Jugendliche, Stress

Jugendliche und Stress: 72 Prozent sorgen sich laut COPSY um Kriege

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 17:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien zeigen verbreitete Sorgen und Erschöpfung; lokale Projekte, digitale Beratung und Schulworkshops sollen junge Menschen stärken.

Psychische Belastungen bei Jugendlichen: Schulen und Kommunen bauen Hilfen aus
Ein heller, leerer Klassenraum mit im Kreis angeordneten Stühlen in sanftem Sonnenlicht. Illustration mit AI erstellt.

Kommunale Träger, Schulen und Fachkräfte der Jugendsozialarbeit verstärken ihre Anstrengungen, um jungen Menschen konkrete Strategien zur Bewältigung von Alltagsbelastungen zu vermitteln. Mit einer Bandbreite aus niedrigschwelligen Projekten, digitaler Unterstützung und präventiven Schulworkshops reagieren Einrichtungen im deutschsprachigen Raum auf zunehmende psychosoziale Herausforderungen im Heranwachsendenalter.

Steigender Handlungsbedarf an Schulen und in Kommunen

Erhebungen zur Lebenssituation junger Menschen verdeutlichen die Hintergründe der verstärkten Aktivitäten. Im Deutschen Schulbarometer 2025/26 wird festgehalten, dass die psychische Belastung von Schülerinnen und Schülern wieder zunimmt, wobei Kinder aus einkommensschwachen Familien besonders betroffen sind.

Die COPSY-Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf dokumentiert, dass sich 72 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen Sorgen wegen Kriegen machen, 70 Prozent wegen Terrorismus und 57 Prozent wegen der Klimakrise. Ergänzend ergab das DAK-Präventionsradar, dass 65 Prozent der Befragten von häufiger Erschöpfung und 33 Prozent von Einsamkeit berichten.

Auch beim Übergang in das Berufsleben zeigen sich Belastungen: Der DGB-Ausbildungsreport 2026 erfasste, dass 50,6 Prozent der Auszubildenden psychische Belastungen erleben.

Als wesentliche Faktoren wurden Leistungs- und Zeitdruck (20,9 Prozent), Personalmangel (19,6 Prozent), Verantwortungsdruck (19,2 Prozent), Schichtdienst und Arbeitszeiten (17,7 Prozent) sowie lange Fahrtzeiten (16,5 Prozent) genannt.

Die Nachfrage nach Unterstützung spiegelt sich auch im klinischen Bereich wider. An den SFU-Universitätsambulanzen in Wien wurden von Jänner bis August 2026 in der Psychotherapeutischen Ambulanz für Kinder und Jugendliche 260 Erstgespräche verzeichnet – rund 60 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres mit 161 Gesprächen.

Im selben Zeitraum wurden dort rund 200 Kinder und Jugendliche mit etwa 4.000 Therapieeinheiten versorgt. Das Kinderpsychologische Zentrum betreute mit Stichtag 28. September 2026 insgesamt 120 Heranwachsende in der Diagnostik und rund 14 in Behandlung.

Niedrigschwellige Angebote und digitale Zugänge

Um Belastungen frühzeitig aufzufangen, setzen Kreise und Kommunen vermehrt auf dezentrale Formate. Im Landkreis Oberspreewald-Lausitz entstand im Zuge der Präventionsstrategie „Communities That Care“ ein musikalisches Projekt: Jugendliche schrieben nach einer kreisweiten Jugendbefragung einen eigenen Song über Ängste, Sorgen und seelische Gesundheit. Die Initiative baut auf einer Kooperationsvereinbarung aus dem Jahr 2023 und einer Befragung über den Jahreswechsel 2024/2025 auf.

Der baden-württembergische Rems-Murr-Kreis setzt auf digitale Hilfestellungen. Dort startete eine zweijährige Pilotphase für die App „Between The Lines“, betrieben von der Between The Lines gGmbH im Auftrag des Kreisjugendamts.

