RSV-Schutz fĂŒr Babys auf Kassenkosten
17.09.2024 - 18:27:04Ein empfohlener Schutz fĂŒr Babys gegen Atemwegserkrankungen mit dem Erreger RSV ist kĂŒnftig auf Kassenkosten möglich. Das teilte der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) nach getroffenen Regelungen zur Abrechenbarkeit der Leistung fĂŒr die Ărztinnen und Ărzte mit. Allerdings fehlt es nach Medizinerangaben noch an Impfstoff.
Eine Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums legt seit Samstag einen Anspruch auf eine einmalige Immunisierung mit dem Antikörper-Wirkstoff Nirsevimab fĂŒr Neugeborene und SĂ€uglinge vor der Vollendung des ersten Lebensjahres fest - und zwar unabhĂ€ngig von Risikofaktoren. Sie greift eine entsprechende Empfehlung der StĂ€ndigen Impfkommission (Stiko) von Ende Juni auf.
Nicht genug Zeit fĂŒr umfassenden Schutz
Das Produkt werde erst ab 11. Oktober im gröĂeren Umfang zur VerfĂŒgung stehen, sagte der Sprecher des Berufsverbandes der Kinder und JugendĂ€rzte, Jakob Maske, auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. «Wenn wir erst ab Mitte Oktober impfen, reicht die Zeit nicht, um alle Kinder rechtzeitig zu erreichen», mahnte er. «Zudem ist die VergĂŒtung von 8,95 Euro fĂŒr die Gabe einer Impfung sehr gering», ergĂ€nzte der Mediziner. «Das ist so wenig, dass sich keine Sonderimpfstunden lohnen werden.»
Bislang gebe es schon gewisse Importe von Nirsevimab aus europĂ€ischen LĂ€ndern etwa fĂŒr besonders gefĂ€hrdete SĂ€uglinge, «die aber offenbar erheblich mehr Geld kosten und daher nicht in der FlĂ€che angewendet werden können», sagte Maske.Â
Nirsevimab darf auch dann in Deutschland verwendet werden, wenn die Beschriftung der Verpackung ausschlieĂlich auf Französisch oder Spanisch ist. Die Produkte seien pharmazeutisch identisch, erklĂ€rte das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das Bundesinstitut fĂŒr Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, kĂŒrzlich. Um der Nachfrage nachzukommen, dĂŒrfe der Hersteller Sanofi Winthrop Industrie im September und Oktober Packungen des Arzneimittels aus Frankreich und Spanien in Deutschland auf den Markt bringen.
Viele SĂ€uglinge von RSV-Infekten betroffen
Eine Infektion mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) ist bei Babys eine hĂ€ufige Ursache von Erkrankungen der unteren Atemwege. JĂ€hrlich kommen nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) etwa 25.000 SĂ€uglinge deshalb ins Krankenhaus. Rund 200.000 SĂ€uglinge mit RSV werden ambulant behandelt. Das Virus wird ĂŒber Tröpfchen ĂŒbertragen.
Der Sprecher des GKV-Spitzenverbands, Florian Lanz, sagte der dpa, es sei der Selbstverwaltung des Gesundheitswesens gelungen, in kĂŒrzester Zeit und rechtzeitig vor der ErkĂ€ltungssaison eine Lösung zum Schutz der Kleinsten zu finden. «Wir tragen so dazu bei, Neugeborene und SĂ€uglinge vor einer schweren RSV-Erkrankung zu schĂŒtzen und ein erhöhtes Versorgungsaufkommen in Arztpraxen und Krankenhausstationen zu vermeiden.»
Empfohlene ZeitrĂ€ume fĂŒr Immunisierung
Babys, die zwischen April und September geboren werden, sollten Nirsevimab möglichst vor Beginn ihrer ersten RSV-Saison erhalten, erlÀuterte das Ministerium - also idealerweise von September bis November. Babys, die von Oktober bis MÀrz zur Welt kommen, sollten es möglichst bald nach der Geburt bekommen - am besten noch in der Geburtseinrichtung oder spÀtestens innerhalb der ersten Lebenswoche.
Spritze soll schwere VerlÀufe verhindern
Wie das Ministerium im Entwurf erlĂ€utert, sollen mit dem umfassenden Anspruch auf RSV-Schutz schwere KrankheitsverlĂ€ufe, Behandlungen auf der Intensivstation und auch TodesfĂ€lle bei Neugeborenen und SĂ€uglingen verhindert werden. Zugleich sollen EngpĂ€sse und Ăberlastungen in Kinderarztpraxen und Kliniken vermieden werden, die es zuletzt bei RSV-Wellen gegeben hatte.Â
Husten, Niesen und Fieber
Bei Kindern zeigt sich eine RSV-Infektion meist zuerst durch eine laufende Nase und fehlenden Appetit. Der Rachen kann entzĂŒndet sein. «Husten und Niesen folgen, und hĂ€ufig tritt Fieber auf», schreibt die Bundeszentrale fĂŒr gesundheitliche AufklĂ€rung auf ihrer Webseite. In der Folge seien Bronchitis und LungenentzĂŒndung möglich. Bei schwerem Verlauf könne eine kĂŒnstliche Beatmung nötig sein.


