Infostealer, Milliarden

Infostealer: 24 Milliarden DatensÀtze in öffentlicher Datenbank

18.06.2026 - 00:14:39 | boerse-global.de

Kaspersky-Studie zeigt: 35 Prozent aller Infostealer-Infektionen starten in temporÀren Ordnern. Nutzerverhalten ist Hauptrisikofaktor.

Infostealer-Gefahr: Nutzerfehler als Hauptursache fĂŒr Datenklau
Infostealer - A stylized digital lock icon with data streams, representing cybersecurity threats and data breaches. Dark, tech-heavy background. 18.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Millionen von Computern sind durch riskantes User-Verhalten gefĂ€hrdet. Eine neue Analyse zeigt, dass die meisten Infostealer-Infektionen auf eigene Fehler zurĂŒckgehen.

Eine aktuelle Untersuchung des Sicherheitsunternehmens Kaspersky hat erschreckende Details zutage gefördert: Das Nutzerverhalten ist der Hauptauslöser fĂŒr die Verbreitung von Datendiebstahl-Schadsoftware. Die am 17. Juni 2026 veröffentlichte Studie zeigt, dass ein erheblicher Teil der SicherheitsvorfĂ€lle darauf zurĂŒckzufĂŒhren ist, dass Anwender Dateien in bestimmten Systemverzeichnissen ausfĂŒhren – meist beim Versuch, inoffizielle Software oder Modifikationen zu installieren.

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Hauptinfektionswege im Fokus

Die Kaspersky-Studie „Digital Footprint Intelligence" wertete fĂŒnf Millionen Log-Dateien aus dem Darknet aus, die im Laufe des Jahres 2025 gesammelt wurden. Das Ergebnis: 35 Prozent aller Infostealer-Infektionen begannen mit der AusfĂŒhrung von Dateien in temporĂ€ren Ordnern. Weitere 32 Prozent der FĂ€lle betrafen Prozess-Injektionen im .NET-Framework-Verzeichnis.

Laut Sergey Shcherbel von Kaspersky stiegen die Infostealer-Infektionen 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 59 Prozent. Die Forschung identifiziert mehrere risikoreiche Verhaltensweisen, die diese Angriffe begĂŒnstigen: das Herunterladen von Software aus inoffiziellen Quellen, die Nutzung illegaler Aktivierungstools und die Installation von Spiel-Modifikationen. In einigen FĂ€llen deaktivierten Nutzer sogar ihre Antivirensoftware, um diese Installationen abzuschließen – und öffneten damit der Malware TĂŒr und Tor.

Zu den prominentesten Schadenssoftware-Familien zĂ€hlen Lumma, Vidar, Stealc und RisePro. Diese Programme tarnen sich hĂ€ufig als legitime Installationsprogramme oder Aktivierungstools. Eine besondere Warnung sprach Kaspersky zudem fĂŒr bösartige Software aus, die ĂŒber Anime-Wallpaper im Steam Workshop verbreitet wurde.

Datenlecks in gigantischem Ausmaß

Die Folgen dieser Infektionen werden durch massive Datenexpositionen immer sichtbarer. Am 12. Juni 2026 entdeckten Forscher von Cybernews eine öffentlich zugĂ€ngliche Elasticsearch-Datenbank mit 24 Milliarden gestohlenen DatensĂ€tzen – insgesamt 8,3 Terabyte an Daten. Der Bestand enthielt Benutzernamen, E-Mail-Adressen, Klartext-Passwörter und Login-URLs.

Die Untersuchung der Datenquelle ergab, dass sie aus 36 verschiedenen KanĂ€len stammt, darunter Telegram-Hacking-Gruppen und direkt von Infostealern wie RedLine gesammelte Logs. Der Server wurde inzwischen offline genommen, doch die Exposition stellt ein erhebliches Risiko fĂŒr Credential-Stuffing-Angriffe dar.

In einem weiteren Vorfall am 15. Juni 2026 fĂŒgte der Benachrichtigungsdienst „Have I Been Pwned" 124 Millionen Passwörter und 56,3 Millionen E-Mail-Adressen zu seiner Datenbank hinzu. Diese DatensĂ€tze stammen ausschließlich aus Infostealer-Logs von infizierten Windows-GerĂ€ten – nicht aus traditionellen Unternehmensdatenlecks.

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Immer raffiniertere Verteilungsmethoden

Cyberkriminelle setzen zunehmend ausgefeilte Methoden ein, um Infostealer auf Zielsysteme zu bringen. Am 17. Juni 2026 berichteten Sicherheitsforscher von einem Supply-Chain-Angriff mit 141 kompromittierten npm-Paketen der Marke Mastra. Ein als „ehindero" identifizierter Angreifer hatte offenbar eine AbhĂ€ngigkeit injiziert, die nach der Installation einen plattformĂŒbergreifenden Infostealer herunterlud. Die Malware zielte auf 166 verschiedene KryptowĂ€hrungs-Wallet-Erweiterungen, BrowserverlĂ€ufe und Systemdaten ab.

Eine weitere Kampagne namens ClickFix, die seit April 2026 beobachtet wird, nutzt eine technique namens EtherHiding. Dabei werden kompromittierte WordPress-Seiten verwendet, um gefĂ€lschte CAPTCHA-Overlays anzuzeigen. Wenn Nutzer die aufgeforderten Tastenkombinationen ausfĂŒhren, fĂŒhren sie unwissentlich Befehle aus, die GULoader in den Systemspeicher laden. Dieser Loader dient dann als Einfallstor fĂŒr verschiedene Infostealer und Remote-Access-Trojaner.

Forscher von Fortra berichteten am 16. Juni 2026 zudem ĂŒber den Phantom Stealer, ein Malware-as-a-Service-Angebot. Dieser dateilose SchĂ€dling, der auf Finanzinstitute und hochwertige Organisationen abzielt, operiert vollstĂ€ndig im RAM des Systems, um der Erkennung zu entgehen. FrĂŒhere Versionen dieser Kampagne zwischen Ende 2025 und Anfang 2026 konzentrierten sich auf europĂ€ische Unternehmen der Logistik- und Fertigungsbranche.

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