Ingwersh Nur 18 Prozent Ingwersaft – der Rest ist meist Fruchtsaft
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 19:25 Uhr | Redaktion boerse-global.deKommerzielle Gesundheitsdrinks erfreuen sich wachsender Beliebtheit, stehen jedoch zunehmend im Fokus kritischer Betrachtungen. Laut einem Bericht vom 02.11.2026 betonte Sophie Ickler von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, dass der gesundheitliche Mehrwert solcher Produkte oft zweifelhaft sei.
Die angebotenen Drinks stellen demnach keinen Ersatz für eine ausgewogene Ernährung dar. Verbraucherschützer weisen darauf hin, dass viele der beworbenen Effekte wissenschaftlich nicht belegt sind und die Produkte häufig unerwünschte Inhaltsstoffe mitbringen.
Ingwershots und Joghurtdrinks im Fokus
Besonders sogenannte Ingwershots werden oft als konzentrierte Immun-Booster vermarktet. Nach Angaben der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz enthalten diese Produkte im Durchschnitt jedoch lediglich 18 Prozent Ingwersaft.
Der überwiegende Rest besteht aus herkömmlichem Apfel- oder Orangensaft. Neben dem geringen Anteil an der namengebenden Zutat fallen die kleinen Fläschchen durch vergleichsweise hohe Preise sowie erhebliche Mengen an Verpackungsmüll auf.
Ähnlich ernüchternd fällt die Bilanz bei angereicherten Joghurtdrinks aus. Diese enthalten zwar häufig zugesetzte Vitamine wie B6, D und C sowie Calcium, weisen daneben jedoch große Mengen an Zucker, Süßstoffen und Aromen auf.
Verbraucherschützer kritisieren in diesem Zusammenhang die rechtliche Lage: Gesundheitsbezogene Angaben sind derzeit für alle Lebensmittel zulässig, völlig unabhängig von deren tatsächlichem Gehalt an Zucker, Salz oder Fett. Auch Multivitaminprodukte böten keinen Ausgleich für eine einseitige Kost, da ihnen im Vergleich zu vollwertigen Lebensmitteln wichtige Ballaststoffe fehlen.
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Fehlende Definitionen und teure Zusätze
Die Intransparenz betrifft auch den Markt der sogenannten funktionalen Getränke. Wie eine Untersuchung der spanischen Verbraucherorganisation Consumer ergab, existiert für diese Produktkategorie bislang keine einheitliche rechtliche Definition.
Für beworbene Inhaltsstoffe wie Hyaluronsäure im Getränk Yuzz oder 3,3 Gramm Kollagen pro Dose bei der Marke Alldeynn gibt es keine zugelassenen europäischen Gesundheitsaussagen. Die ausgelobten Effekte beruhen stattdessen meist auf zugesetztem Vitamin C oder Niacin (Vitamin B3).
Dabei zahlen Konsumenten erhebliche Aufschläge. Eine Dose Yuzz mit 39,6 Milligramm Vitamin C schlägt laut Consumer mit 1,65 Euro zu Buche, während eine frische Orange mit rund 75 Milligramm Vitamin C etwa 0,40 Euro kostet.
Mit Literpreisen zwischen 4,58 Euro und 8,80 Euro liegen funktionale Getränkemarken deutlich über Limonaden wie Coca-Cola Zero mit 2,88 Euro oder Sportgetränken wie Isostar mit 3,50 Euro je Liter.
Fragwürdige Wirkungsbelege
Auch bei probiotischen Drinks klaffen Werbeversprechen und Realität auseinander. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bewertete sämtliche geprüften Probiotika-Claims negativ.
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Der Begriff probiotisch stellt demnach keine zugelassene Gesundheitsangabe dar; lediglich für drei spezifische Stämme von Milchsäurebakterien ist die Aussage erlaubt, dass sie die Laktoseverdauung fördern. Laut einer Übersichtsarbeit bringen Probiotika zudem keinen relevanten Gewichtsverlust, da der Unterschied zu einem Placebo über sechs Monate hinweg unter einem Kilogramm lag.
Fachleute verweisen darauf, dass rund 70 Prozent der Immunzellen im Darm angesiedelt sind, für deren Unterstützung jedoch der regelmäßige Verzehr kleiner Portionen fermentierter Lebensmittel und etwa 30 verschiedener Pflanzen pro Woche vollkommen ausreiche.
Wissenschaftler mahnen zudem zur Vorsicht bei isolierten Nährstoffen. Martin Bergö, Professor für Molekulare Medizin am Karolinska Institutet, erklärte, dass für viele große Heilsversprechen verlässliche Belege fehlen.
In klinischen Studien mit Zehntausenden Teilnehmern hätten einige hochdosierte Antioxidantien-Supplemente sogar das Krebsrisiko gesteigert. Für den Schutz der Gesundheit raten Konsumentenschützer daher durchgehend zu einer vollwertigen Ernährung anstelle teurer Fertigdrinks.
