Umfrage, LehrkrÀften

Umfrage unter LehrkrÀften: Cybermobber lauern schon in Grundschulen

16.01.2024 - 10:15:00

Jena - Seit zwei bis drei Jahren beobachten Lehrende einen steigenden Trend an Psychoterror und Schikane ĂŒber Internet und digitale Medien – in jeder zweiten Schule, selbst schon bei den JĂŒngsten. Dabei fĂ€llt auf, dass jedes Kind nicht nur Opfer, sondern auch TĂ€ter sein kann. Das sind unter anderem die Ergebnisse einer von YouGov im Auftrag vom IT-Sicherheitshersteller ESET durchgefĂŒhrten reprĂ€sentativen Umfrage. Befragt wurden 350 LehrkrĂ€fte an Grund-, Förder-, Haupt- und Realschulen sowie Gymnasium, Regel- und Berufsschulen.

"Mobbing an Schulen geschieht nicht nur auf dem Pausenhof, sondern wird ĂŒber Soziale Medien oder in Klassenchats weitergefĂŒhrt", erklĂ€rt IldikĂł Bruhns, Projektleiterin der ESET-Initiative "Safer Kids Online". "An mehr als jeder zweiten Grundschule kam es zu ein bis zwei VorfĂ€llen in den letzten zwölf Monaten, an jeder dritten Grundschule sogar zu drei bis fĂŒnf Cybermobbing-FĂ€llen. Die Dunkelziffer wird deutlich höher liegen. Und die Tendenz zeigt leider seit Jahren nach oben."

Cybermobbing: Jedes Alter und alle Schulformen betroffen

Denken Eltern an Cybermobbing, verbinden sie das Thema in erster Linie mit Jugendlichen. Und das zu Recht: Laut der aktuellen Umfrage von ESET gibt es an mehr als jeder zweiten Schule digitale Schikane, am meisten bei 12- bis 15-JĂ€hrigen (69 %) und 16- bis 18-JĂ€hrigen (42 %). An jeder zwölften Schule tritt Cybermobbing sogar hĂ€ufig auf. Besonders hoch ist der Wert an Regelschulen: Hier ist jede fĂŒnfte Einrichtung betroffen.

Vereinzelte FĂ€lle von Cybermobbing gibt es am meisten an Realschulen (75 %), gefolgt von Förderschulen (73 %). "Auch wenn die Grundschulen den niedrigsten Wert von 51 Prozent aufweisen, ist das Ergebnis trotzdem alarmierend, dass die JĂŒngsten schon digitalen Angriffen ausgesetzt sind", warnt IldikĂł Bruhns. "Trotz einiger BemĂŒhungen bleibt Cybermobbing ein unterschĂ€tztes Thema in Deutschland. Strafrechtlich existiert es nicht einmal als Tatbestand. Ein Gesetz gegen Cybermobbing, mehr AufklĂ€rung und Offensiven an Schulen – Staat und Politik sind hier in der Pflicht, das umzusetzen."

Fast die HĂ€lfte aller Schulen beobachtet, dass Cybermobbing in den vergangenen Jahren etwas angestiegen ist, vor allem Realschulen sind betroffen (58 %). Beunruhigend ist, dass die Grundschulen den zweithöchsten Wert (51%) verbuchen und Cybermobbing – wenn auch nur knapp – hier stĂ€rker wĂ€chst als bei den "Großen" in Gymnasien und Realschulen (50 %). Die Zunahme an Cybermobbing ist vielen Lehrenden nicht neu: Seit zwei bis drei Jahren beobachten sie den Negativtrend an jeder zweiten Schule. Doch auch an jeder zweiten Grundschule ist er deutlich wahrnehmbar.

SchĂŒlerinnen werden am hĂ€ufigsten zum Ziel von Cybermobbing

Betroffen sind in Lehranstalten fast alle SchĂŒlerinnen (89 %), in Regel- und Berufsschulen sogar jede. In Grundschulen gerĂ€t mehr als jede zweite Lernende ins Visier von Cybermobbern, bei SchĂŒlern sind es sogar 80 Prozent. Jede vierte Lehrerin und jeder fĂŒnfte Lehrer ist im Allgemeinen digitaler Schikane ausgesetzt, selbst in Grundschulen bereits jeder zehnte Lehrende.

