Jugendliche und Bewegung: Ab 12000 Schritten zeigen sich weniger psychische Symptome
Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 21:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erreichen 81 Prozent der Jugendlichen im Alter von 11 bis 17 Jahren die empfohlenen Aktivitätsrichtlinien nicht.
Vor diesem Hintergrund liefern aktuelle wissenschaftliche Daten neue Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen körperlicher Betätigung und seelischem Wohlbefinden: Eine im Fachjournal JAMA Network Open erschienene Untersuchung des King's College London und der University of Massachusetts Amherst zeigt, dass mehr Bewegung im Jugendalter mit einer robusteren psychischen Gesundheit und messbaren Veränderungen im Gehirn einhergeht.
Mehr Schritte, weniger Symptome
Für die Analyse wurden Daten von 5515 US-amerikanischen Heranwachsenden im Alter von 11 bis 12 Jahren (Durchschnittsalter 12 Jahre) ausgewertet, die an 21 Standorten an der Adolescent Brain Cognitive Development Study (ABCD) teilnahmen.
Die Probanden trugen drei Wochen lang einen Bewegungssensor des Typs Fitbit Charge. Im Durchschnitt absolvierten die Jugendlichen rund 9600 Schritte pro Tag, wobei sich die Mehrheit im Bereich zwischen 7400 und 11400 Schritten bewegte.
Die Auswertung über die Child Behaviour Checklist ein Jahr später ergab, dass eine höhere Schrittzahl mit weniger psychischen Beschwerden wie Angst, gedrückter Stimmung oder Verhaltensproblemen verbunden war. Jugendliche mit weniger als 5000 Schritten täglich wiesen die meisten Symptome auf.
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Bei 5000 bis 7499 Schritten sowie um 8000 Schritten sanken die Auffälligkeiten kontinuierlich, während Teilnehmende ab 12000 Schritten am wenigsten belastet waren. Im Gegensatz zu früheren Untersuchungen, die ein Plateau bei etwa 8000 Schritten nahelegten, zeigte sich in dieser Erhebung kein Abflachen des Nutzens im beobachteten Bereich.
Forscherin Amanda Paluch von der University of Massachusetts Amherst hob hervor, dass bereits 1000 bis 2000 zusätzliche Schritte täglich, ausgehend von jedem Niveau, mit einer besseren Hirnstruktur und psychischen Gesundheit verbunden seien.
Veränderungen in der Großhirnrinde
Ergänzende Magnetresonanztomografien (MRT) machten strukturelle Korrelationen im Gehirn sichtbar. Eine höhere Schrittzahl ging mit einer etwas dickeren Großhirnrinde in zwei Regionen einher: dem rostralen anterioren cingulären Kortex, der für Gefühls- und Reizverarbeitung zuständig ist, sowie dem parazentralen Kortex, der Bewegung und Körperwahrnehmung verarbeitet.
Statistische Auswertungen zeigten, dass der parazentrale Kortex den Zusammenhang zwischen Bewegung und verringerten Stimmungsproblemen vermittelte, wobei insbesondere die Beinregion einen kleinen Teil erklärte. Dagegen zeigte sich kein eindeutiger Zusammenhang mit den schulischen Leistungen; lediglich die Gruppe mit 10000 bis 11999 Schritten schnitt besser ab als jene mit unter 5000 Schritten.
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Methodische Einordnung
Die Forschenden ordnen die Resultate mit Verweis auf methodische Grenzen ein: Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, die keine Kausalität belegen kann – auch wenn der Zusammenhang nach Berücksichtigung früherer psychischer Probleme bestehen blieb.
Zudem basieren Teile der Befunde auf Selbstauskünften, und Schrittzähler erfassen vorrangig Gehen und Laufen. Ein fester Zielwert lasse sich aus den Daten nicht ableiten, gleichwohl verweisen die Ergebnisse auf das Potenzial alltäglicher Bewegung zur Förderung der mentalen Widerstandskraft bei Jugendlichen.
