Joyn, ZDF

Joyn und ZDF: Mediathek-Inhalte ab November 2026 kostenlos verfügbar

Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 01:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Streaming soll 2026 erstmals mehr Umsatz als klassische Medien erzielen; ProSiebenSat.1 setzt auf Kooperationen und eine gemeinsame Plattform.
Ein modernes, minimalistisches Fernsehstudio mit professioneller Aufnahmetechnik in einer abendlichen, atmosphärischen Beleuchtung. Illustration mit AI erstellt.

Im Vorfeld der Medientage München hat ProSiebenSat.1-Chef Marco Giordani bei einer Abendveranstaltung zu einem engeren Schulterschluss der deutschen Medienunternehmen aufgerufen.

Um im Wettbewerb gegen globale Tech-Konzerne bestehen zu können, seien umfassende Partnerschaften im Heimatmarkt notwendig. Dies schließe ausdrücklich auch die Zusammenarbeit mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk ein. Er kündigte an, alles zu versuchen, um Partnerschaften mit anderen deutschen Unternehmen einzugehen, ließ konkrete künftige Partner dabei jedoch zunächst offen.

Streaming überholt klassische Medienumsätze

Hintergrund des Vorstoßes ist der fundamentale Wandel bei der Mediennutzung und den Werbeeinnahmen. Giordani prognostiziert, dass Streamingdienste in Deutschland im Jahr 2026 erstmals mehr Umsatz erzielen als klassische Medien wie TV und Radio.

Diese Einschätzung deckt sich mit aktuellen Daten des Branchenverbands Vaunet. Laut dessen Herbstprognose wachsen die Audio- und Bewegtbildumsätze in Deutschland 2026 um 1,8 Prozent auf 16,3 Milliarden Euro, nach 16,0 Milliarden Euro im Jahr 2025. Der Streaminganteil übersteigt dabei mit 8,6 Milliarden Euro und 52 Prozent erstmals die Marke von der Hälfte des Gesamtmarkts.

Zugleich schrumpft die klassische TV-Werbung um sechs Prozent auf 3,1 Milliarden Euro. Die Marktmacht verlagert sich dabei zunehmend: 72 Prozent der Video-Streaming-Werbung entfallen mittlerweile auf internationale Konzerne wie Alphabet, Amazon, ByteDance und Meta.

Öffentlicher Rundfunk als Partner und Plattform-Ausbau

Als konkretes Beispiel für eine funktionierende Zusammenarbeit verwies ProSiebenSat.1 auf die Kooperation mit dem ZDF. Während auf der Streaming-Plattform Joyn bereits ZDF-Livestreams abrufbar sind, sollen ab November 2026 auch Inhalte der ZDF-Mediathek kostenlos integriert werden. Joyn selbst soll als kostenloser, werbefinanzierter Dienst positioniert bleiben.

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Parallel treibt der Konzern seine internationale technische Aufstellung voran. Unter Führung der Muttergesellschaft MediaForEurope plant ProSiebenSat.1 ab dem ersten Quartal 2027 eine einheitliche Streaming-Plattform in allen fünf Ländern der Gruppe.

Die Bündelung der stärksten Streamingteile in Italien, Deutschland, Spanien und Portugal sowie der Zugriff in Österreich und der Schweiz sollen zu sinkenden Kosten und besserer Technik führen. Zudem trennt sich das Unternehmen von Randaktivitäten: Der Video-Marktplatz Glomex wird an das Münchner Unternehmen 3Q verkauft, wobei der Abschluss für Anfang 2027 vorgesehen ist.

Debatte über Allianzen im Markt

Die Notwendigkeit neuer Allianzen prägt die Diskussionen der gesamten Branche. Ein auf den Medientagen vorgestelltes Gutachten der Wissenschaftler Christian Zabel und Ulrike Rohn warnt davor, dass internationale Tech-Konzerne den deutschen Medienmarkt bis 2035 ohne Gegenmaßnahmen zunehmend dominieren könnten.

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Die Autoren empfehlen eine wirksame Regulierung globaler Plattformen sowie eine stärkere Kooperation zwischen privaten Anbietern und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

In den Chefetagen der Sender stößt der Gedanke gemeinsamer Initiativen auf zunehmende Resonanz. Neben Programmpromotion und Drittplattform-Ausspielungen diskutieren Vertreter von ARD, RTL und ProSiebenSat.1 unter anderem über gemeinsame Großprojekte wie die künftige Gestaltung des Vorentscheids zum Eurovision Song Contest.

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