Bei den Ergebnissen fĂ€llt auf, dass jedes Kind nicht nur Opfer, sondern auch TĂ€ter sein kann. In der HĂ€lfte der FĂ€lle lassen sich die Mobber nicht nur einem Geschlecht zuordnen. Das zieht sich mehr oder weniger quer durch alle Schulformen mit Ausnahme der Hauptschule: In nur mehr als jedem achten Fall sind die TĂ€ter sowohl mĂ€nnlich als auch weiblich. DarĂŒber hinaus sticht hier heraus, dass der Anteil an TĂ€terinnen weit ĂŒber Durchschnitt (13 %) liegt: Jede Zweite macht ihren Mitmenschen dort das Leben schwer. Über alle Schulformen hinweg kommen die Mobber am hĂ€ufigsten aus dem direkten Klassenumfeld (71 %), mehr als jeder Zweite (58 %) aus dem mittelbaren Umfeld, wie der Nachbarklasse oder einem höheren Jahrgang.

PrÀvention in Grundschulen hat Luft nach oben

Pöbeln auf dem Schulhof oder Mobbing mit technischen Hilfsmitteln – beide Formen treten laut Umfrageergebnissen fast gleich oft auf. Ein Viertel der Befragten beobachtet, dass Cybermobbing etwas hĂ€ufiger vorkommt, vor allem an Berufsschulen (41 %) und Gymnasien (32 %). Über die HĂ€lfte aller Cybermobbing-VorfĂ€lle und damit die meisten entwickeln sich durch direkte, persönliche Beleidigung. Mit Abstand belegen hier Realschulen (88 %) einen zweifelhaften Spitzenplatz. Doch auch Grundschulen liegen mit 54 Prozent noch vor Gymnasien und Berufsschulen.

Wird ein konkreter Cybermobbing-Vorfall beobachtet, gibt es fast immer GesprĂ€che mit den Betroffenen (88%) und in mehr als jedem zweiten Fall eine Meldung bei der Leitung (64 %). Mit Anzeigen wird lediglich in etwas mehr als jedem vierten Fall reagiert und ein Rechtsanwalt so gut wie nie eingeschaltet (5 %). Damit es gar nicht erst zu digitalen Beleidigungen & Co. kommt, ergreifen alle Bildungseinrichtungen vorbeugende Maßnahmen, am meisten AufklĂ€rungs- und PrĂ€ventionsarbeit im Unterricht (78 %), gefolgt von Kursen, Schulungen und Projekten gegen Cybermobbing (55 %). Doch von wegen "FrĂŒh ĂŒbt sich": Grundschulen verbuchen hier jeweils den vorletzten Platz unter den Bildungseinrichtungen.

Tipps fĂŒr Kinder und Jugendliche

* Kinder sollten nicht zu viel von sich preisgeben. Adresse, Telefonnummer und freizĂŒgige Bilder haben nichts auf Sozialen Medien und generell im Internet zu suchen. Was einmal dort veröffentlicht wurde, lĂ€sst sich kaum mehr löschen. * Der Nachwuchs sollte Bilder wĂ€hlen, auf dem er nicht eindeutig erkennbar ist. Bilder von anderen zu veröffentlichen, geht nur mit deren EinverstĂ€ndnis. * Kinder mĂŒssen verstehen, dass man selbst schnell zum Opfer oder TĂ€ter werden kann. Eltern sollten ihnen ein Problembewusstsein schaffen und ĂŒber Cybermobbing reden. * Immer misstrauisch bleiben. Nicht jeder hat Gutes im Internet im Sinn oder erzĂ€hlt die Wahrheit ĂŒber sich. Also Augen auf bei der Freundeswahl. * Nicht mitmachen! Kinder sollten sich nicht bei Streitereien einspannen lassen, schon gar nicht, wenn man andere fertig machen will. Mobbing-Attacken sollten sofort gemeldet werden, erst recht, wenn man selbst betroffen ist.

Über die Umfrage Die Online-Umfrage wurde im Auftrag von ESET von der YouGov Deutschland GmbH durchgefĂŒhrt. Befragt wurden 350 LehrkrĂ€fte von Grund-, Förder-, Haupt- und Realschulen sowie Gymnasium, Regel- und Berufsschulen im Zeitraum vom 10. Bis zum 16. November 2023.

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Aussender: ESET Deutschland GmbH Ansprechpartner: Philipp Plum Tel.: +49 3641 3114 141 E-Mail: [email protected] Website: www.eset.de

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