Europas, Ariane-6-Rakete

Europas Ariane-6-Rakete steht vor kommerziellem Erstflug

02.03.2025 - 04:33:38

Jahrelang musste Europas Raumfahrt auf die Ariane 6 warten, steckte zwischendurch sogar in einer Krise der TrÀgerraketen. Nun steht der erste kommerzielle Start der Rakete an. Warum ist er wichtig?

  • Auch aus Deutschland kamen wichtige Teile der Ariane 6. (Archivbild) - Foto: Frank T. Koch/ArianeGroup/Hill Media GmbH/dpa

    Frank T. Koch/ArianeGroup/Hill Media GmbH/dpa

  • Die Ariane 6 ist wichtig fĂŒr einen unabhĂ€ngigen Zugang Europas zum Weltall. (Archivbild) - Foto: S. Corvaja/ESA/dpa

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  • Bei ihrem Erstflug flog die Ariane 6 mit zwei Boostern. (Archivbild) - Foto: Rachel Boßmeyer/dpa

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  • Die Ariane 6 hob erstmals im vergangenen Juli ab. (Archivbild) - Foto: Rachel Boßmeyer/dpa

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Auch aus Deutschland kamen wichtige Teile der Ariane 6. (Archivbild) - Foto: Frank T. Koch/ArianeGroup/Hill Media GmbH/dpaDie Ariane 6 ist wichtig fĂŒr einen unabhĂ€ngigen Zugang Europas zum Weltall. (Archivbild) - Foto: S. Corvaja/ESA/dpaBei ihrem Erstflug flog die Ariane 6 mit zwei Boostern. (Archivbild) - Foto: Rachel Boßmeyer/dpaDie Ariane 6 hob erstmals im vergangenen Juli ab. (Archivbild) - Foto: Rachel Boßmeyer/dpa

Europas neue TrĂ€gerrakete Ariane 6 steht vor einem wichtigen Meilenstein: Am Montag um 17:24 Uhr deutscher Zeit soll der erste kommerzielle Start der Rakete vom europĂ€ischen Weltraumbahnhof in Kourou in Französisch-Guayana aus versucht werden. Die Rakete ist fĂŒr einen unabhĂ€ngigen europĂ€ischen Zugang ins All entscheidend. Mit ihr kann Europa eigenstĂ€ndig grĂ¶ĂŸere Satelliten in den Weltraum bringen.

Besonderes Augenmerk auf erstem kommerziellem Flug

Der erste kommerzielle Flug, bei dem die Rakete einen Satelliten fĂŒr die französische Luftwaffe in gut einer Stunde 800 Kilometer weit ins All bringen soll, dĂŒrfte mit Spannung verfolgt werden. Denn obwohl der Erstflug des Raketentyps im vergangenen Sommer weitgehend erfolgreich war, funktionierte eine erneute ZĂŒndung eines Triebwerks in der sogenannten Testphase am Ende des Flugs nicht.

Die europĂ€ischen Raumfahrtbehörde Esa und ihre Partner fĂŒhrten dies darauf zurĂŒck, dass eine gemessene Temperatur einen Grenzwert ĂŒberschritt und so das System gestoppt wurde, das zur ZĂŒndung eines Hilfstriebwerks hĂ€tte fĂŒhren sollen. 

Der Ablauf wurde daraufhin ĂŒberarbeitet. Ob die drei ZĂŒndungen der Oberstufe nun wie vorgesehen funktionieren, dĂŒrfte daher besonders genau beobachtet werden.

Viel Interesse an dem Start dĂŒrfte es aber auch wegen einer anderen Rakete geben: Die europĂ€ische Vega C, die kleinere Satelliten ins All bringen soll, hatte ihren Erstflug im Sommer 2022 problemlos hingelegt. Doch der erste kommerzielle Start mehrere Monate spĂ€ter missglĂŒckte. 

Erst im vergangenen Dezember kehrte die Rakete nach knapp zweijĂ€hriger Pause auf die Startrampe zurĂŒck. Ihr Ausfall gepaart mit den Verzögerungen bei der Ariane 6 stĂŒrzte Europas TrĂ€gerraketen-Sektor zeitweise in eine Krise.

Ariane 6 startete vier Jahre spÀter als geplant

Eigentlich hÀtte die Ariane 6 nÀmlich schon 2020 an den Start gehen sollen. Es gab jedoch immer wieder Verzögerungen, und sie hob letztlich mit vier Jahren VerspÀtung ab. Misslich war das, weil ihre VorgÀngerin Ariane 5 da schon seit etwa einem Jahr nicht mehr im Dienst war. Teils wich die Esa auf Falcon-9-Raketen des US-Unternehmens SpaceX aus.

Die Ariane 6 soll Satelliten fĂŒr kommerzielle und öffentliche Auftraggeber ins All befördern und ist deutlich gĂŒnstiger als ihre VorgĂ€ngerin. Je nach Mission kann die flexible und modulare Rakete mit zwei oder vier Boostern ausgestattet werden. Beim Erstflug im vergangenen Juli und auch nun ist die Ariane 6 mit zwei Boostern ausgestattet. Ende des Jahres soll sie erstmals mit vier Boostern abheben.

Die Rakete kann bis zu 11,5 Tonnen Nutzlast in höhere und bis zu 21,6 Tonnen in niedrigere Umlaufbahnen transportieren. Und durch die Möglichkeit, die Oberstufe wiederholt zu zĂŒnden, kann Ariane 6 Satelliten in verschiedene Positionen und Umlaufbahnen platzieren.

Modern trotz Verzögerungen?

Trotz der VerspÀtung entspricht die Ariane 6 der Esa zufolge den aktuellen Herausforderungen. Raumfahrtexperte Martin Tajmar von der TU Dresden meint hingegen nicht, dass die Rakete auf der Höhe der Zeit sei. 

Mit Blick auf das US-Raumfahrtunternehmen SpaceX sagt Tajmar: «2015 ist das erste Mal die Falcon-9-Rakete erfolgreich wieder gelandet und hat quasi das Zeitalter der wiederverwendbaren Raumfahrt gegrĂŒndet, wo natĂŒrlich alle anderen jetzt dann komplett alt ausschauen.» Erst die Rakete, die irgendwann die Ariane 6 ablöst, soll wiederverwendbar sein.

Auch wenn die Meinungen dazu, wie modern und wettbewerbsfÀhig die Ariane 6 ist, auseinandergehen; ihre wichtigste Aufgabe ist unbestritten, Europa einen eigenen Zugang zum All zu bieten und so die UnabhÀngigkeit zu sichern.

Am Bau der Ariane 6 waren gut ein Dutzend LĂ€nder beteiligt. Die Oberstufe wurde in Bremen montiert, die Tanks der Oberstufe und Teile des Triebwerks kommen aus Augsburg beziehungsweise Ottobrunn. Im baden-wĂŒrttembergischen Lampoldshausen wurde das Vinci-Triebwerk getestet. Nach Frankreich ist Deutschland unter den Esa-LĂ€ndern der wichtigste Geldgeber und hat etwa 20 Prozent der rund vier Milliarden Euro hohen Kosten der Rakete geschultert.

@ dpa.de