Internetinfrastruktur, Kabelbrüche

Internetinfrastruktur: 150 bis 200 Kabelbrüche jährlich gefährden globales Netz

28.06.2026 - 08:35:42 | boerse-global.de

Mehrere Unterseekabel vor Abidjan reißen und legen Datenverkehr in Westafrika lahm. Experten warnen vor Verwundbarkeit des globalen Netzes.

Kabelbrüche vor Elfenbeinküste: Massive Internetstörungen in Ghana
Internetinfrastruktur - Glasfaserkabel in tiefblauem Ozeanwasser, ein ausgefranstes Ende schwach leuchtend. Lichtpartikel schweben um sie herum. 28.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Folge: Massive Internetstörungen in Ghana und den Nachbarländern.

Der staatliche Telekommunikationsanbieter MTN Ghana bestätigte die Schäden am Samstag. Demnach kam es zu Kabelbrüchen vor Abidjan, die Datenverbindungen in Ghana und mehreren angrenzenden Staaten lahmlegten. Das Unternehmen arbeitet nach eigenen Angaben mit internationalen Partnern an der Wiederherstellung der Verbindungen.

Der Vorfall ist der jüngste in einer Reihe von Störungen, die ein grundlegendes Problem offenbaren: Das globale Netz ist verwundbarer, als viele denken. Rund 99 Prozent des internationalen Datenverkehrs laufen über Unterwasserkabel – ein System, das auf dem Meeresboden oft ungeschützt liegt.

Neue US-Regeln gegen chinesische Anbieter

Nur einen Tag vor dem Kabelbruch reagierte die US-Kommunikationsbehörde FCC mit verschärften Regeln. Am Freitag stimmte die Behörde für eine strengere Überwachung der Unterwasserinfrastruktur. Konkret werden chinesische Firmen wie Huawei, ZTE, China Telecom und China Mobile vom Verkauf entsprechender Ausrüstung ausgeschlossen.

Die FCC führt zudem eine Lizenzpflicht für Betreiber von Submarine Line Terminal Equipment (SLTE) ein. Im Gegenzug sollen US-Unternehmen mit hohen Sicherheitsstandards schnellere Genehmigungen erhalten. Die Maßnahmen zielen auf zwei Bedrohungen ab: staatlich gesteuerte Sabotage und die physische Sicherheit der rund 500 Kabelsysteme, die sich über 1,8 Millionen Kilometer durch die Ozeane ziehen.

Die größte Gefahr kommt von der Schifffahrt

Die Statistik spricht eine deutliche Sprache: Jährlich kommt es zu 150 bis 200 Kabelbrüchen. Zwischen 70 und 80 Prozent aller Schäden gehen auf Fischereiaktivitäten oder Schiffsanker zurück, die über den Meeresboden schleifen. Das Problem: Nur 28,7 Prozent des Meeresbodens sind hochauflösend kartiert. Weniger als 0,001 Prozent wurden direkt beobachtet.

Anzeige

Rund 99 Prozent des internationalen Datenverkehrs laufen über Unterwasserkabel – und jährlich kommt es zu 150 bis 200 Kabelbrüchen. Mit dem kostenlosen Resilienz-Check identifizieren Sie Schwachstellen in Ihrer Netz-Infrastruktur und erhalten konkrete Maßnahmen zur Absicherung. Resilienz-Check per E-Mail anfordern

Sicherheitsexperten sehen eine wachsende Gefahr durch die sogenannte Schattenflotte – alternde Tanker, die oft zur Umgehung von Sanktionen eingesetzt werden. Mehrere Vorfälle der letzten Jahre werden solchen Schiffen zugeschrieben:

  • Im Oktober 2023 beschädigte die Newnew Polar Bear die Gaspipeline Balticconnector
  • Im November 2024 durchtrennte die Yi Peng 3 zwei Kabel in der Ostsee
  • 2025 beschädigte die Shunxin-39 ein Kabel vor der Küste Taiwans

Neue Technologien gegen alte Gefahren

Einige Länder setzen bereits auf High-Tech-Überwachung. Finnland nutzt im Finnischen Meerbusen die Distributed Acoustic Sensing (DAS)-Technologie. Das Verfahren erfasst Vibrationen von Ankern, die über den Meeresboden schleifen, anhand von Lichtpuls-Störungen in Glasfaserkabeln. Weitere Lösungen: KI-gestützte Analyse und autonome Unterwasserfahrzeuge (AUVs).

Investitionen in die Netz-Resilienz

Trotz der Risiken wächst die Investition in Netz-Redundanz. Am Freitag startete Orange Tunesien das Unterseekabel MEDUSA mit einer neuen Landestation in Bizerte. Das Projekt soll die internationale Bandbreite Tunesiens erhöhen und die Anbindung an europäische Digitalknoten verbessern.

Anzeige

Betrifft Ihr Unternehmen die Verwundbarkeit der globalen Kabelinfrastruktur? Die kostenlose Checkliste zeigt Ihnen die fünf kritischen Schwachstellen und wie Sie Ihre Netz-Resilienz gezielt stärken. Checkliste zur Netz-Resilienz anfordern

Besonders akut ist der Bedarf an robuster Infrastruktur in Afrika. Der Markt für Rechenzentren auf dem Kontinent soll bis 2031 auf rund 8,76 Milliarden Euro wachsen – bei einer jährlichen Steigerungsrate von 15,76 Prozent. Treiber sind strategische Knotenpunkte in Nigeria, Südafrika, Kenia und Ägypten.

Doch die aktuellen Störungen zeigen: Ohne mehr Netzvielfalt und schnellere Reparaturkapazitäten bleiben Unterbrechungen die Regel. Die Electricity Company of Ghana (ECG) reagierte am Samstag mit einem neuen digitalen Netzmanagementsystem, das Fehler schneller erkennen und beheben soll – ein kleiner Schritt für ein Land, das die Verwundbarkeit der digitalen Welt gerade am eigenen Leib erfährt.

de | wissenschaft | 69644374 |