Jugend, Nordrhein-Westfalen

Das «erste Mal» passiert spĂ€ter - und mit VerhĂŒtung

22.01.2026 - 12:54:30

Jugendliche lassen sich mit dem ersten Sex mehr Zeit als noch vor einigen Jahren. Sie warten auf den Richtigen und den passenden Moment.

  • Viele Jugendliche begrĂŒndeten ihre ZurĂŒckhaltung damit, den Richtigen noch nicht gefunden zu haben. - Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

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  • Jugendliche warten heute lĂ€nger mit dem «ersten Mal» als noch vor sechs Jahren, wie eine Umfrage ergab. - Foto: Christophe Gateau/dpa

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Viele Jugendliche begrĂŒndeten ihre ZurĂŒckhaltung damit, den Richtigen noch nicht gefunden zu haben. - Foto: Rolf Vennenbernd/dpaJugendliche warten heute lĂ€nger mit dem «ersten Mal» als noch vor sechs Jahren, wie eine Umfrage ergab. - Foto: Christophe Gateau/dpa

Das «erste Mal» findet spĂ€ter, mit VerhĂŒtung und ĂŒberwiegend in einer festen Partnerschaft statt: Das zeigt eine Umfrage des Bundesinstituts fĂŒr Öffentliche Gesundheit (BIÖG) unter mehr als 5.800 Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die in Köln vorgestellt wurde. 

Demnach haben 23 Prozent der 16-JÀhrigen schon Geschlechtsverkehr gehabt - bei der VorgÀngerumfrage 2019 waren es 34 Prozent. Auch in den anderen Altersgruppen ist der Anteil der bereits sexuell aktiven Jugendlichen gesunken. «WÀhrend 2019 die Mehrheit der jungen Menschen mit 17 Jahren den ersten Sex erlebt hatte, ist die Mehrheit heute 19 Jahre alt», sagte Studienleiterin Sara Scharmanski. 

Den Richtigen noch nicht gefunden

Gefragt nach den GrĂŒnden fĂŒr ZurĂŒckhaltung gaben 47 Prozent der 14- bis 17-jĂ€hrigen MĂ€dchen an, den Richtigen noch nicht gefunden zu haben - bei den Jungen waren es 55 Prozent. Knapp die HĂ€lfte (49 Prozent) der MĂ€dchen und ein Drittel der Jungen (34 Prozent) hielt sich fĂŒr zu jung. 

Auch beim KĂŒssen sind Jugendliche zurĂŒckhaltender geworden. WĂ€hrend 2019 bereits mehr als die HĂ€lfte der 14-JĂ€hrigen den ersten Kuss erlebt hatte, war dies 2025 erst bei einem Drittel der Fall. 

Weniger Gelegenheiten jemanden kennenzulernen

Dass Jugendliche sich mit dem ersten Sex mehr Zeit lassen, sei internationalen Studien zufolge auch in vielen anderen LĂ€ndern zu beobachten, sagte Scharmanski. Ein Grund sei ein verĂ€ndertes Freizeitverhalten, das weniger Gelegenheiten biete, Gleichaltrige kennenzulernen. Corona habe bei dieser Entwicklung «als eine Art Katalysator» fungiert. Zudem hĂ€tten junge Menschen ein stĂ€rkeres Gesundheits- und SicherheitsbedĂŒrfnis, das sich etwa auch in Befragungen zum Alkohol- und Drogenkonsum widerspiegele. 

Mehr als 60 Prozent der Befragten gaben an, das «erste Mal» sei fĂŒr sie «gerade zum richtigen Zeitpunkt» passiert. 65 Prozent der weiblichen und 53 Prozent der mĂ€nnlichen Befragten waren mit ihrem ersten Sexpartner in einer Beziehung oder gut bekannt (weiblich: 25 Prozent, mĂ€nnlich: 31 Prozent).

Die meisten benutzen Kondome

Fast alle achteten auf VerhĂŒtung: Nur 5 Prozent der 14- bis 17-JĂ€hrigen haben den selbst gemachten Angaben zufolge beim ersten Sex nicht verhĂŒtet (2019: 9 Prozent). Am hĂ€ufigsten griffen Jugendliche dabei zum Kondom (76 Prozent), gut ein Drittel verwendete die Pille. In knapp neun von zehn Partnerschaften sprechen Jugendliche und junge Erwachsene offen ĂŒber VerhĂŒtung, zwei Drittel thematisieren auch den Schutz vor sexuell ĂŒbertragbaren Krankheiten. 

Beim Thema AufklĂ€rung sind den Umfragedaten zufolge Schule und Eltern wichtiger geworden. 78 Prozent der Befragten gaben an, im Schulunterricht Wissen ĂŒber SexualitĂ€t und VerhĂŒtung erhalten zu haben (2019: 69 Prozent). Das Internet als Informationsquelle hat mit 53 Prozent leicht an Bedeutung verloren (2019: 59 Prozent).

Prien: Sexuelle Bildung stÀrkt das Selbstbewusstsein

FĂŒr die zehnte Analyse zur JugendsexualitĂ€t hat das BIÖG zwischen Februar und Juli 2025 bundesweit 5.855 junge Menschen zwischen 14 und 25 Jahren befragt. Die Ergebnisse zeigten, dass SexualaufklĂ€rung in Deutschland wirke, sagte Scharmanski.

Bundesjugendministerin Karin Prien (CDU) nannte die Ergebnisse ermutigend. Sexuelle Bildung helfe, ungewollte Schwangerschaften und sexuell ĂŒbertragbare Infektionen zu vermeiden. «Vor allem stĂ€rkt sie junge Menschen in ihrer Selbstbestimmung», sagte Prien. Damit leiste sie auch einen wichtigen Beitrag zum Schutz vor sexualisierter Gewalt.

@ dpa.de