Insektenzucht, PNAS-Studie

Insektenzucht: PNAS-Studie belegt 4,2 Mio. Tonnen Proteinpotenzial

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 12:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine PNAS-Modellrechnung sieht großes Potenzial in Insektenprotein aus Tierdung, während der deutsche Markt für Lebensmittel stagniert.

PNAS-Studie zeigt Potenzial der Insektenzucht als Tierfutter
Nahaufnahme von organischen Substraten in einer landwirtschaftlichen Forschungsanlage zur Zucht von Insektenbiomasse. Illustration mit AI erstellt.

Die Verwertung von Reststoffen zur Zucht von Insekten gilt in der Agrarforschung als ein Hebel, um drängende Ressourcen- und Klimaprobleme der Landwirtschaft zu verringern.

Während der Markt für Insekten als Nahrungsmittel für Menschen in Europa stagniert, verdeutlichen aktuelle Modellrechnungen das ökologische und ökonomische Potenzial der Insektenbiomasse im Bereich der Tierfütterung. Eine Untersuchung im Fachjournal PNAS zeigt, welche Effekte eine großflächige Aufzucht auf Tierdung entfalten könnte.

Ökologisches Potenzial und ökonomischer Ertrag laut PNAS-Studie

Einer im Fachjournal PNAS veröffentlichten Studie zufolge könnte die Insektenzucht auf Basis von tierischen Ausscheidungen jährlich weltweit 4,2 Millionen Tonnen tierisches Protein erzeugen.

Durch diesen Ansatz ließen sich rund 45 Millionen Hektar Agrarfläche freisetzen sowie 8 Prozent der derzeitigen Futtermittelproduktion ersetzen. Indem die Insekten als Proteinquelle für Nutztiere dienen, wird der weltweite Bedarf an klassischem Futter und Stickstoffdünger spürbar verringert.

Auch die modellierten Umwelteffekte fallen substanziell aus. Die Autoren der PNAS-Studie berechnen eine globale Reduktion von 6 Millionen Tonnen Stickstoffemissionen und einen Rückgang der Nitratbelastung um 11 Prozent.

Gleichzeitig könnten Einsparungen in Höhe von 1.300 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten erzielt werden. Den ökonomischen Berechnungen nach steht für diese Transformation einer erforderlichen Investition von 25 Milliarden US-Dollar ein prognostizierter Gesamtnutzen von 226 Milliarden US-Dollar gegenüber.

Ernüchterung im europäischen Lebensmittelmarkt

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Die Modellrechnung im Fachjournal PNAS beziffert das globale Potenzial der Insektenzucht auf 4,2 Millionen Tonnen tierisches Protein pro Jahr — bei 25 Milliarden US-Dollar Investitionsbedarf und 226 Milliarden US-Dollar prognostiziertem Gesamtnutzen. Wer als Futtermittel-Entscheider die Kosten- und Flächeneffekte einordnen will, findet in diesem Report die belastbaren Kennzahlen und einen Drei-Schritte-Einstieg. Kostenlosen Report zur Insektenzucht anfordern

Während der Einsatz als Nutztierfutter an Bedeutung gewinnt, gestaltet sich die Etablierung von Insektenprodukten auf dem deutschen Lebensmittelmarkt schwierig.

Zwar sind bestimmte Insektenarten wie Mehlwürmer in der Europäischen Union als Lebensmittel zugelassen, doch der erhoffte breite Durchbruch ist bislang ausgeblieben. Nach einer Phase mit etwa 20 bis 30 aktiven Unternehmen in den Jahren 2018 bis 2022 existieren heute in diesem Bereich weniger als 10 Unternehmen.

Große Handelsketten wie Lidl, Aldi Süd, Rewe und tegut führen keine Insektenprodukte in ihren Sortimenten. Als wesentliche Markteintrittsbarrieren gelten verbreiteter Ekel bei Konsumenten, bürokratische Vorgaben sowie die starke Konkurrenz durch etablierte vegetarische und vegane Alternativen.

Junge Unternehmen sehen derzeit vor allem in Nischen wie der Sportlernahrung verbleibende Chancen, während der eigentliche Hauptabsatzmarkt für Insektenproteine weiterhin im Futtermittelsektor liegt.

Verwertung organischer Reststoffe in der internationalen Praxis

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Steigende Stickstoff- und CO2-Emissionen setzen die Tierhaltung unter Druck: Die PNAS-Modellrechnung veranschlagt Einsparungen von 6 Millionen Tonnen Stickstoffemissionen, 11 Prozent weniger Nitratbelastung und 1.300 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten. Dieser Report zeigt, wie Reststoffverwertung mit der Schwarzen Soldatenfliege in der Praxis funktioniert — von der Abfallumrechnung bis zur Düngerrückführung. Praxis-Checkliste Reststoffverwertung sichern

Über die reine Forschung hinaus zeigen internationale Anwendungen, wie Insekten zur Verwertung landwirtschaftlicher Abfallprodukte genutzt werden. In der peruanischen Region San Martín verarbeitet das Unternehmen Kawát organische Kaffeeabfälle mithilfe der Schwarzen Soldatenfliege (Hermetia illucens). Die Larven dieser Fliegenart dienen dabei der biologischen Reststoffverwertung.

Nach Angaben des Unternehmens vermag ein Kilogramm Eier der Schwarzen Soldatenfliege bis zu 25 Tonnen Abfall umzuwandeln. Daraus entstehen rund 5 Tonnen Larven, etwa 1.700 Kilogramm Insektenmehl und 15 Tonnen organischer Dünger. Solche Verfahren verdeutlichen, wie die Insektenbiomasse zur Schließung von Stoffkreisläufen beitragen kann, indem pflanzliche Reststoffe in proteinhaltige Produkte und Düngemittel rückgeführt werden.

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