Interpol-Bericht, Cybercrimes

Inter55% der Cybercrimes in Afrika nutzen KI

Veröffentlicht am: 14.08.2026 um 08:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

55 Prozent der Cyberstraftaten in Afrika nutzen KI. Schäden stiegen 2025 auf 484 Millionen Dollar, Behörden fehlt Fachwissen.

Interpol-Report: KI-Kriminalität in Afrika nimmt rasant zu
Ein dunkles Büro bei Nacht, beleuchtet durch das kalte blaue Licht von Computermonitoren, im Hintergrund technisches Equipment. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die internationale Polizeiorganisation Interpol warnt in einer neuen Analyse vor einer massiven Zunahme KI-gestützter Cyberkriminalität auf dem afrikanischen Kontinent.

Laut dem aktuell veröffentlichten „African Cyberthreat Assessment Report 2026“ basierten im vergangenen Jahr bereits 55 Prozent aller gemeldeten Cyberstraftaten in Afrika auf dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Die technologische Aufrüstung der Täter spiegelt sich dabei in drastisch gestiegenen Schadenssummen und Opferzahlen wider.

Massive Zunahme der finanziellen Schäden

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Internetkriminalität in der Region haben sich innerhalb kurzer Zeit vervielfacht. Den Daten von Interpol zufolge stiegen die finanziellen Verluste durch Cybercrime in Afrika von 192 Millionen US-Dollar im Jahr 2024 auf 484 Millionen US-Dollar im Jahr 2025 an. Betrachtet man den Zeitraum von 2019 bis 2025, summierten sich die kumulierten Schäden auf etwa 3 Milliarden US-Dollar.

Parallel zur Schadenssumme ist auch die Anzahl der Betroffenen sprunghaft gewachsen. Während für das Jahr 2024 noch 35.000 Opfer registriert wurden, stieg diese Zahl im Jahr 2025 auf 87.000 an. Als am häufigsten gemeldete Deliktform identifizierte die Behörde verschiedene Arten von Online-Betrug.

Ein besonders deutlicher Trend zeigte sich bei sogenannten Deepfakes: Zwischen dem zweiten und dem vierten Quartal des Jahres 2024 verzeichneten Experten einen siebenfachen Anstieg solcher Vorfälle.

Technologische Raffinesse und regionale Schwerpunkte

Die Täter nutzen Künstliche Intelligenz zunehmend, um Sicherheitsbarrieren zu überwinden. So berichtete Interpol über den Einsatz von KI-generierten synthetischen Identitäten, mit denen biometrische Verifizierungssysteme umgangen werden können. Zudem wurden etwa 600.000 Fälle von Erpressungen mit sexuellem Hintergrund, sogenannter Sextortion, erfasst.

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Der Bericht zeigt zudem deutliche regionale Schwerpunkte auf dem Kontinent. Während Ostafrika als Zentrum für Betrug im Bereich mobiler Bezahldienste gilt, konzentrieren sich Aktivitäten in Zentral- und Westafrika verstärkt auf den sogenannten Business Email Compromise (BEC) sowie auf Romantik-Betrugsmaschen.

Die Infrastruktur für diese Verbrechen ist weit verbreitet; 72 Prozent der untersuchten Länder gaben an, dass sich auf ihrem Staatsgebiet illegale Betrugszentren befinden.

Diese Entwicklung trifft auf eine Region mit rasant wachsender digitaler Infrastruktur. Für das Jahr 2025 wurden in Afrika 1,1 Milliarden Mobilfunkanschlüsse, 570 Millionen Internetnutzer und ein Volumen von 1,1 Billionen US-Dollar bei digitalen Transaktionen verzeichnet.

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Kapazitätsengpässe bei den Sicherheitsbehörden

Trotz der zunehmenden Bedrohungslage offenbart die Analyse erhebliche Defizite bei der Bekämpfung dieser Straftaten. Den Angaben zufolge verfügen lediglich 8 Prozent der beteiligten Geheimdienstanalysten über fortgeschrittene Expertise im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Insgesamt gaben 92 Prozent der befragten Behörden an, dass es ihnen an technischem Fachwissen mangelt, um der neuen Bedrohungslage effektiv zu begegnen.

Immerhin gibt es Fortschritte auf regulatorischer Ebene: Im Jahr 2025 haben 17 afrikanische Staaten neue Gesetze zur Bekämpfung der Cyberkriminalität verabschiedet. Unterstützt wurde der Bericht durch Daten des Unternehmens S2W, das eine Zunahme von Inhalten mit afrikanischem Ursprung im Dark Web um 62 Prozent im Vergleich zum Vorjahr identifizierte.

S2W war unmittelbar an der Erstellung des Berichts beteiligt und lieferte detaillierte Einblicke in die Aktivitäten krimineller Netzwerke in anonymisierten Bereichen des Internets.

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