Job Hugging: 78% der Arbeitnehmer fürchten Jobverlust
Veröffentlicht am: 24.08.2026 um 17:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Marktdaten und Umfragen deuten auf einen signifikanten Wandel in der Mentalität von Beschäftigten hin. Anstelle von beruflicher Mobilität und dem Streben nach schnellen Karrieresprüngen rückt die Sicherung des bestehenden Arbeitsplatzes in den Vordergrund. Dieses als „Job Hugging“ bezeichnete Phänomen lässt sich in verschiedenen Wirtschaftsregionen beobachten und wird maßgeblich durch die Angst vor Arbeitsplatzverlusten sowie technologische Umbrüche getrieben.
Sicherheitsbedürfnis und sinkende Wechselbereitschaft
In Peru verdeutlichen Ergebnisse einer Bumeran-Umfrage unter 4.646 Teilnehmenden den ausgeprägten Wunsch nach Beständigkeit. Laut der Erhebung fürchten 78 Prozent der dortigen Arbeitnehmer einen Jobverlust. Dies führt dazu, dass 43 Prozent Stabilität als oberste Priorität einstufen, während 31 Prozent eine generelle Angst vor einem Stellenwechsel äußern.
Insgesamt identifizieren sich 46 Prozent der Befragten mit dem Konzept des „Job Hugging“, also dem bewussten Festhalten an der aktuellen Position. Auch die Personalverantwortlichen nehmen diesen Trend wahr: 89 Prozent der HR-Experten in Peru rechnen mit einer weiteren Zunahme dieses Verhaltens.
Ein ähnliches Bild zeigt sich in Singapur, wo die Kündigungsrate im Jahr 2024 mit 1,3 Prozent den niedrigsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten erreichte. Daten für das erste Halbjahr 2025 weisen mit 1,2 Prozent auf eine Fortsetzung dieser Entwicklung hin.
Besonders niedrig ist die Fluktuation bei Fach- und Führungskräften (PMET) mit einer Kündigungsrate von 0,9 Prozent. Die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit in dem Stadtstaat stieg von 7,3 Jahren im Jahr 2014 auf 8 Jahre im Jahr 2024 an.
Künstliche Intelligenz als Unsicherheitsfaktor
Die fortschreitende Integration Künstlicher Intelligenz (KI) in den Arbeitsalltag verstärkt die Sorge um die langfristige Beschäftigungsfähigkeit. In Österreich ergab ein Hiring Trends Update von Stepstone im zweiten Quartal 2026, dass 44 Prozent der Beschäftigten einen Jobverlust durch KI befürchten.
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Zwar sehen 75 Prozent der Befragten die Notwendigkeit zur Weiterbildung, jedoch gab nur die Hälfte an, entsprechende Angebote von ihren Arbeitgebern zu erhalten.
In Deutschland zeigt sich die Bundesregierung weniger alarmiert und betont, dass KI selten ganze Berufsbilder ersetze, sondern vielmehr Aufgabenbereiche verändere. Dennoch weist eine Ifo-Umfrage darauf hin, dass theoretisch bis zu 20 Prozent der Unternehmen Hochschulabsolventen durch KI-Anwendungen ersetzen könnten.
Branchenexperten warnen zudem vor einer Arbeitsverdichtung. Die soziologische Forschung sieht die Ursache hierfür weniger in der Technik selbst als im Profitstreben, was zu Phänomenen wie einer mentalen Überlastung durch KI führen könne.
Strategische Neuorientierung am Arbeitsmarkt
Die Suche nach Sicherheit beeinflusst auch die Berufswahl junger Menschen. Im deutschen Handwerk stieg die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im ersten Halbjahr 2026 um 4,9 Prozent auf 67.800. Angesichts von 250.000 offenen Stellen im Sektor und der Wahrnehmung praktischer Berufe als „KI-sicher“ entscheiden sich zunehmend auch Abiturienten für diesen Weg.
Gleichzeitig sichern sich viele Beschäftigte finanziell ab. Laut Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) für das Jahr 2025 gehen 11 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland einem Nebenjob nach – eine deutliche Steigerung gegenüber dem Jahr 2005, als dieser Anteil bei 6 Prozent lag. Während ein Sechstel auf das Zusatzeinkommen angewiesen ist, geben 46 Prozent Freude an der Tätigkeit als Grund an.
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Strukturwandel in der Industrie
Große Industrieunternehmen stehen vor massiven Transformationen, die das Sicherheitsgefühl der Belegschaften weiter unter Druck setzen. Bei Volkswagen kündigte die Konzernführung einen harten Umbau an, da die Rendite mit 3,8 Prozent als zu niedrig eingestuft wird.
In diesem Zusammenhang wird über die Schließung von bis zu vier Werken und den Wegfall von 50.000 Stellen spekuliert. Eine befragungsbasierte Schätzung geht davon aus, dass in der gesamten deutschen Industrie im Jahr 2026 bis zu 100.000 Arbeitsplätze abgebaut werden könnten, was die Bedeutung individueller Weiterbildung zur Absicherung der eigenen Erwerbsbiografie unterstreicht.
