Jugendschutz, Netz

Jugendschutz im Netz: Vier von zehn Sicherheitsfunktionen versagen

30.06.2026 - 12:48:38 | boerse-global.de

Neue Gesetze in den USA, Philippinen und Australien zwingen Plattformen zu mehr Schutz Minderjähriger. Eine Studie zeigt massive Lücken bei freiwilligen Maßnahmen.

USA, Philippinen und Australien verschärfen Kinderschutz im Netz
Jugendschutz - Junge Hand interagiert mit digitalem Interface, schützende Lichtschilde formen sich um die Finger. 30.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Neue Forschungsergebnisse belegen, dass die freiwilligen Sicherheitsmaßnahmen der großen Plattformen weitgehend versagen.

US-Repräsentantenhaus verabschiedet umfassendes Kinderschutzgesetz

Das US-Repräsentantenhaus hat am Montag mit 267 zu 117 Stimmen den Kids Internet and Digital Safety Act (KIDS Act) verabschiedet. Das Gesetzespaket bündelt mehrere bereits bekannte Vorhaben, darunter den SCREEN Act, den SAFE BOTs Act, COPPA 2.0 und den SPY Kids Act.

Die Plattformen müssen künftig Werkzeuge bereitstellen, mit denen Kinder süchtig machende Designelemente einschränken können. Die Weitergabe von Standortdaten wird eingeschränkt, Werbung an Minderjährige verboten. Der Datenschutz nach COPPA wird auf Jugendliche bis 17 Jahre ausgeweitet. Zudem gelten neue Regeln für KI-Chatbots, und Datendienste müssen sich bei der Handelskommission registrieren.

Der Senat hatte bereits im Juli 2024 mit 91 zu 3 Stimmen den Kids Online Safety Act (KOSA) verabschiedet. Die Version des Repräsentantenhauses verzichtet jedoch auf eine Sorgfaltspflicht-Klausel. Kritiker warnen vor weitreichenden Altersverifikationen, die Privatsphäre und Meinungsfreiheit gefährden könnten.

Philippinen: Algorithmen unter Aufsicht

Auf den Philippinen wurde am Dienstag der Children's Social Media Safety Act (House Bill No. 9965) eingebracht. Das Gesetz verbietet soziale Medien für Kinder unter 13 Jahren und verlangt die ausdrückliche Zustimmung der Eltern für Jugendliche zwischen 13 und 17.

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Die Plattformen müssen zuverlässige Alterskontrollen einführen und ihre Algorithmen offenlegen, die Minderjährigen Inhalte empfehlen. Regelmäßige Transparenzberichte an das Informationsministerium sind Pflicht. Bei Verstößen drohen Strafen von umgerechnet rund 900.000 Euro.

Australien erhöht Druck auf Tech-Konzerne

Die australische Regierung hat am Montag ein Gesetz eingebracht, das die Höchststrafen für Verstöße gegen das Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige verdoppelt. Tech-Giganten drohen nun Strafen von umgerechnet knapp 60 Millionen Euro.

Die Online-Sicherheitsbehörde erhält zudem neue Befugnisse: Sie kann sensible Dokumente zu Sicherheitsprotokollen anfordern. Bei Nichtbefolgung werden Strafen von bis zu einer Million Euro fällig. Seit dem Verbot im Dezember 2025 wurden rund fünf Millionen Konten von unter 16-Jährigen deaktiviert. Meta testet als Reaktion KI-gestützte Alterserkennung.

Studie belegt: Vier von zehn Schutzfunktionen versagen

Der Vorstoß für verbindliche Regeln folgt auf eine Studie des Cybersafety Research Center der New Yorker Universitäten NYU und Northeastern. Die Forscher testeten 86 Jugendschutzfunktionen auf TikTok, Instagram, Snapchat und YouTube. Das ernüchternde Ergebnis: Nur 35 Funktionen (40 Prozent) arbeiteten wie beworben.

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Die höchste Ausfallrate verzeichnete Snapchat mit 73 Prozent, gefolgt von Instagram (66 Prozent), YouTube (55 Prozent) und TikTok (50 Prozent). Die Plattformen bestreiten die Ergebnisse. Die Studie verstärkt jedoch den Druck auf die Politik, verbindliche Standards statt freiwilliger Selbstverpflichtungen durchzusetzen.

In Kanada schloss sich die Generalstaatsanwältin von British Columbia, Niki Sharma, den Forderungen nach obligatorischen Meldepflichten an. Parallel wird dort der Safe Social Media Act (Bill C-34) eingebracht, der ähnliche Schutzmechanismen für kanadische Jugendliche vorsieht.

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