Jugendsucht: Alkohol und Medikamente gefÀhrden 13- bis 15-JÀhrige
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 21:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Dynamik jugendlichen Suchtverhaltens unterliegt einem deutlichen Wandel, der Politik, Behörden und PrĂ€ventionsexperten vor neue Aufgaben stellt. Aktuelle Daten und Berichte aus verschiedenen BundeslĂ€ndern sowie auf europĂ€ischer Ebene verdeutlichen, dass neben klassischen Substanzen wie Alkohol zunehmend der Missbrauch von Medikamenten sowie digitale AbhĂ€ngigkeiten in den Fokus rĂŒcken. Dies erfordert angepasste AnsĂ€tze im langfristigen Suchtmanagement und in der PrĂ€vention.
Regionale Trends bei stoffgebundenem Suchtmittelkonsum
In Brandenburg zeigten Berichte fĂŒr das Jahr 2025 eine deutliche Zunahme von Suchtproblemen bei Kindern und Jugendlichen in Ludwigsfelde. Laut Monika von der Lippe, Fachbereichsleiterin im Sozialausschuss, liege der Schwerpunkt dabei auf SchĂŒlern der Klassenstufen 8 und 9 im Alter von 13 bis 15 Jahren.
Besonders besorgniserregend sei der Missbrauch von verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln und Antidepressiva sowie von Alkohol. Es kam in diesem Zusammenhang bereits zu RettungseinsĂ€tzen aufgrund bewusstloser Kinder an verschiedenen Fokusorten wie dem Aktivpark, dem Skatepark sowie im Umfeld lokaler Grundschulen. Als Reaktion wurden MaĂnahmen wie eine erhöhte PolizeiprĂ€senz, der Einsatz neuer Streetworker und verstĂ€rkte PrĂ€vention an Schulen initiiert.
Ein Blick nach Norddeutschland bestĂ€tigt hohe Konsumwerte bei jungen Menschen. Eine Untersuchung in Bremen und Bremerhaven fĂŒr den Zeitraum 2024/2025 ergab, dass 12,9 % der 16- bis 17-JĂ€hrigen in Bremen regelmĂ€Ăig schĂ€dliche Mengen Alkohol konsumieren. In Bremerhaven liegt dieser Wert mit 18,7 % noch höher.
Zudem nutzen 19 % der Jugendlichen in Bremen und 24 % in Bremerhaven Einweg-E-Zigaretten, sogenannte Vapes. Ein problematisches GlĂŒcksspielverhalten wurde bei jedem zehnten Jugendlichen festgestellt. In der Bremer BĂŒrgerschaft fordert ein politischer Antrag nun eine wirksame SuchtprĂ€ventionsstrategie mit Modell-Stadtteilen in Gebieten mit sichtbarer Drogenszene.
Risiken durch Nikotinprodukte und digitale Medien
Im bundesweiten Vergleich gewinnen neue Nikotinprodukte an Bedeutung. Laut dem Bundesinstitut fĂŒr Ăffentliche Gesundheit (BIĂG) hatten im Jahr 2025 bereits 5,5 % der 12- bis 17-JĂ€hrigen sowie 18,9 % der 18- bis 25-JĂ€hrigen Erfahrungen mit Nikotinbeuteln gesammelt.
Suchtprobleme bei 13- bis 15-JĂ€hrigen nehmen zu â vom Missbrauch verschreibungspflichtiger Schmerzmittel bis zu neuen Nikotinprodukten. Wer frĂŒh hinschaut, kann gegensteuern. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen die wichtigsten Warnsignale und den passenden GesprĂ€chseinstieg. Kostenlosen Eltern-Leitfaden anfordern
Ein BĂŒndnis aus ĂŒber 60 VerbĂ€nden fordert die konsequente Durchsetzung des Verkaufsverbots dieser Produkte, da sie als neuartige Lebensmittel eingestuft werden. Das Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung (BfR) weist darauf hin, dass diese Beutel Nikotinspiegel im Blut erzeugen können, die mit denen herkömmlicher Zigaretten vergleichbar sind.
Neben Substanzen rĂŒckt die Mediensucht in den Fokus. Experten sehen bei exzessivem Gaming, Online-Shopping und der Nutzung sozialer Netzwerke zunehmend Suchtmerkmale. Auf einem PrĂ€ventionstag in Offenbach wurde betont, dass pauschale Verbote oft abgelehnt werden; stattdessen mĂŒsse die Medienkompetenz gestĂ€rkt und die Plattformbetreiber stĂ€rker in die Pflicht genommen werden.
Politische Strategien und regulatorische MaĂnahmen
In Berlin hat der Senat unter Gesundheitssenatorin Ina Czyborra eine neue Landesstrategie zur Sucht- und Drogenpolitik beschlossen. Die Notwendigkeit wird durch steigende Zahlen untermauert: Die Zahl der Drogentoten in der Hauptstadt stieg zuletzt auf jÀhrlich 300 an.
In der ambulanten Suchthilfe wurden im Jahr 2024 ĂŒber 21.000 Betreuungen verzeichnet. Die PrĂ€valenz fĂŒr Kokain und Crack liegt in Berlin mit 5,0 % deutlich ĂŒber dem Bundeswert von 1,6 %.
Auf europĂ€ischer Ebene stellte Ursula von der Leyen PlĂ€ne fĂŒr einen sogenannten âKids Actâ vor. Dieser sieht vor, den Zugang zu sozialen Netzwerken fĂŒr Kinder unter 13 Jahren vollstĂ€ndig zu beschrĂ€nken. Jugendliche zwischen 13 und 15 Jahren sollen lediglich elternbeaufsichtigte Konten mit einem Zeitlimit von einer Stunde pro Tag nutzen dĂŒrfen.
Nicht nur Alkohol: Auch Vapes und Nikotinbeutel erreichen Teenager lĂ€ngst im Alltag. Statt pauschaler Verbote brauchen Eltern klare Regeln, die sich in den Familienalltag einfĂŒgen. Der Leitfaden liefert Ihnen konkrete GesprĂ€chsbausteine und eine Checkliste fĂŒr die Mediennutzung. Checkliste fĂŒr Eltern jetzt sichern
Erst ab 15 Jahren sollen eigene Nutzerkonten möglich sein. Die EU-Kommission plant zudem, suchtfördernde Mechanismen wie das automatische Endlos-Scrollen oder Autoplay-Funktionen zu verbieten. Bei VerstöĂen drohen Technologiekonzernen BuĂgelder von bis zu sechs Prozent ihres weltweiten Jahresumsatzes.
Zur Altersverifikation soll ab Anfang 2027 auch in Deutschland eine entsprechende App verfĂŒgbar sein. Expertinnen der UniversitĂ€t Wien und des Uniklinikums TĂŒbingen begrĂŒĂten den Ansatz, verwiesen jedoch auf Herausforderungen bei der technischen Umsetzung und mögliche Umgehungsstrategien.