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72 Prozent der Jugendlichen machen sich Sorgen wegen Kriegen, 65 Prozent berichten von häufiger Erschöpfung — und auf einen Therapieplatz wartet man oft Monate. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Eltern und Lehrkräften, wie sie ins Gespräch kommen und welche niedrigschwelligen Angebote es vor Ort gibt. Kostenlosen Eltern-Ratgeber anfordern

Finanziert über die Stiftung der Kreissparkasse Waiblingen, bietet die Anwendung Heranwachsenden kosten- und werbefreie Informationen sowie anonyme Übersichten zu regionalen Beratungsstellen, Praxen und Kliniken.

Landrat Dr. Richard Sigel verwies in diesem Zusammenhang auf gestiegene Belastungen junger Menschen, während Mitgründer Oliver Kröger den Vorrang von Vorsorge gegenüber reiner Krisenintervention hervorhob.

In Klettgau decken drei Schulsozialpädagogen die Grundschulen Grießen und Erzingen sowie die Realschule Klettgau ab. Der Tätigkeitsbericht im Gemeinderat wies 246 Einzelgespräche mit Schülern sowie 141 Elterngespräche aus.

Während an den Grundschulen Programme wie „Lubo aus dem All“, „Pausenhelden“ und „Echt stark“ greifen, stehen an der Realschule Sucht- und Gewaltprävention sowie Prüfungsvorbereitung im Fokus. Sozialpädagoge Torsten Durstewitz beobachtete dabei eine Zunahme familiärer Schwierigkeiten. Im dortigen Jugendraum Cosmo wurden seit Jahresbeginn zudem 270 Heranwachsende registriert.

Resilienzförderung im schulischen Alltag

In den Klassenzimmern etablieren sich kontinuierliche Resilienzprogramme. Eine Evaluation der Universität Leipzig zum Modellvorhaben „Mental Health Coaches“, das an rund 80 Standorten und etwa 125 Schulen über zweieinhalb Jahre lief, belegt eine breite Zustimmung: 80 Prozent der Schulleitungen stuften die Akzeptanz hoch ein, rund 90 Prozent zeigten sich zufrieden mit der Kooperation.

Über 90 Prozent sprachen sich für eine flächendeckende Einführung aus, und neun von zehn Schülerinnen und Schülern gaben an, das Angebot erneut nutzen zu wollen.

Auch in Österreich werden Programme ausgeweitet. Beim Projekt „Gemeinsam lösen wir’s“ des Jugendrotkreuzes Niederösterreich nahmen im Schuljahr 2025/26 insgesamt 1.442 Schülerinnen und Schüler aus 66 Schulklassen an vierstündigen Workshops ab der 7. Schulstufe teil; aktuell stehen 106 geschulte Vortragende bereit.

Begleitet wurde die Arbeit durch die Kampagne „Yellow September“ zur Suizidprävention und psychischen Gesundheit. An der Volksschule St. Georgen am Ybbsfelde arbeiten Klassen wiederum mit Begleitmaterialien wie Sorgentäschchen und Übungskarten im Rahmen des Workshops „Im Herzen stark“.

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An der HTL Pinkafeld nahmen in der vierten Schulwoche rund 1.200 Schülerinnen und Schüler an einstündigen Workshops zu Leistungsdruck, Prüfungsangst und seelischen Belastungen teil, initiiert durch den Verein VsUM.

Weitere Initiativen wie das Projekt „Starkes Bauchgefühl“ an der Sekundarschule Nordeifel, ein neues zweijähriges Vorhaben der Karl-Bröcker-Stiftung in Lippstadt sowie Entspannungsangebote des Diakonievereins Orlatal ergänzen die Bestrebungen, Heranwachsenden frühzeitig verlässliche Strategien zur Bewältigung von Alltags- und Entwicklungsstress an die Hand zu geben.

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