige Impfungen oder Impfserien. Nach den Ergebnissen zeigten 16 von 27 EU-LĂ€ndern zuletzt bei mindestens vier der sieben Indikatoren RĂŒckgĂ€nge.
FĂŒr Deutschland beschreibt die Analyse rĂŒcklĂ€ufige Entwicklungen bei fĂŒnf der sieben Impfungen. Nur bei Hepatitis B und der ersten Masern-Impfung zeigten die Daten noch leicht steigende Trends.
Besonders betroffen sind einzelne Schutzimpfungen
Am deutlichsten fielen die RĂŒckgĂ€nge bei Hib- und Polio-Impfungen aus. In jeweils 20 EU-LĂ€ndern wurden hier zuletzt sinkende Trends beobachtet. Auch bei Hepatitis B, DTP-3 und Pneumokokken meldet die Studie in vielen Staaten nachlassende Entwicklungstendenzen.
95-Prozent-Marke nur selten erreicht
Luxemburg und Portugal erreichten bei allen sieben Indikatoren eine Durchimpfungsrate von mindestens 95 Prozent. In Deutschland lag dieser Wert 2024 bei fĂŒnf Indikatoren darunter. Die Forschenden warnen, dass unterhalb solcher Schwellen vermeidbare Krankheiten wieder leichter zirkulieren und lokale AusbrĂŒche entstehen können.
Einordnung
Die Studie ordnet einen Trend ein, der ĂŒber die Pandemie hinausreicht: Nach Jahren steigender Kinder-Impfquoten zeigen viele EU-Staaten zuletzt Stagnation oder RĂŒckgĂ€nge. Besonders relevant ist, dass die Forschenden nicht nur einzelne LĂ€nder, sondern mehrere Standardimpfungen ĂŒber einen langen Zeitraum verglichen haben. Dadurch wird sichtbar, dass es sich nicht um ein lokales AusreiĂerphĂ€nomen handelt, sondern um eine breitere Entwicklung in Europa.
FĂŒr Deutschland ist der Befund politisch und gesundheitlich bedeutsam, weil die Bundesrepublik laut Analyse bei fĂŒnf von sieben untersuchten Impfungen zuletzt unter der oft als Zielmarke genutzten 95-Prozent-Schwelle lag. Das erhöht das Risiko von VersorgungslĂŒcken und regionalen AusbrĂŒchen, auch wenn die nationalen Werte auf den ersten Blick noch vergleichsweise stabil wirken können. Gerade bei Kinderkrankheiten entscheidet nicht nur der Durchschnitt, sondern auch die Verteilung innerhalb einzelner Regionen und Bevölkerungsgruppen.
Die mögliche Ursache liegt nach der Studie unter anderem in verĂ€nderten Vertrauenslagen und Fehlinformationen. Das passt zu einem gröĂeren europĂ€ischen Muster, in dem Gesundheitsbehörden seit Jahren versuchen, Impfskepsis, Nachholbedarf nach der Pandemie und organisatorische HĂŒrden zugleich zu adressieren. FĂŒr Leser ist der Befund vor allem deshalb relevant, weil er den Blick von der individuellen Impfentscheidung auf die kollektive Schutzwirkung lenkt: Sinkt sie, werden Krankheiten wie Masern, Polio oder Keuchhusten wieder leichter zum Risiko fĂŒr besonders verletzliche Gruppen.
