Superwahljahr, Wahlkampf

Superwahljahr 2024: Wenn die KI Wahlkampf betreibt

04.04.2024 - 14:00:00

Jena - Knapp vier Milliarden Menschen in 70 LĂ€ndern, fast die HĂ€lfte der Weltbevölkerung, treten laut Berechnungen (https://www.economist.com/interactive/the-world-ahead/2023/11/13/2024-is-the-biggest-election-year-in-history) dieses Jahr den Gang zur Wahlurne an, auch in Deutschland: Neben zahlreichen Kommunal- und Landtagswahlen werden deutsche Wahlberechtigte im Juni ĂŒber das EuropĂ€ische Parlament abstimmen. Mit der zunehmenden Verbreitung und ZugĂ€nglichkeit von KĂŒnstlicher Intelligenz wĂ€chst das Risiko, dass WĂ€hler desinformiert und in ihrer Entscheidung beeinflusst werden. Experten des europĂ€ischen IT-Sicherheitsherstellers ESET gehen davon aus, dass Wahlmanipulationen durch KI in verschiedenen Formen auftreten werden.

Jena - Knapp vier Milliarden Menschen in 70 LĂ€ndern, fast die HĂ€lfte der Weltbevölkerung, treten laut Berechnungen ( https://www.economist.com/interactive/the-world-ahead/2023/11/13/2024-is-the-biggest-election-year-in-history ) dieses Jahr den Gang zur Wahlurne an, auch in Deutschland: Neben zahlreichen Kommunal- und Landtagswahlen werden deutsche Wahlberechtigte im Juni ĂŒber das EuropĂ€ische Parlament abstimmen. Mit der zunehmenden Verbreitung und ZugĂ€nglichkeit von KĂŒnstlicher Intelligenz wĂ€chst das Risiko, dass WĂ€hler desinformiert und in ihrer Entscheidung beeinflusst werden. Experten des europĂ€ischen IT-Sicherheitsherstellers ESET gehen davon aus, dass Wahlmanipulationen durch KI in verschiedenen Formen auftreten werden.

"Es ist sehr wahrscheinlich, dass es in diesem Jahr Manipulationsversuche durch KI bei Wahlen geben wird, zum Beispiel in Form von gefĂ€lschten Politikervideos. Nicht nur politische Parteien im eigenen Land haben ein Interesse daran, dem politischen Gegner zu schaden, auch auslĂ€ndische Akteure werden versuchen, durch KI in den Wahlkampf einzugreifen", erklĂ€rt Michael Klatte, IT-Sicherheitsexperte bei ESET. "WĂ€hler in Deutschland mĂŒssen deshalb achtsam sein, wenn sie auf Social Media oder in anderen Quellen Nachrichten konsumieren – die KI-Technik ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass selbst Profis gefĂ€lschte Bilder und Videos nicht auf den ersten Blick erkennen."

Wenige Daten reichen fĂŒr ein realistisches Video vom Bundeskanzler

Generative KI kann sehr realistische gefÀlschte Inhalte erstellen, sogenannte Deepfakes. Die Idee dahinter: Die manipulierten Bilder und Videos sollen das Image von Politikern beschÀdigen und Ereignisse inszenieren, die nie stattgefunden haben. Ende letzten Jahres machte beispielsweise ein gefaktes Video von Olaf Scholz ( https://www.br.de/nachrichten/netzwelt/scholz-deepfake-sind-ki-faelschungen-verboten,TwzZ6nE ) die Runde. Ziel solcher Aktionen ist es, politische Gegner zu diffamieren, was im Wahlkampf Stimmen kosten kann.

Da die Produktionstechnik stetig ausgefeilter wird, fĂ€llt es immer schwerer, zwischen authentischen und gefĂ€lschten Inhalten zu unterscheiden. Um ein solches Videos zu erstellen, benötigt man nur das richtige Rohmaterial an Daten, beispielsweise Videos, Bilder und Tonaufnahmen – all dies gibt es von Politikern online en masse. KI-Tools, die mit Hilfe dieser Daten Bilder, Texte und Audiodateien generieren, sind online fĂŒr eine geringe NutzungsgebĂŒhr verfĂŒgbar und erstellen innerhalb kĂŒrzester Zeit authentisch wirkende Medien.

Desinformation mit KI bei Wahlen ist lÀngst RealitÀt

In den USA, wo der PrĂ€sidentschaftswahlkampf bereits im vollen Gange ist, erfreuen sich KI-Tools bereits großer Beliebtheit, um politische Gegner zu diffamieren. So forderte beispielsweise ein KI-Anrufer WĂ€hler im US-Bundesstaat New Hampshire dazu auf, nicht an den Vorwahlen teilzunehmen und torpedierte somit den Wahlkampf des amtierenden US-PrĂ€sidenten Joe Biden.

In Deutschland werden Desinformationskampagnen ĂŒber andere KanĂ€le vermutet: Vor allem Social-Media-Plattformen und Messenger-Dienste wie TikTok, Instagram sowie Telegram und WhatsApp werden schon heute dazu genutzt, um Falschinformationen zu verbreiten – auch, wenn deren Betreiber schon viel tun, um dem entgegenzuwirken ( https://digital-strategy.ec.europa.eu/de/news/online-platforms-put-special-focus-elections-third-batch-reports-under-code-practice-disinformation ). Im Wahlkampf werden BetrĂŒger die große Reichweite dieser KanĂ€le nutzen, um Falschinformationen schnell an viele EmpfĂ€nger zu verteilen.

Tipps zur Erkennung von KI-gesteuerter Falschinformation

Die gute Nachricht ist: Demokratien schauen nicht tatenlos dabei zu, wenn ihre Wahlprozesse drohen, manipuliert zu werden. Das Ende 2022 in der EU in Kraft getretene "Gesetz ĂŒber digitale Dienste ( https://digital-strategy.ec.europa.eu/de/policies/dsa-impact-platforms )" (Digital Services Act) nimmt Suchmaschinen- und auch Social-Media-Betreiber in die Pflicht, Risiken bei Wahlprozessen abzumildern. Dazu gehört auch die Reaktion auf Desinformation. Die Löschung fragwĂŒrdiger Inhalte kann trotzdem einige Zeit in Anspruch nehmen. Nutzer sollten sich deshalb an die folgenden Tipps halten, wenn sie auf scheinbar brisante Neuigkeiten und Skandale politischer WĂŒrdentrĂ€ger im Internet stoßen:

* ÜberprĂŒfen Sie die Quelle : ÜberprĂŒfen Sie die GlaubwĂŒrdigkeit der Quelle, insbesondere bei unbekannten oder fragwĂŒrdigen Nachrichtenquellen. * Analysieren Sie den Inhalt : Achten Sie auf Anzeichen von Unstimmigkeiten, Ungenauigkeiten oder ĂŒbermĂ€ĂŸig emotionalen Inhalten, die auf eine mögliche Manipulation hinweisen könnten. * Achten Sie auf Details: Obwohl KI-Technologien immer besser werden, kommt es immer noch zu Fehlern und Ungenauigkeiten. HĂ€ufig sehen auf Bildern beispielsweise HĂ€nde unnatĂŒrlich aus, in Videos wirken Lippenbewegungen ungenau bzw. asynchron.

Weitere Tipps stellt die Bundesregierung online ( https://www.bundesregierung.de/breg-de/schwerpunkte/umgang-mit-desinformation/falschmeldungen-erkennen-1750146 ) zur VerfĂŒgung.

(Ende)

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